Mitarbeiter-Demo vor Grazer Burg

28. März 2006, 15:15
posten

Nach dem Konkurs der steirischen Regionalfluglinie bangen 152 Mitarbeiter um ihren Märzgehalt

Graz - Von 152 Mitarbeitern der insolventen Regionalfluglinie Styrian Spirit waren rund 50 am Dienstagvormittag vor der Grazer Burg erscheinen, um ihre Trauer über das Aus für den Carrier und den Verlust ihrer Arbeitsplätze zu bekunden. Eine Delegation der Mitarbeiter begab sich zu einem Gespräch mit dem steirischen Landeshauptmann Franz Voves in den ersten Stock der Burg. Anschließend stellte sich Voves den Mitarbeitern und versprach, alles in seiner Macht Stehende zu tun, damit die Mitarbeiter ihre März-Gehälter ausbezahlt bekämen.

Voves selbst erklärte den Mitarbeitern im Hof der Burg, dass es ihm sehr leid täte, dass die Mitarbeiter nun in einer solchen Situation seien, aber warum das Land Steiermark sich nicht an der Linie beteiligen haben können: Wenn Private eine Gesellschaft an die Wand fahren, können wir nicht alles auffangen." Er werde sich aber bei allen relevanten Stellen einsetzen, dass die Mitarbeiter ihr Märzgehalt bald bekämen und alles tun, was gesetzlich möglich sei. Noch am Dienstag werde er ein Gespräch mit Masseverwalter Heimo Hofstätter haben.

Mitgefühlsbekundungen

"Ich möchte wirklich keine bösen Worte gegen das Management verlieren. Die wirklich Betroffenen sind Sie," so der LH, der alsbald in Diskussionen mit einzelnen Styrian-Angehörigen stand. Ein Mann fragte, warum denn die angekündigten Visionen des LH geblieben seien. Voves meinte, das Land könne nicht für das Scheitern privater Unternehmer verantwortlich gemacht werden. Er frage sich außerdem, warum die Demo vor der Burg stattfinde. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, für die Grazer Stadtwerke sicherlich eher zuständig als er, habe schon einige Tage vor ihm deren Engagement bei der Styrian Spirit - deren Passiva von Kreditschützern mit 48,9 Millionen Euro angegeben werden - ausgeschlossen.

Die Styrian-Mitarbeiter verteilten Partezettel mit schwarzem Rand, Kreuz und dem Text "152 Mitarbeiter trauern um ihre Styrian Spirit. 24.03.2003 - 24.03.2006" und hielten Transparente mit gleicher Aufschrift - ergänzt durch das Wort "Warum?" in den Händen. Die Reaktionen waren unterschiedlich - eine Stewardess meinte auf die Frage, warum sie wegen der Firmenpleite gerade vor dem Büro des LH demonstriere: "Wollen Sie jetzt eine Stellungnahme? Ich sag' gar nix."

Vision

Eine Marketing-Mitarbeiterin meinte, sie bedanke sich, dass die Presse ihre Anliegen unterstützte habe: "Wir hatten eine Vision, wir haben mit ganzem Herzen an das Unternehmen geglaubt." Die Frage, ob man die kritischen Fragen an Voves auch dem eigenen Management gestellt habe, beantwortete sie eher ausweichend: "Unser Management hat sich immer voll eingesetzt". Für die Mitarbeiter sei es schwierig, da viele vor drei Jahren für das "hoffnungsvolle Start up Styrian Spirit" aus anderen Bundesländern in die Steiermark gekommen seien. Der Arbeitsmarkt für Flugpersonal sei ein begrenzter.

Share if you care.