Portugal: Millionen für Missbrauchs-Opfer

31. März 2006, 09:40
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44 Bewohner des staatlichen Waisenhaus Casa Pia waren sexuell missbraucht worden

Lissabon - Der portugiesische Staat muss Missbrauchsopfern mehr als zwei Millionen Euro Entschädigung zahlen. Das entschied gestern ein Tribunal in Lissabon. Das Geld wurde 44 Antragstellern zugesprochen, die im staatlichen Waisenhaus Casa Pia sexuell missbraucht worden waren.

Insgesamt 46 ehemalige Bewohner hatten geklagt. 39 erhalten jetzt je 50.000 Euro Entschädigung, fünf weitere je 25.000. Zwei gehen leer aus.

"Sehr zufrieden"

"Ich bin sehr zufrieden", erklärte die Anwältin der Kläger, Ana Vieira da Silva, nach der Bekanntgabe des Urteils. Man habe den Staat für das zur Verantwortung gezogen, was in einer seiner Einrichtungen geschehen ist.

Die Richter des Tribunals waren von regierungsunabhängigen Institutionen, dem Verband der Obersten Richter, der Ärztekammer und der Anwaltskammer ausgesucht worden, um für die Unabhängigkeit von der politischen Macht zu sorgen.

Dieses ungewöhnliche Verfahren war notwendig geworden, da in dem noch immer laufenden Strafprozess zum Kindesmissbrauch in der Casa Pia auch Politiker verwickelt waren. Insgesamt stehen sieben Angeklagte vor Gericht, unter ihnen ein Angestellter des Heims sowie der Direktor der Hausschule, aber auch der bekannte portugiesische Fernsehansager Carlos Cruz sowie der frühere portugieisische Botschafter Jorge Ritto. (rw, DER STANDARD - Printausgabe, 30. März 2006)

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