Suchtgefahr durch flexible Automaten

31. März 2006, 15:50
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Was macht Automatenspiel mit der Hoffnung auf Gewinn zunehmend gefährlich?

Der Glücksspiel-Streit in Niederösterreich hat nicht nur politische, sondern auch technische Gründe.

Frage: Aus welchen Gründen liegt beim kleinen Glücksspiel - vom Parteienstreit einmal abgesehen - neuer Regelungsbedarf vor?

Antwort: Erstens, weil der Bund Interesse an Steuereinnahmen hat und technische Neuentwicklungen bei den Spielautomaten den fiskalischen Zugriff erschweren. Zweitens - und das ist das derzeit bestimmende Argument - weil Glücksspiele laut Experten ein hohes Suchtpotenzial haben, vor allem für Jugendliche und Deklassierte - etwa Menschen aus Einwandererfamilien - die sich dafür hohe Schulden aufbürden.

Frage: Woher denn Schulden? Die Höchsteinsätze und -gewinne sind doch gesetzlich beschränkt.

Antwort: Tatsächlich darf beim kleinen Glücksspiel laut Bundesgesetz nur mit einem Höchsteinsatz von 50 Cent und einem Höchstgewinn von 20 Euro pro Game gespielt werden. Was darüber liegt - das große Glücksspiel also - fällt unter das Glücksspielmonopol des Bundes und darf nur von Konzessionsnehmern wie den Casinos Austria angeboten werden. In Wien, der Steiermark und Kärnten jedoch - den einzigen drei Bundesländern, wo Automatenspielhallen bisher zugelassen sind - kommen laut Finanzministerium aber immer wieder "frisierte" Automaten mit höheren Einsätzen und Gewinnen zum Einsatz.

Frage: Wären da nicht einfach strengere Kontrollen angesagt?

Antwort: Da es heute Möglichkeiten gibt, Automaten per Funk von kleinen auf größere Gewinnspannen umzustellen und Geschicklichkeitsspielautomaten per Chip problemlos zu Glücksspielautomaten werden können, spricht einiges dafür, dass Kontrollen allein nicht ausreichen. Zudem fehlen derzeit Regelungen für Internetglücksspiele. (DER STANDARD Printausgabe, 28.03.2006)

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