Wie die Untersuchung abläuft

26. Juli 2007, 13:05
4 Postings

Was theoretisch am Papier als neues Konzept gefeiert wurde, klingt in Praxis wie die altbekannte "Durchuntersuchung" - neue Details inklusive

Ein Arzt für Allgemeinmedizin erhebt in einem Gespräch, der Anamnese, wesentliche Risikofaktoren des Betroffenen. Dazu gehören unter anderem Trink-, Rauch-, Essverhalten, Medikamenteneinnahme ect. Familienanamnestisch wird besprochen, welche Erkrankungen im unmittelbaren familiären Umfeld auftreten. Von Bedeutung sind hier vor allem kardiovaskuläre Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen und Karzinome.

Die klinische Untersuchung

Es folgt die klinische Untersuchung. Dazu gehört auch die Messung des Blutdrucks, die Erhebung des Körpergewichts und damit die Bestimmung des BMI, beziehungsweise die Abmessung des Taillenumfangs. Dies dient der Einschätzung wie hoch das Risiko ist, durch Übergewicht oder Adipositas (Fettleibigkeit) einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder andere Erkrankungen zu erleiden.

Hören, Tasten und Sehen

Hier versucht der Arzt für Allgemeinmedizin sämtliche klinische Merkmale und Auffälligkeiten zu dokumentieren. Dazu zählen die üblichen Untersuchungen wie die Auskultation des Herzen und der Lunge mit dem Stethoskop, die Palpation der Schilddrüse auf eine mögliche Vergrößerung oder Knotenbildung hin und die Begutachtung der Haut, vor allem in Hinblick auf auffällige Muttermale.

Das Blutbild

Die obligate Blutabnahme ist für viele Menschen nach wie vor eine undurchschaubare, weil abstrakte Untersuchungsmethode. Viele können mit den erhobenen Laborparametern nicht viel anfangen. Im Rahmen der Gesundenuntersuchung werden unter anderem folgende Parameter ermittelt:

Gesamtcholesterin

Der bekannteste Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Normwert liegt bei 150-200mg/dl. Auch bei gering erhöhtem Gesamtcholesterin ist in der Folge besonders das HDL-Cholesterin von Bedeutung. Es ist durchaus möglich, dass ein gesunder sportlicher Mensch so viel HDL-Cholesterin aufweist, dass sein Gesamtcholesterin mässig erhöht ist.

HDL-Cholesterin (gutes Cholesterin)

Wünschenswert bei Frauen > 45mg/dl, bei Männern > 35mg/dl, das heißt je höher desto besser. Ein erniedrigter Wert bedeutet ein erhöhtes Risiko. Gefährliche Kombination: hohe Triglyzeride und niedriges HDL-Cholesterin.

Triglyzeride

Hohe Werte bedeuten vor allem in der Kombination mit erniedrigtem HDL-Cholesterin ein Risiko, der Normwert liegt unter 200mg/dl.

GGT

Das ist ein Leberenzym, das bei schwerem Alkoholkonsum fast immer erhöht ist. Allerdings kann man dem Patienten unrecht tun. Es gibt auch Medikamente, die zu erhöhten Werten führen, ebenso eine überstandene Hepatitis.

Blutzucker

Der Nüchternzucker liegt im Normalfall unter 110mg/dl und steigt nach dem Essen auf maximal 140mg/dl an.

Harnuntersuchung

Neben der Blutabnahme gehört die Untersuchung des Harnes zu einer wichtigen Diagnosemethode. Der Patient gibt entweder vor Ort eine Harnprobe ab oder aber er bringt in einem dafür vorgesehenen sterilen Gefäss einen Morgenharn (Mittelstrahlharn) mit. Untersucht wird der Harn mit Hilfe eines Teststreifens, der in den Harn eingetaucht wird. Die verschiedenen Felder zeigen verschiedene Parameter (Eiweiss, ph-Wert, Harnzucker, Bilirubin, weisse Blutkörperchen, Keton, Nitrit) an und verfärben sich in typischer Weise. Weicht die Farbe von der Norm ab, kann man bereits diagnostische Aussagen machen oder aber im Anschluss noch aufwändigere Tests durchführen.

Wesentlich an den Blut- und Harnuntersuchungen: Es können Erkrankungen beziehungsweise Funktionsstörungen zu einem Zeitpunkt festgestellt werden, an dem der Kranke noch völlig beschwerdefrei ist.

Fachspezifische Untersuchungen

Mit dem Besuch beim Arzt für Allgemeinmedizin ist es allerdings nicht getan. Denn zu der Vorsorgeuntersuchung NEU gehört für Frauen unter anderem der jährliche Besuch eines Facharztes für Gynäkologie.

Für die Frau - Der Abstrich

Beim Gynäkologen wird ein PAP-Abstrich (Papanicolaou-Abstrich) abgenommen. Dieser dient der Früherkennung eines Zervixkarzinoms. Aus der Region des Gebärmutterhalses (Portiooberfläche und Zervikalkanal) wird Schleim entnommen, um dann im Labor die darin vorkommenden Zellen auf bösartige Veränderungen hin zu untersuchen. Der Abstrich wird nach der Methode von Papanicolaou eingefärbt, um die Zellveränderungen im Mikroskop besser beurteilen zu können. Das Ergebnis dieser Untersuchung wird in fünf Hauptstufen eingeteilt:

PAP I und II

Sie zeigen ein völlig normales Zellbild mit zum Teil unwesentlichen Zellveränderungen.

PAP III - Untergruppe PAP IIID

Diese Werte machen weitere Kontrolluntersuchungen nach einem gewissen Zeitraum notwendig, da möglicherweise Zellveränderungen vorliegen.

PAP IV - Untergruppen PAP IVa und PAP IVb

Sie zeigen bereits pathologische Zellveränderungen. Bei PAP IVb besteht der Verdacht auf ein Mikrokarzinom. Ein kleiner operativer Eingriff (Konisation: Entnahme eines Gewebekegels aus dem Gebärmutterhals) ist erforderlich. Gebärmutter und Gebärfähigkeit bleiben erhalten.

PAP V

Bei PAP V sind eindeutig bösartige Tumorzellen nachweisbar. Hier kann bereits die Entfernung der Gebärmutter notwendig sein. Ab dem 40. Lebensjahr beinhaltet die Vorsorgeuntersuchung zusätzlich alle 2 Jahre eine Mammografie, die von einem Facharzt für Radiologie vorgenommen wird.

Für den Mann - die Prostata-Untersuchung

Für Männer wesentlich ist die Begutachtung der Prostata in Hinblick auf ein mögliches Prostatakarzinom. Diese wird digital rektal durch den Arzt ertastet. Diese Untersuchung erfolgt nur auf Wunsch des Patienten und ist nicht Inhalt der Vorsorgeuntersuchung NEU. Ebensowenig wie die routinemässige Erfassung des PSA (Prostataspezifisches Antigen im Blut). Falls hier Auffälligkeiten gegeben sind oder/und der Laborwert erhöht ist, wird der Mann an einen Facharzt für Urologie überwiesen.

Ab 50 zum Facharzt für Innere Medizin

Ab dem 50. Lebensjahr wird man alle 10 Jahre einmal zu einem Vertragsfacharzt für Innere Medizin (Gastroenterologen) oder Facharzt für Chirurgie überwiesen. Dort wird eine Coloskopie (Dickdarmspiegelung) gemacht, um eventuelle maligne Veränderungen im Dickdarm (Kolon) beziehungsweise Mastdarm (Rektum) frühzeitig zu erkennen. Der Allgemeinmediziner untersucht zusätzlich 1xjährlich anhand eines Schnelltestes (Hämoccult-Test) den Stuhl auf okkultes Blut. Für den Patienten heißt das, er muss im Rahmen der Gesundenuntersuchung eine Stuhlprobe abgeben. Falls der Test positiv ist, sprich es findet sich Blut im Stuhl, so ist eine Coloskopie unumgänglich.

Neu: Der Weg zum Zahnarzt

Neu an der Vorsorgeuntersuchung Neu ist auch die sorgfältige Begutachtung der Zähne. Die chronische Parodontitis wird schon ab dem 30.Lebensjahr häufig zur Ursache für einen frühzeitigen Zahnverlust. Es macht also Sinn eine Parodonitis frühzeitig zu erkennen und so nicht nur die Erkrankung möglicherweise aufzuhalten, sondern in der Folge dem Patienten auch enorme Kosten für notwendige Zahnimplantate zu ersparen. Bei Zeichen einer beginnenden Parodontitis wird man zu einem Facharzt für Zahn- und Kieferheilkunde überwiesen.

Über 65 gehts zum Augenarzt

Zu guter Letzt hat man sich vor allem einer Altersgruppe angenommen, die in den nächsten Jahren zunehmend größer werden wird. Menschen über 65 Jahre, die naturgemäß an der altersentsprechend abnehmenden Sehleistung und Hörleistung leiden. Hier geht es darum diesen Menschen durch frühzeitige Erkennung und Hilfestellung eine bessere Integration in ihr soziales Umfeld und ein aktives Altern und Wohlbefinden zu ermöglichen. Das heißt der Weg zum Facharzt für Augenheilkunde bleibt nicht erspart. Dort wird unter anderem auch der Augeninnendruck gemessen, um einem eventuell entstehendem Glaukom (grüner Star) Einhalt zu gebieten. Ein wesentlicher Bestandteil der Untersuchung, da der grüne Star zur Erblindung führen kann.

Es ist also durchaus nachvollziehbar, warum für manche der Gang zur Vorsorgeuntersuchung NEU so schwer zu sein scheint. Und trotzdem ist das, was viele sich wünschen, ein langes gesundes und aktives Leben, nur durch eigenes Zutun auch erreichbar. (phr)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Neu: Die über 65jährigen haben auch einen Termin beim Augenarzt

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Neu ist die Einbindung von Fachärzten: bei Bedarf zum Zahnarzt und ab 50 zum Facharzt für Innere Medizinführt

Share if you care.