Nachlese: Schwitzen nach Sauna-Razzia

30. März 2006, 13:21
posten

Beamte unter Verdacht des Amtsmissbrauchs - BIA-Chef: "Mit Vorwürfen gegen Beamte werden im Rotlichtmilieu gerne, alte Rechnungen’ beglichen"

Wien – Aus Ermittlungen gegen mutmaßliche Menschenhändler in Wien könnte ein veritabler Skandal rund um Amtsmissbrauch von Polizisten und anderen Beamten werden. Gegen mehrere namentlich bekannte Beamte laufen gerichtliche Vorerhebungen. „Mitte oder Ende der Woche kann ich vielleicht mehr sagen“, gibt sich Walter Geyer, Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft, schweigsam. Er bestätigt nur, dass Ermittlungen wegen Menschenhandels gegen einen Lokalbesitzer laufen. Der soll in seiner „Sauna“ Prostituierte aus Rumänien, Bulgarien und Russland illegal beschäftigt haben.

Amtsmissbrauchs-Verdacht

Davon unabhängig wird auch dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs nachgegangen – so soll der Lokalbesitzer unter anderem vor Razzien gewarnt worden sein. Für diese Ermittlungen sind die Korruptionsfahnder des Büros für Interne Angelegenheiten (BIA) zuständig. „Offene Rechnungen“ Auch dort hieß es auf Anfrage des Standard, dass die Überprüfung der belastenden Indizien noch einige Tage in Anspruch nehmen werde.

„Mit Vorwürfen gegen Beamte werden im Rotlichtmilieu gerne ,alte Rechnungen’ beglichen“, gab BIA-Chef Martin Kreutner zu bedenken. Bei den Beschuldigungen gegen „Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes“ – also nicht nur gegen Polizisten – gehe es auch darum, dass „bestimmte Dienstleistungen“ gratis in Anspruch genommen worden sein sollen.

Die Kriminalisten der Wiener Kriminaldirektion (KD) 1 waren die ersten, die bei ihren Erhebungen in der Rotlichtszene auf die brisanten internen Bezüge gestoßen sind. „Wir sind im Zuge der Ermittlungen über Namen gestolpert“, berichtete KD-1-Leiter Roland Frühwirth. Daraufhin habe man sofort das Büro für interne Angelegenheiten informiert und diesen Aspekt des Falles abgetreten. Der stellvertretende Landespolizeikommandant Wiens, Karl Mahrer, wollte die Vorwürfe am Montag nicht kommentieren – „im Hinblick auf das laufende Verfahren“. (Michael Möseneder, Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 28.03.2006)

Share if you care.