Geburtenrückgang

31. März 2006, 15:23
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Das Einzige, was den Vermehrungstrieb anregen würde, wären nette, bescheidene, gut erzogene Kinder

Gott sei Dank haben Sie mich! Jetzt, wo alle konservativen Zeitungen sich dem traurigen Thema "Geburtenrückgang" widmen, ist es doch gut, dass es eine Zufallskolumnistin gibt. Mit meinen zwei Kindern hab ich fast schon Anrecht auf ein Mutterkreuz, in Zeiten wie diesen. Ich rette die Welt! Das hätte ich nicht gedacht. Da wollen wir natürlich nicht auf halbem Weg stehen bleiben und ein paar kleine Tipps geben.

Eine lustige Maßnahme wäre zweifellos, mit der Firma Schering und Konsorten zu sprechen, ob man nicht jede zweite Antibabypillen-Schachtel gegen ein Placebo austauschen könnte. Die Pharmazeutische Industrie hat zwar ihr Ethos, aber, wie sagte schon Philipp, keine Mauer ist so hoch, dass nicht ein mit Gold beladener Esel drüberklettern kann. Also, das würde bestimmt eine Geburtensteigerung bringen.

Mein zweiter Vorschlag wäre: Sobald eine Mutter die Straße betritt, kommen zwei gutgebaute junge Männer und wedeln die Hundstrümmerln vor ihren Mules weg. Dazu schallt von den Lautsprechern bei den Bim-Haltestellen permanent "Viva la mamma". Auch das könnte die Gebärfreudigkeit anregen.

Aber die sinnvollste Maßnahme wäre sicher die Umerziehung der Kinder. Bei solchen Monstern, wie sie heutzutage aufwachsen, kann einem ja das Kinderkriegen gründlich verleidet werden. Kinder stehen heute auf einem Sockel, wie kleine Götter verschlingen sie Kinderbeihilfen und andere Opfergaben und werden immer dreister dabei. Sie beanspruchen Nachhilfestunden, Wertkartenhandys und machen sich wichtig. Wenn man sie schlägt, kriegt man richtig Ärger, und wenn man sie nicht schlägt, wird man geschieden. Nach meiner Statistik hält kaum eine Beziehung länger als zehn Jahre, wenn Kinder mit im Haushalt wohnen. Ich denke, das Einzige, was den Vermehrungstrieb anregen würde, wären nette, bescheidene, gut erzogene Kinder, die mit Messer und Gabel essen, gute Schulnoten nach Hause bringen und die Nase nicht in die Angelegenheiten ihrer Eltern stecken.

Ihre Cosima Reif, Zufallskolumnistin
(Der Standard/rondo/31/03/2006)

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