Promiskuitive Paradeiser

25. Oktober 2006, 17:02
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Erich Stekovics züchtet und kreuzt im burgenländischem Seewinkel 3500 Tomatensorten, rare Sorten will er erhalten

Wien/Frauenkirchen – Im burgenländischem Seewinkel baut Erich Stekovics etwa 3500 Paradeissorten an, kreuzt sie wild durcheinander und legt Wert auf die Erhaltung rarer Arten. "Die Sorten, die wir haben, sind aber nur ein bescheidener Teil, denn weltweit gibt es etwa 300.000 verschiedene Paradeisarten", sagt Stekovics, der mitunter auch "Paradeiser-Kaiser" genannt wird. Bei fast 300 Sonnentagen im Jahr gedeihen neben den kreuzungswilligen Paradeisern, die eingelegt, getrocknet oder zu Sugo verarbeitet werden, auch Gurken, Paprika, Knoblauch, Zwiebel, Erdbeeren, Chili.

"Neuerdings boomt der Chilimarkt", meint der Landwirt. "Bereits 30 Prozent unseres Umsatzes machen wir mit Chili. Wir haben über 300 verschiedene Sorten." Der Umsatz des kleinen Familienbetriebes mit zwei ständigen Mitarbeitern und Saisonkräften beträgt rund 180.000 Euro.

Interesse aus Katar

Für Stekovics Paradeiserprojekt interessiert sich mittlerweile auch der Wüstenstaat Katar. "Wir haben die ersten Pflanzen in Katar bereits ausgebracht. Es werden etwa 3000 Sorten probiert, dann kommen 300 bis 400 in die engere Wahl und etwa 20 bis 100 werden schließlich übrig bleiben", erklärt Stekovics. Die klimatischen Bedingungen in der Wüste seien trotz extremer Hitze und Trockenheit durchaus hervorragend: "Rein botanisch ist das überhaupt kein Problem." Sorten werden gekreuzt, bis die optimalen Pflanzen für den arabischen Markt gefunden sind. "Das ist ein längeres Projekt und wird über vier, fünf Jahren gehen."

In Österreich beliefert der Burgenländer die Top-Gastronomie, Exporte gehen an Delikatessenläden in Deutschland, Italien, Dänemark. Die Produkte liegen im Hochpreissegment.

Das Gänseprojekt des Biobauern ist derzeit wegen der Vogelgrippe ausgesetzt. "Aber nicht weil wir uns vor dem Virus fürchten, sondern weil sich Gänse für eine Stallhaltung überhaupt nicht eignen", sagt Stekovics. Seine fast 500 Wiesengänse wurden Martini-Opfer. (Barbara Forstner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.3.2006)

  • Stekovics-Paradeiser, ins Glas gesperrt.
    foto: sr´tandard/matthias cremer

    Stekovics-Paradeiser, ins Glas gesperrt.

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