Massenproteste erreichen neuen Höhepunkt

29. März 2006, 09:55
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Rekord-Demos verstärken Druck auf Villepin - Mehr als eine Million Menschen auf der Straße - Über 870 Festnahmen

Paris - Mit den größten Demonstrationen seit Jahrzehnten und Streiks in vielen Branchen haben die französischen Gewerkschaften und Studenten den Druck auf Premierminister Dominique de Villepin zur Rücknahme seiner Arbeitsmarktreform massiv verstärkt. Landesweit beteiligten sich am Dienstag nach Angaben des Pariser Innenministeriums mehr als eine Million Menschen an den Protesten. Erneut kam es am Rande der Kundgebungen auch zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei.

In ganz Frankreich wurden mehr als 870 Personen festgenommen. Allein in Paris wurden 488 mutmaßliche Randalierer gefasst, wie die Polizei in der Nacht zum Mittwoch mitteilte. Aus dem Rest des Landes wurden 387 Festnahmen gemeldet.

Wasserwerfer eingesetzt

Am Abend war es auf dem Pariser Place de la République zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um Demonstranten zu zerstreuen. Bei den Auseinandersetzungen wurden nach Polizeiangaben etwa 50 Menschen verletzt, darunter fünf Polizisten. Innenminister Nicolas Sarkozy beglückwünschte die Sicherheitskräfte für ihr konsequentes Durchgreifen.

Derweil riefen die fünf Gewerkschaftsbünde Präsident Jacques Chirac angesichts der Unnachgiebigkeit Villepins am Abend gemeinsam dringend auf, das Gesetzpaket ohne die Arbeitsrechtsreform zurück ins Parlament zu bringen. Die Regierung sei nicht im Stande, die seit zwei Monaten andauernde soziale Krise zu verstehen, erklärten die Gewerkschaften.

Eklat in der Nationalversammlung

Chirac möge das Ausmaß der Erbitterung und der Spannungen erkennen und einen neuen Parlamentsbeschluss ermöglichen. Dies sei eine unverzichtbare Voraussetzung für die schnelle Eröffnung des Dialogs.

Zuvor war es in der Nationalversammlung zu einem Eklat gekommen, als Villepin sein Festhalten an der Reform verteidigte. Die Zentrumsfraktion der UDF verließ geschlossen den Raum, weil der Regierungschef nur auf eine Frage aus der eigenen UMP-Fraktion selbst antwortete und Fragen aus der Opposition von Kabinettskollegen beantworten ließ. Villepin akzeptiere nur Verhandlungen zu seinen "eigenen Bedingungen und im exklusiven Gespräch mit der UMP", sagte UDF-Sprecher François Sauvadet. Man könne nicht mit Starrköpfigkeit ein Land führen, wenn Hunderttausende auf die Straße gingen.

Bewegung in die Fronten könnte die für Donnerstagabend erwartete Entscheidung des Verfassungsrates über die Rechtmäßigkeit des Gesetzes bringen. Kippt der Rat das Gesetz, muss es zurück ins Parlament und alles ist offen. (APA/dpa)

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    Millionen Teilnehmer protestieren in ganz Frankreich gegen Villepins Reform

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