Pressestimmen: "Verpfuschter SPÖ-Wahlkampfauftakt"

29. März 2006, 10:44
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In- und ausländische Medien über den Rücktritt von Verzetnitsch

Wien - Der Rücktritt von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch dominiert die Dienstag-Ausgaben der österreichischen Zeitungen. Aber auch ausländischen Medien widmen sich diesem Thema.

Eine Auswahl:

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt unter dem Titel "Der Fall der Gewerkschaften": "Ganz gegen die Landestradition ist Österreichs Gewerkschaftschef Fritz Verzetnitsch wegen eines Skandals um die ÖGB-eigene Bank Bawag zurückgetreten. Das Richtige tun und zur Strafe dafür gehen müssen - so beschrieb ein Rundfunkkommentator den Vorgang. Verzetnitsch, 1987 als blasser Kompromisskandidat an die Spitze des ÖGB getreten, hatte sich zwar mit Augenmaß Ansehen erworben. Nun aber verlässt er halb als Sündenbock, halb als Mitverantwortlicher für die teuren Spekulationsgeschäfte gewerkschaftseigener Bankbosse die politische Bühne. Konsequenterweise räumt er auch seinen Sitz im Parlament."

Als "Verpfuschten Wahlkampf-Auftakt für die SPÖ" wertet die "Neue Zürcher Zeitung" den Verzetnitsch-Rücktritt: "Damit hat der letzte Woche in schwindelerregendem Tempo eskalierende Skandal um die im Eigentum des ÖGB stehende Bank für Arbeit und Wirtschaft (Bawag) ihren bisherigen Höhepunkt erreicht. Dies just zu dem Zeitpunkt, da der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Alfred Gusenbauer, seine Vorwahlkampftournee durch die österreichischen Bundesländer unter dem optimistischen Motto 'startklar' abschloss." und weiter: "Tatsächlich muss man die verzweifelten Bemühungen von Sozialdemokraten und Gewerkschaften, den Bawag-Skandal von den Entscheidungen und Vorgängen im ÖGB abzukoppeln und beides als losgelöst von der politischen Sphäre der SPÖ darzustellen, als gescheitert betrachten."

Die "Financial Times Deutschland" schreibt: "Das Debakel hat weitreichende politische Folgen. Verzetnitsch gehört zu den prominentesten Vertretern der sozialdemokratischen Partei SPÖ. Im Herbst stehen in Österreich Parlamentswahlen an. Nach Bekanntwerden des Bawag-Skandals stürzte die SPÖ in den Umfragen ab."

Der Verzetnitsch-Rücktritt ist Blattaufmacher aller heimischen Tageszeitungen: Die "Kronen Zeitung" titelt: "Warum Verzetnitsch doch gehen musste: BAWAG-Sparer hoben Geld ab!". Im Kommentar heißt es, dass der Skandal "politisch nicht ausgestanden" sei. "Der Absturz" lautet die Titel-Schlagzeile im "Kurier". "Anmaßung, Arroganz, Blindheit, falsch verstandene Solidarität, das sind die Gründe für den Skandal in ÖGB und Bawag. Beide werden noch lange leiden", wird kommentiert

"Grabenkämpfe im ÖGB belasten SPÖ" titelt "Die Presse" und "Das Ende kam über Nacht" die "Kleine Zeitung". Im "Standpunkt" der "Salzburger Nachrichten" heißt es zum Verzetnitsch-Rücktritt: "Österreichs Politik verliert einen wertvollen Akteur". (APA)

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