Ein eiskalter Engel taut nicht auf

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    foto: constantin film
  • Badende Venus anno 2006: Sharon Stone alias Catherine Tramell muss in Michael Caton-Jones' "Basic Instinct 2" einmal mehr als das protoypische Modell einer brandgefährlichen Femme fatale herhalten.
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    Badende Venus anno 2006: Sharon Stone alias Catherine Tramell muss in Michael Caton-Jones' "Basic Instinct 2" einmal mehr als das protoypische Modell einer brandgefährlichen Femme fatale herhalten.

Hollywood-Diva Sharon Stone kehrt dieser Tage in ihrer Paraderolle auf die Leinwand zurück: Michael Caton-Jones' "Basic Instinct 2"

Der Film erweist sich allerdings eher als unfreiwillige Lachnummer und Catherine Tramell als deren schockgefrorenes Zentrum.


Wien – Als Basic Instinct von Paul Verhoeven 1992 in die Kinos kam, wurde Michael Douglas, damals als einer der unumstrittenen Leading Men Hollywoods auf Erfolgskurs, überraschend von einer jungen, attraktiven Schauspielerin übertrumpft, die bis dato eher dem B-Movie-Fach zugerechnet worden war.

Sharon Stone, ihre freizügigen Auftritte und ihre scharfzüngigen Dialoge als geheimnisvolle, millionenschwere Krimiautorin und Mordverdächtige Catherine Tramell wurden rasch Kinolegende. Die Rolle und der Film erreichten im Lauf der Jahre nicht nur eine weltweite Fangemeinde, sondern gingen auch in akademische Debatten ein. Und selbst wenn man den Film heute wieder sieht, funktioniert er immer noch trefflich als billiges Vergnügen und darüber hinaus als durchaus geglückter Genrefilm.

Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell, oder kurz: Basic Instinct 2, lässt sich dagegen eher als ein Remake in veränderten Koordinaten lesen, denn als Fortsetzung. Auf die Erzählung bezogen heißt dies: Statt eines traumatisierten Westküsten-Cops tritt diesmal ein melancholischer britischer Psychologe auf den Plan, den ebenfalls ein fataler vergangener Fehlschluss plagt. Tramell, deren literarisches Oeuvre inzwischen um einige Bände angewachsen ist, wird ihm zu Beginn als dringend Mordverdächtige zugeführt. Sein Expertengutachten fördert schnell ihre "Risikoabhängigkeit" und ihre Allmachtsfantasien zutage.

Dingfest machen lässt sich die kühle kettenrauchende Blondine damit noch lange nicht. Vielmehr verstrickt sie Dr. Michael Glass (David Morrissey) wie einst den inzwischen zu Tode gekommenen Nick Curran in ein raffiniert gemeintes Verführungsspiel, bei dem sie dem armen Mann natürlich stets einen entscheidenden Schritt voraus ist. Und welches selbstverständlich nach dem ersten Todesopfer eine Reihe weiterer aus dem Umfeld des Psychologen nach sich zieht.

Auch der außerfilmische Kontext hat sich verschoben: Sharon Stone, die zuletzt etwa in Catwoman eine Konzernchefin spielte, die sich ihre ewige Jugend mit tödlichen Machenschaften erhält, feierte erst vor wenigen Tagen, mitten im Basic-Instinct-Promotionsmarathon, ihren achtundvierzigsten Geburtstag. War das spekulative Erregungspotenzial des ersten Films schon auf Stones explizite Performance ausgerichtet, so wird dies nun noch durch den Umstand verstärkt, dass ihre körperliche Attraktivität und sexuelle Potenz sich um jeden Preis als ungebrochen erweisen müssen.

Erstarrte Performance

Dabei zeigt sich die Tramell- Figur (und ihre Darstellerin) vielleicht als verblüffend alterslos, aber eben auch gerade nicht mehr als zeitgemäß. Verhoeven und sein Autor Joe Eszterhas hatten die klassische, dominante Femme fatale und ihren Handlungsspielraum ausgebaut. Michael Caton-Jones und sein Autorenduo Leora Barish und Henry Bean hingegen beschäftigen sich – auch bei den Dialogen – lieber mit der Ausgestaltung von artifiziellen Oberflächen. Die Figur – immer ein bisschen überlebensgroß ins Bild gesetzt – bleibt eine statuarische Projektionsfläche für geläufige Fantasien. Unter diesem Aspekt ist die Verlegung der Handlung ins Milieu britischer Psychoanalytiker allenfalls als Witz auf ihre Kosten zu sehen.

Die Autoren haben dafür ihren Sacher-Masoch gelesen und dann an die Ausstatter weitergereicht: Stone, die im ersten Teil an Kim Novak (in Hitchcocks Vertigo) erinnerte, wird nun zu einer Art Sternberg-Heroine stilisiert – mit Feder und Pelz besetzten Outfits, hautengen oder tief dekolletierten Oberteilen, und gekonnt drapierten Rocksäumen oder Seitenschlitzen, die jene Beinfreiheit garantieren, mit der die Heldin schon in Teil eins Furore machte.

Nicht nur dabei setzt der Film auf schwere Zeichen. Abgeschattete Innenräume mit Designerinventar bieten reichlich Raum (und Sitzfläche) für Stones überdeterminiertes Spiel. Glass hat seine Praxis in einem Hochhausgebäude, das je nachdem einem Projektil oder auch einem Riesenvibrator ähnelt (das Hauptquartier der Swiss RE von Foster & Partners in London).

Dieses fortwährende Insistieren auf einschlägige vordergründige Symbolik produziert mit der Dauer immerhin einige komische Nebenwirkungen. Denn hier wird ausschließlich sehr dick aufgetragen. Der Film gewinnt geradezu Camp-Qualitäten (und schließt damit an das spätere Werk Verhoevens, Stichwort Showgirls, an).

Wirklich sorgen muss man sich also nur um die, die das alles womöglich ganz, ganz ernst nehmen. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2006)

Von Isabella Reicher

Ab Donnerstag (30.3.) im Kino
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