USA: Private Internet-Hatz auf Pädophile

31. März 2006, 09:40
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Website-Betreiber geben sich als weibliche Jugendliche aus und stellen Kontaktsuchende im Netz als Pädophile an den Pranger

In den USA tappen immer mehr Männer auf der Suche nach jungen Mädchen in die Falle: Die Betreiber einer speziellen Internetseite geben sich in Chatforen als weibliche Jugendliche aus und stellen die Kontaktsuchenden im Netz als Pädophile an den Pranger.

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San Francisco - Der 26 Jahre alte US-Amerikaner Xavier von Erck gibt sich in Internetchaträumen meistens als junges Mädchen mit Namen wie "Jenny-13" oder "sweet-as-candy-15" aus. "Es ist erschreckend, dass ein 13-jähriges Mädchen im Handumdrehen von fünf bis zehn erwachsenen Männern angesprochen wird", berichtet er über seinen "Kampf gegen Pädophilie".

Der Gründer der Webseite "perverted-justice.com" und rund 40 freiwillige Helfer haben es sich auf die Fahnen geschrieben, Pädophile im Cyberspace zu entlarven und sie mithilfe der Polizei zu fassen.

"Man muss diese Kerle einfach hassen", ereifert sich der Mann aus Portland (Oregon), der 2003 die Bürgerwehr mit einem Freund ins Leben rief und mittlerweile auf der Webseite bis zu 20.000 Besucher am Tag verbucht. Kritiker halten den selbst ernannten Kinderschützern äußerst bedenkliche Selbstjustiz vor.

"Bist du noch Jungfrau?", fragte ein 41-jähriger Mann im Chat ein vermeintlich 14 Jahre altes Mädchen, hinter dem sich ein Bürgerwehr-Mitarbeiter verbarg. "Was macht dir im Bett am meisten Spaß?", bohrt der Mann weiter nach. Das eindeutige Gespräch ist auf der Webseite Wort für Wort nachzulesen. Dazu werden Vorname, Bild, Chat-Pseudonym und Telefonnummer des Mannes veröffentlicht.

"Schleimigkeit"-Skala

768 Profile haben die Betreiber angelegt, "um diese Personen ins Rampenlicht zu rücken", sie öffentlich bekannt zu machen und so andere potenzielle Päderasten abzuschrecken, erklärt Erck. Auf einer "Schleimigkeits"-Skala von 1 bis 5 können Webseitenbesucher die Sexdialoge der Männer einstufen.

Aufgebrachte Bürger beschimpfen die Entlarvten in Anrufen und E-Mails. "Bitte, ruft nicht mehr an", fleht ein 41-jähriger Mann aus Louisiana, dessen Profil auf der Webseite zu finden ist. "Ich habe einen schweren Fehler gemacht und werde zum Therapeuten gehen", lautet die Entschuldigung. Er sei kein Pädophiler, sondern wollte nur ein wenig chatten, beteuert der Familienvater.

Die Pädophilenjagd geht längst über die öffentliche Erniedrigung hinaus. "Sobald die Männer direkten Kontakt suchen und sich mit den Minderjährigen zu treffen wähnen, schlagen wir zu", erklärt von Erck.

Festnahmen im TV

Bei verdeckten Polizeieinsätzen gingen seit Jahresbeginn allein in Kalifornien 75 Männer ins Netz. Sie wollten sich mit jungen Mädchen treffen, wurden aber von Undercover-Beamten empfangen. Oft verfolgen Fernsehkameras solche Einsätze. In 25 Bundesstaaten seien dank seiner Organisation 49 Pädophile verurteilt worden, sagte von Erck.

Die Gruppe, die sich als Helfer der Polizei sieht, hält ihre Arbeit für "100 Prozent legal". Doch Kinderschutzaktivisten und die Gegenbewegung "corrupted-justice.com" werfen den "Amateurinternetdetektiven" Einschüchterung, Verfolgung und Gesetzesübertretungen vor. Gelegentlich würden Unschuldige an den Pranger gestellt und die Vorgabe "schuldlos bis zum Beweis des Gegenteils" ignoriert.

Von Erck weist alle Angriffe zurück. Noch habe niemand einen Grund gefunden, ihn zu verklagen, sagt er. 99,5 Prozent der Zuschriften aus allen Teilen der USA seien voll des Lobes. (dpa, DER STANDARD - Printausgabe, 30. März 2006)

Von Barbara Munker
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    foto: photodisc
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