Besser dämmen, gelernt in Südafrika

29. März 2006, 09:05
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Architekturstudenten bauen in einem südafrikanischen Township: Eine Wiener Initiative wurde zu internationalem Projekt

Wien/Johannesburg - Mit der Initiative Wiener TU-Studenten hatte es begonnen - jetzt ist es bereits ein internationales Projekt. Das Ziel ist jedes Mal das Gleiche: Architekturstudenten entwerfen ein Gebäude für eine Township in Südafrika - das sie dann gleich gemeinsam mit Anwohnern errichten. Dabei werden vor allem lokale Baustoffe verwendet - neben der Verbesserung der sozialen Situation sind auch innovative Architekturlösungen gefragt.

Insgesamt sechs Studentengruppen werden heuer in den Townships von Johannesburg aktiv, errichten fünf Kindergärten und ein "Skill-Center", in dem grundlegende Fertigkeiten wie Kochen, Nähen oder Holzarbeit vermittelt werden. Entscheidend ist, dass keine ganz neuen Institutionen hingeknallt werden, sondern bestehende Einrichtungen verbessert werden.

Mangel an Infrastruktur

Townships wie "Orange Farm" oder "Weilers Farm" rund um Johannesburg zählen zu den extrem expansiven Siedlungsgebieten rund um Großstädte mit entsprechend massiven Problemen. Große Armut, hohe Arbeitslosigkeit und kaum Infrastruktur wie Strom oder Kanal. So sehen dann auch die sozialen Einrichtungen aus. Da besteht etwa ein Kindergarten für 156 Kinder aus zwei Wellblechhütten, in denen es im Sommer bis zu 60 Grad heiß wird.

Darüber können sich nun die europäischen Studenten den Kopf zerbrechen. Welche Materialien gibt es vor Ort, mit denen bessere Dämmwerte erzielt werden können - sei es Holz, Lehm, Ziegel; es können auch Autoreifen sein. Oder: wie kann mit einfachsten Mitteln eine bessere Beschattung erreicht werden. Dabei werden oft Lösungen gefunden, die dann die Einwohner bereits versuchen, für ihre Privathütten zu nutzen.

Erstmals sind heuer auch andere österreichische Städte, Unis und Fachhochschulen beteiligt. Das "Skill-Center" wurde vom "Studiengang Baugestaltung - Holz" der FH Kuchl in Salzburg realisiert. Die neuen Kindergärten errichten Studenten der TU Wien, TU Graz, Kunstuni Linz, TU Innsbruck - und erstmals ist auch eine deutsche Institution dabei: die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen. Für 2007 wird bereits mit der ETH Zürich verhandelt, die TU München ist schon fix dabei.

Trägerverein "Sarch"

Für die Abwicklung der Aktion hat der grüne Wiener Gemeinderat Christoph Chorherr neben seiner politischen Tätigkeit den Trägerverein "Sarch" gegründet, der für "Social and Sustainable Architecture" steht.

"Wir wählen Projekte aus und stellen sie den Partnern zur Verfügung", erläutert Chorherr. "Die entwickeln dann Lösungen und setzen sie um." Die Gemeinkosten werden von der Stadt Wien unterstützt, die Flüge zahlen sich die Studenten selbst, den Aufenthalt finanzieren südafrikanische Institutionen.

"Build together - learn together" lautet Chorherrs Motto über all dem. Wobei die Studenten aus Europa auch "den Unterschied zwischen absolutem Elend - und dem Mangel, wie er in Townships herrscht, kennen lernen". Und wie auch nach den härtesten Arbeitstagen immer noch gelacht, gesungen und getanzt wird. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 28.03.2006)

Link

sarch.at
  • Ein großzügiger, Schatten spendender Kindergarten im Township Wheilers Farm bei Johannesburg - entworfen und umgesetzt von Studenten der TU Graz.
    foto: sarch

    Ein großzügiger, Schatten spendender Kindergarten im Township Wheilers Farm bei Johannesburg - entworfen und umgesetzt von Studenten der TU Graz.

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