Ein eiskalter Engel taut nicht auf

Redaktion
28. März 2006, 18:06
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    foto: constantin film
  • Badende Venus anno 2006: Sharon Stone alias Catherine Tramell muss in Michael Caton-Jones' "Basic Instinct 2" einmal mehr als das protoypische Modell einer brandgefährlichen Femme fatale herhalten.
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    Badende Venus anno 2006: Sharon Stone alias Catherine Tramell muss in Michael Caton-Jones' "Basic Instinct 2" einmal mehr als das protoypische Modell einer brandgefährlichen Femme fatale herhalten.

Hollywood-Diva Sharon Stone kehrt dieser Tage in ihrer Paraderolle auf die Leinwand zurück: Michael Caton-Jones' "Basic Instinct 2"

Der Film erweist sich allerdings eher als unfreiwillige Lachnummer und Catherine Tramell als deren schockgefrorenes Zentrum.


Wien – Als Basic Instinct von Paul Verhoeven 1992 in die Kinos kam, wurde Michael Douglas, damals als einer der unumstrittenen Leading Men Hollywoods auf Erfolgskurs, überraschend von einer jungen, attraktiven Schauspielerin übertrumpft, die bis dato eher dem B-Movie-Fach zugerechnet worden war.

Sharon Stone, ihre freizügigen Auftritte und ihre scharfzüngigen Dialoge als geheimnisvolle, millionenschwere Krimiautorin und Mordverdächtige Catherine Tramell wurden rasch Kinolegende. Die Rolle und der Film erreichten im Lauf der Jahre nicht nur eine weltweite Fangemeinde, sondern gingen auch in akademische Debatten ein. Und selbst wenn man den Film heute wieder sieht, funktioniert er immer noch trefflich als billiges Vergnügen und darüber hinaus als durchaus geglückter Genrefilm.

Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell, oder kurz: Basic Instinct 2, lässt sich dagegen eher als ein Remake in veränderten Koordinaten lesen, denn als Fortsetzung. Auf die Erzählung bezogen heißt dies: Statt eines traumatisierten Westküsten-Cops tritt diesmal ein melancholischer britischer Psychologe auf den Plan, den ebenfalls ein fataler vergangener Fehlschluss plagt. Tramell, deren literarisches Oeuvre inzwischen um einige Bände angewachsen ist, wird ihm zu Beginn als dringend Mordverdächtige zugeführt. Sein Expertengutachten fördert schnell ihre "Risikoabhängigkeit" und ihre Allmachtsfantasien zutage.

Dingfest machen lässt sich die kühle kettenrauchende Blondine damit noch lange nicht. Vielmehr verstrickt sie Dr. Michael Glass (David Morrissey) wie einst den inzwischen zu Tode gekommenen Nick Curran in ein raffiniert gemeintes Verführungsspiel, bei dem sie dem armen Mann natürlich stets einen entscheidenden Schritt voraus ist. Und welches selbstverständlich nach dem ersten Todesopfer eine Reihe weiterer aus dem Umfeld des Psychologen nach sich zieht.

Auch der außerfilmische Kontext hat sich verschoben: Sharon Stone, die zuletzt etwa in Catwoman eine Konzernchefin spielte, die sich ihre ewige Jugend mit tödlichen Machenschaften erhält, feierte erst vor wenigen Tagen, mitten im Basic-Instinct-Promotionsmarathon, ihren achtundvierzigsten Geburtstag. War das spekulative Erregungspotenzial des ersten Films schon auf Stones explizite Performance ausgerichtet, so wird dies nun noch durch den Umstand verstärkt, dass ihre körperliche Attraktivität und sexuelle Potenz sich um jeden Preis als ungebrochen erweisen müssen.

Erstarrte Performance

Dabei zeigt sich die Tramell- Figur (und ihre Darstellerin) vielleicht als verblüffend alterslos, aber eben auch gerade nicht mehr als zeitgemäß. Verhoeven und sein Autor Joe Eszterhas hatten die klassische, dominante Femme fatale und ihren Handlungsspielraum ausgebaut. Michael Caton-Jones und sein Autorenduo Leora Barish und Henry Bean hingegen beschäftigen sich – auch bei den Dialogen – lieber mit der Ausgestaltung von artifiziellen Oberflächen. Die Figur – immer ein bisschen überlebensgroß ins Bild gesetzt – bleibt eine statuarische Projektionsfläche für geläufige Fantasien. Unter diesem Aspekt ist die Verlegung der Handlung ins Milieu britischer Psychoanalytiker allenfalls als Witz auf ihre Kosten zu sehen.

Die Autoren haben dafür ihren Sacher-Masoch gelesen und dann an die Ausstatter weitergereicht: Stone, die im ersten Teil an Kim Novak (in Hitchcocks Vertigo) erinnerte, wird nun zu einer Art Sternberg-Heroine stilisiert – mit Feder und Pelz besetzten Outfits, hautengen oder tief dekolletierten Oberteilen, und gekonnt drapierten Rocksäumen oder Seitenschlitzen, die jene Beinfreiheit garantieren, mit der die Heldin schon in Teil eins Furore machte.

Nicht nur dabei setzt der Film auf schwere Zeichen. Abgeschattete Innenräume mit Designerinventar bieten reichlich Raum (und Sitzfläche) für Stones überdeterminiertes Spiel. Glass hat seine Praxis in einem Hochhausgebäude, das je nachdem einem Projektil oder auch einem Riesenvibrator ähnelt (das Hauptquartier der Swiss RE von Foster & Partners in London).

Dieses fortwährende Insistieren auf einschlägige vordergründige Symbolik produziert mit der Dauer immerhin einige komische Nebenwirkungen. Denn hier wird ausschließlich sehr dick aufgetragen. Der Film gewinnt geradezu Camp-Qualitäten (und schließt damit an das spätere Werk Verhoevens, Stichwort Showgirls, an).

Wirklich sorgen muss man sich also nur um die, die das alles womöglich ganz, ganz ernst nehmen. (DER STANDARD, Printausgabe, 29.3.2006)

Von Isabella Reicher

Ab Donnerstag (30.3.) im Kino
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scheint richtig schlacht zu sein

naja, ich hab auch ehrlich gesagt nix wirklich grossartiges erwartet. is ja kein wirklich "grosses" thema, sonst würde sich hollywood ja nicht drüber trauen - sondern eher ein "spinnen-komplex" thema ;-)

am treffendsten hat's wohl heute mittag FM4 rüber gebracht und den film auf das niveau eines TV-Thrillers gestellt.

zum glück gibt's noch filmemacher in europa!

"zum glück gibt's noch filmemacher in europa!"

zum glück gibt's auch filmemacher in Lateinamerika, in den USA, in Kanada, Afrika, Asien und Australien!

Sehr gute Kritik von Isabella Reicher.

Trotzdem gibt es hier Poster, die sich über den Text beschweren.
Denen würde ich empfehlen: "Schau' in die Krone!"
Überhaupt ist es interessant: Bei wirklich oder zumindest halbwegs wichtigen Filmen gibt es bestenfalls fünf bis zehn Postings.
Hier aber das Dreifache.
Offenbar gibt es Menge von Leuten, die wie dieser Film und seine Hauptdarstellerin noch immer nicht wissen, dass die 1990er längst vorbei sind.

finde die kritik nicht schlecht geschrieben, nur passt

mir nicht, dass der film (offiziell) in Ö nicht läuft. Dann könnten vielleicht schon mehrere poster eigene eindrücke darbringen.
Meine skepsis gegenüber musik und filmkritikern ist auf den punkt gebracht sehr einfach - beide medien sollen unterhalten. Wenn 80% der zuschauer wegen der sharon stone ins kino gehen ist das auch gut. Sie selbst trägt das ja mit mehr fassung als einige kritiker - sie sagte in einer preko: keiner traut sich die frage zu stellen die sie alle stellen wollen - ist sie nackt? Ich kann nur sagen - ja. Und ein spannender film mit einer gut gefilmten SST ist ja auch nicht schlecht oder?

ich glaube eher die frage hat niemanden interessiert

eine gealterte sharon stone in etwas das schon im trailer als langweiliger aufguss erkennbar ist.

ja eh Herr Melville, sie sind ja auch schon ein Zeiterl tod ...

Mein Gott Reicher, jetzt komm' einmal runter. Das ist ja ein recht peinliches Zickenniveau, das auf überlegen daherkommt. net? oder glaubt hier jemand, dass er den Film ernst nehmen soll ... ???

aha, der unterschied

in basic 1 zog sie ja nicht durch die Seitenschlitze die blicke auf sich

danke für diesen diffizilen und durchaus vergnüglichen hinweis! wie wahr, wie wahr! :-))

Body Double!

Der wohl ansprechenste Teil bei Basic Instincts waren wohl die spährlich bekleideten.

Blöd nur das dabei nie der Körper von Sharon Stone zu sehen war.

Wortwahl

Kreationen wie "artifizielle Ober-" und "statuarische Projektionsflaechen" werfen die Frage auf ob dieser Artikel nicht vielmehr dazu gedacht ist den Leser vom vermeintlich ueberlegenen Intellekt des Autors als von der minderen Qualitaet des Films zu ueberzeugen....

Um die Frage zu beantworten: Ja.

Der letzte Satz des Artikels....

... gibt Aufklärung
(sei ein von mir ohne Präjudiz dargebrachter Gedankenblitz, quasi ein Inpromptu)

Die Stone ist OK!

Aber der Film ist sehr schwach.

Sie war immer ok. Sehr ok;-). Aber habe gedacht, dass der Film wohl nicht so der Hit sein wird. Für Sharon ist das wohl der letzte grosse Scheck für längere Zeit wenn der Film nicht einschlägt. Der Jugendwahn lässt grüssen.

Sie ist geliftet.

ich lifte auch jeden tag in den 3. stock !

Ich lifte Sie runter auf meine DVD

wenn das soviel bringt

sollten's ihr viele nachmachen...

Sowas habe ich auch schon lange nicht mehr gelesen:-)

"Sowas habe ich auch schon lange nicht mehr gelesen"

was hast Du von ihm erwartet? ;o)
übrigens hab ich ja nur festgestellt, dass sie bei teil 6 108 sein würde, ohne das zu "werten". mir wird auch sicher frau Stone mit 108 lieber sein, als Stallone mit 58!
ich finde ja auch die Sarandon und die Weaver klasse. ausserdem kann ich mich ja für die - tatsächlich schon etwas überwuzelten - damen Judy Parfitt, Cloris Leachman, Gena Rowlands und (aus welchen gründen auch immer) Olympia Dukakis begeistern. ;o)

überhaupt werde ich mich vermehrt artikeln, die leichte muse betreffend, zuwenden, statt zu themen "wahlen in Peru" oder "militärdiktatur in Burma" lesen zu müssen, wie sich einige (usual suspects) für brutale diktatoren und üble nationalisten begeistern. das ist irgendwie deprimierend :o(

Hihi nicht ärgern über die ganzen politischen Hirnschüssler.

Ich war übrigens im Heimatdorf der Familie Dukakis auf der Insel Chios - sehr empfehlenswert als Urlaubsort. Das ist sehr lustig, man fährt dort mit dem Auto nur über Sandpisten, aber in DAS Nest geht eine 3spurige, asphaltierte Straße rauf - die direkt am Schild "Hometown of Michael Dukakis" endet!

also, wenn ich mich nicht SEHR taeusche,

kommt michael dukakis aus lesbos (mytilene) und nicht aus chios. welchen ort haben sie dort gemeint?

Pelopi hiess das Nest, und Sie haben Recht, ich Dummi hab die zwei Inseln verwechselt,

liegen ja auch ziemlich knapp beieinander.

Da ist übrigens der link zu der Strasse, die mich damals so fasziniert hat, die haben sie auch noch mit amerikanischem Geld gebaut! *brüll*

http://query.nytimes.com/gst/fullp... A96E948260

Der Michael Dukakis kommt doch aus Brooklyn.

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