"Die Täter werden geschützt"

30. März 2006, 17:22
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Lambach: Tochter eines NS-Opfers appelliert an Landeshauptmann

Lambach - ". . . Es erschüttert mich, dass eine fanatische Nationalsozialistin wenige Jahre nach dem Krieg Ehrenbürgerin von Lambach werden konnte und es bis heute geblieben ist. Ich akzeptiere diese Haltung nicht und vertraue auf ihre Hilfe . . ." - die Zeilen finden sich in einem berührenden Brief, der jüngst im Büro von Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) einlangte. Das Schreiben ist der verzweifelte Versuch der heute in Kalifornien lebenden Eva Caro (79), späte Gerechtigkeit für ihren im KZ Lublin ermordeten Vater Gottfried Wingen zu erlangen und Lambach zum Verzicht auf braune Gemeinde-Lorbeeren zu bewegen.

"Geringe Bereitschaft"

Wingen wurde nachweislich von der lokalen Malergröße Margarethe von Pausinger (1880 bis 1956) im Jahr 1939 denunziert und starb letztlich 1944 im KZ Lublin qualvoll an von SS-Ärzten injizierten Typhusbakterien.

Den Kommunalehren hat diese braune Vergangenheit bis dato keinen Abbruch getan: Die Ehrenbürgerschaft besteht bis heute, lediglich eine "Pausinger-Straße" wurde nach massiven Protesten vor allem vonseiten der "Welser Initiative gegen Faschismus" (Antifa) im Oktober 2005 umbenannt.

Letzten August reiste dann die 79-jährige Eva Caro aus den USA persönlich nach Lambach, um mit den Verantwortlichen Gespräche zu führen. In dem Brief - auch an den STANDARD adressiert - an Landeshauptmann Pühringer merkt Caro an, sie habe bei dem besagten Sommer-Gespräch "das Gefühl gehabt, dass die Bereitschaft, sich mit der dunkelsten Seite der Lokalgeschichte auseinander zu setzen, sehr gering ist". Ausreden seien offenbar besser als Trennstriche, Täter werden geschützt und Opfer missachtet, schreibt die 79-Jährige.

In Lambach gibt man sich gewohnt wortkarg: "Der Verfassungsdienst des Landes prüft derzeit, ob die Ehrenbürgerschaft nicht ohnehin mit dem Tod erloschen ist. Vor einem Ergebnis gibt es keinen Kommentar", so die amtierende ÖVP-Vizebürgermeisterin Christine Oberndorfer. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2006)

von Markus Rohrhofer
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