Darstellungen von Christus am Kreuz reine Spekulation

30. März 2006, 01:30
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Britische Forscher: Art der Kreuzigung historisch nicht belegbar - Römer waren bei der Ausführung der Hinrichtungsmethode äußerst "kreativ"

London - Das Bild von Jesus am Kreuz ist eines der bedeutendsten Symbole des Christentums - in dieser Form jedoch historisch nicht belegbar, sagen britische Wissenschaftler. Nichts beweise, dass Jesus auf diese Art gekreuzigt wurde, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Artikel der Royal Society of Medicine (RSM). In Kirchen und Wohnungen, Bildern und Filmen, in Büchern und als Schmuck - traditionellerweise wird Christus am Kreuz stets auf die gleiche Weise dargestellt, nämlich mit dem Kopf nach oben, seitlich ausgestreckten Armen, seine Füße und Hände an das Kreuz genagelt.

"Die verfügbaren Beweise zeigen, dass Menschen in unterschiedlichen Positionen und mit unterschiedlichen Hilfsmitteln an Kreuzen befestigt wurden", sagt Piers Mitchell, einer der Autoren. "Die Opfer wurden nicht immer mit dem Kopf nach oben aufgehängt, und die Nägel nicht unbedingt von vorne nach hinten durch die Füße in das Kreuz genagelt", so Mitchell.

Kreuzigung selbst nicht bezweifelt

Dass Jesus gekreuzigt wurde, wird in dem Papier an keiner Stelle in Zweifel gezogen. Doch Augenzeugenberichte aus dem ersten Jahrhundert nach Christi Geburt zeigen demnach, dass die die Kreuzigungen praktizierenden Römer eine blühende und grausame Fantasie hatten. Die Art der Kreuzigung hing auch von der gesellschaftlichen Stellung des Opfers sowie ab von dem ihm zur Last gelegten Verbrechen. Das Kreuz "konnte in allen möglichen Neigungswinkeln aufgestellt werden", das Opfer mit dem Kopf nach oben oder nach unten. (Der Apostel Petrus etwa soll der Tradition nach mit dem Kopf nach unten gekreuzigt worden sein, Anm.) Manchmal wurden Nägel durch die Genitalien geschlagen. Zuweilen wurden Hände und Füße ans Kreuz gefesselt.

Es gebe überhaupt nur ein archäologisches Indiz zu Kreuzigungen, da die Hingerichteten nicht beerdigt, sondern auf Abfallbergen entsorgt wurden, so der Artikel. Dieses Indiz ist ein 11,5 Zentimeter langer Nagel, der einem jungen Juden seitlich durch die Ferse getrieben wurde. An dessen Unterarmen, Handgelenken und Händen wurden jedoch keinerlei Spuren gefunden.

Todesursache hängt von der Art der Kreuzigung ab

In den vergangenen 150 Jahren gab es mindestens zehn Bücher und Studien zu der Frage, welche die exakte Todesursache Jesu war. Die Annahmen reichen von Herzversagen über Ersticken und Embolie bis hin zu Schock wegen sinkenden Blutdrucks. All diese Thesen könnten aber durch die Möglichkeit einer anderen Kreuzigungsart in Frage gestellt werden, so das Papier der RSM. Diese Erklärungen gingen nämlich von der Grundannahme aus, Jesus sei in der bisher vermuteten Position gekreuzigt worden. Nur "neue Funde von Beweisstücken" könnten weiteren Aufschluss bringen, heißt es abschließend. (APA)

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