Millionenverluste schon in Tumpel-Ära

29. März 2006, 20:01
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Offenbar" fielen bereits 1995 Karibik-Verluste von 500 Millionen Euro an

Wien - Die großen Karibik-Verluste der BAWAG sind offenbar nicht, wie die Gewerkschaftsbank bisher betone, überwiegend im Jahr 2000 angefallen, sondern bereits viel früher. Nach dem jüngsten Stand der Ermittlungen sei bereits 1995 der erste große Verlust von 500 illionen Euro aus Karibik-Geschäften eingetreten, berichtet die "Presse" (Donnerstagausgabe). Das könnte Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel in Bedrängnis bringen.

Tumpel war von 1987 bis 1997 BAWAG-Aufsichtsratspräsident. Der Beschluss zur Wiederaufnahme der 1994 eingestellten Karibik-Geschäfte mit Wolfgang Flöttl Jr. sei Mitte 1995 mit Zustimmung des Finanzministeriums gefallen, sagte Tumpel zur "Presse". Der Vorstand der BAWAG unter Generaldirektor Helmut Elsner habe für diese Geschäfte "strenge Auflagen" gehabt. So habe es Berichtspflicht auch bei kleineren Geschäften gegeben. Zudem habe der Vorstand den Auftrag gehabt, alle Geschäfte zu unterlegen, also keine reinen Spekulationsgeschäfte einzugehen. Verluste hätten ihm also berichtet werden müssen, so Tumpel laut Bericht: "Mir ist nie ein entsprechender Bericht gegeben worden. Weder im Aufsichtsrat noch außerhalb."

Aufsichtsratsvorsitz an Weninger

1998 kamen nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen laut Bericht noch einmal 500 Millionen Euro Verlust aus den Karibik-Geschäften dazu. Zu diesem Zeitpunkt hatte Tumpel den Aufsichtsratsvorsitz bereits an Günter Weninger übergeben. 2000 fiel der Verlust aus den Karibik-Geschäften mit Unternehmen von Wolfgang Flöttl mit 350 Millionen Euro sogar relativ bescheiden aus.

Allerdings gingen die 350 Mio. Euro laut Bericht auf einen Schlag den Bach hinunter, weil Flöttl sich mit einer riskanten Yen-Wette vertan hatte. Flöttl, Sohn des Ex-BAWAG-Generaldirektors Walter Flöttl, habe daraufhin kalte Füße bekommen und sei "vereinbarungswidrig", wie es in der BAWAG hieß, aus den Geschäften mit der österreichischen Gewerkschaftsbank ausgestiegen.

Zurück blieb laut Bericht ein kumulierter Karibik-Schuldenberg von 1,35 Milliarden Euro, der sich allerdings - weil sich einige Verbindlichkeiten als "werthaltig" herausstellten - auf 999 Millionen Euro verringerte. Für diese Summe, die weitgehend abgeschrieben ist, wurde dann die bekannte Konstruktion mit Gewerkschaftsgarantie geschaffen, die jetzt "hochging". Der (wahrscheinlich uneinbringliche) Refco-Kredit über 425 Mio. Dollar aus dem Vorjahr rundet das Bild ab.

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