Finanzmarktaufsicht zeigte Vorstände an

28. März 2006, 13:36
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Den vier Abberufenen sollen verfügte Amtsenthebungen gedroht haben - Kritik an Bilanzdarstellung

Wien - Einige Aufsichtsräte der Gewerkschaftsbank BAWAG fielen am Montag in den mehr als sechsstündigen Beratungen zu den Folgen des Milliardenverlusts aus gescheiterten karibischen Spekulationsgeschäften aus allen Wolken. Wie der APA aus Aufsichtsratskreisen nach der Sitzung mitgeteilt wurde, ist im Lauf des heutigen Tages der Druck auf die - durch den Rücktritt von ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch ohnehin schon erschütterte - Bank noch einmal drastisch gestiegen. Grund: Eine Anzeige der Finanzmarktaufsicht (FMA).

Wie der APA am Abend aus dem Aufsichtsrat berichtet wurde, hat die Finanzaufsicht heute eine Sachverhaltsdarstellung an den Staatsanwalt übergeben.

Die Anzeige soll sich gegen mehrere - dem Vernehmen nach vor allem gegen die vier nun abberufenen - Vorstände aus dem Kreis der alten BAWAG gerichtet haben, aber auch gegen die Ex-Bankchefs Helmut Elsner und Johann Zwettler sowie gegen den US-Investmentbanker und Finanzspekulanten Wolfgang Flöttl, Sohn des langjährigen einstigen Bank-Generals Walter Flöttl.

Die Begründung für die Anzeige soll auf falsche Darstellung der Problemfinanzierungen in Geschäftsberichten lauten.

Von Seiten der FMA und der Staatsanwaltschaft gab es am späten Montagabend keine Auskünfte dazu. Die für die Karibik-Deals zuständigen bzw. mitverantwortlichen Manager mussten sich den Vorwurf gefallen lassen, die hohen Verluste von Ende der 90er Jahre über das jetzt bekannt gewordene Karibik-Firmengeflecht verschleiert zu haben.

Mit dem heutigen offiziellen Widerruf der Bestellungen der vier Vorstände Christian Büttner, Peter Nakowitz, Hubert Kreuch und Josef Schwarzecker wollte man jedenfalls auch einer möglicherweise behördlich verfügten Ablöse der Vorstandsmitglieder zuvor kommen, heißt es aus dem Aufsichtsrat. Die Verträge der vier Manager wurden per 30. April 2006 gelöst. (APA)

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