Müzzel im Zauberland

19. Juli 2006, 16:30
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Wie in der Wildschönau in den Kitzbüheler Alpen auch aus den Kleinsten in wenigen Tagen stolze Rennfahrer werden

Schwer ist der Aufstieg zur Gondelbahn, wenn die Stufen höher sind als die Waden lang. Verschärft wird die Situation durch die nagelneuen Skischuhe in Größe 27. Da kann auch der darauf abgebildete Superman nicht helfen. Schließlich erbarmt sich doch einer, und es geht auf Papas Armen die Stiege hinauf, hinein in die Gondel und ab zur Mittelstation der Schatzbergbahn.

Dort hat ein anderer Chef das Sagen. Für die kommenden sechs Tage übernimmt Skilehrer Markus das Kommando über die Drei- bis Fünfjährigen und spannt sie mit den Miniskiern an den Beinen gleich einmal erbarmungslos in das Kinderkarussell. Diese wunderbare Erfindung hätte so mancher Elternteil auch gern für zu Hause, bewegen sich die lieben Kleinen darin auf ihren Bretteln doch fröhlich glucksend im Kreis, und das ganz ohne Protest. Nebenbei erfahren sie sich zu ebener Erde dabei das erste Gefühl für ihre neuen Carver.

Schon am nächsten Tag wird diese Basis am Babyhang der Skischule ausgebaut. Am so genannten Zauberteppich, einem Förderband für Kinder, geht es hinauf und in ersten Bögen wieder hinunter. Gleich vier Skischulen sind im Familienskigebiet Wildschönau in den Kitzbüheler Alpen auf große und kleine Anfänger spezialisiert, eine Besonderheit des waldreichen Hochtals, dessen vier Kirchdörfer von den üblichen Aufregungen des Aprés-Ski noch weit gehend verschont geblieben sind: Hier können die Kinder schon ab drei Jahren in den Skikurs - wenn die Beinchen doch zu schwach sind oder die Lust ausgeht, gibt es immer noch den Skikindergarten, in dem die Kleinsten gleich direkt an der Piste betreut werden.

Iglubauen und Schneeschaufeln

Aber mit bloßem Iglubauen und Schneeschaufeln lässt sich unser Müzzel-Protagonist nicht abspeisen. Schon ab Tag drei will er auch nach der Absolvierung der dreieineinhalb Stunden Kursus schon nicht mehr aus den Superman-Skischuhen. Immer wieder geht es zwischen den Märchenfiguren den Babyhang rauf und runter, die Eltern vergnügen sich derweil auf 65 Kilometer Pisten, die durch 25 Liftanlagen erschlossen sind. Schon am vierten Tag ist die Kinderskikursgruppe auch auf dem Tellerlift unterwegs.

Wer mit elterlichem Segen einen Vormittag lang schwänzt, ist im 1. Tiroler Holzmuseum von Hubert Salcher bestens aufgehoben. Dieser machte 1996 sein Wohnhaus kurzerhand zum Museum, ein Unterfangen, das der gelernte Holzschnitzer und Verzierungsbildhauer selbst so kommentiert: "Um das zu tun, musst nicht ein kleiner Narr sein, sonder ein großer." Es ist eben echte Leidenschaft, die den Mann antreibt, bis heute rund 2000 Exponate aus Holz anzuhäufen. Vom Holzwurm über die Holzarbeiterschuhe bis zum Holzteller stehen die Exponate in inzwischen 21 Räumen aufgereiht, angefangen hatte der glückliche Sammler vor zehn Jahren mit vieren.

Die Geschichte des Hochtals, das vorwiegend von der Holzwirtschaft geprägt war, bevor der Tourismus Einzug hielt, wird anschaulich dargestellt. Die Ausbringung des Holzes ins Inntal war bis zum Bau der Fahrstraße nach Wörgl im Jahr 1895 nur mittels Hinausschwemmens durch die Kundler Klamm möglich. In so genannten Klausen (Stauseen) wurde das Bachwasser zur Schneeschmelze gestaut und das Holz damit nach Auffach geschwemmt, wo es aufgefangen oder eben "aufgefacht" wurde. "Da könnt ich Vorträge halten", sagt Hubert Salcher. Das Kind ist vor allem an dem Pumuckl-Film interessiert, der im Untergeschoß des Museums gezeigt wird. Eine Frage hat es dann aber doch: "Warum heißt der Schatzberg Schatzberg?" Da muss der Holzexperte passen. Aber das ist schließlich auch nicht sein Fachgebiet.

Zum Glück liefert die Homepage der Schatzbergbahnen erhellende Informationen über den Berg und den dazugehörigen Zwerg, der auch das Logo der Bahnen ziert: "Eines Tages erblickte ein junger Jägersmann einen kleinen Wichtel, der einen prall gefüllten Sack voll Silber aus einer verborgenen Höhle trug. Bevor der Winzling mit seiner Last verschwand, hörte er ihn noch sagen: ,Berg, das hast du gut gemacht, hast Zwergenschatz gar gut bewacht, sollst nun tagaus, tagein der guten Menschen Schatzberg sein.'" Müzzel hat dann übrigens auch noch einen Schatz vom Schatzberg mit nach Hause genommen: eine Medaille, die er beim Skirennen gewonnen hat. Sie hängt jetzt über dem Bett. (Der Standard/rondo/31/3/2006)

->>>Service

Sonnenskilauf in der Wildschönau: Noch bis 17. April urlauben Kinder bis 15 Jahre in ausgesuchten Betrieben gratis und fahren auch gratis Ski. Skiwoche inklusive Skipass und HP pro Person ab 279 Euro.

Info und Buchung:
Tourismusverband Wildschönau:
Tel.: 05339 / 8255, Fax: 05339 / 8255-50,
Wildschönau, Info@wildschoenau.com

Unterkunft: z. B. das Ferienhaus "Windhag", ein renovierter Bauernhof nahe der Schatzbergbahn

Ski- und Snowboardschule Hochtal Wildschönau:
Tel.: 05339 / 2556, Fax: -8337,
Skischule.wildschoenau@tirol.com, Skischule Wildschönau
1. Tiroler Holzmuseum: 6313 Wildschönau-Auffach, Tel.+Fax: 05339 / 8842, Holzmuseum

Von Tanja Paar
  • Sonnenskilauf in Wildschönau
    foto: www.wildschoenau.com

    Sonnenskilauf in Wildschönau

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