Glasnost statt Beton

1. März 2007, 15:14
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Während das von ihm mitverantwortete Bankenfiasko zu einem politischen Hurrikan ausartete, nahm Ex-Bawag-Chef Zwettler das Ehrenzeichen "Pro Defensione" entgegen - Von Eric Frey

Es war mehr als bezeichnend, dass sich Ex-Bawag-Chef Johann Zwettler am Montag nicht genierte, im Gebäude seines Ex-Arbeitgebers das Ehrenzeichen "Pro Defensione" lächelnd von Bundesheeroffizieren entgegenzunehmen, während das von ihm mitverantwortete Bankenfiasko zu einem politischen Hurrikan ausartete.

Zwettler hat - ebenso wie sein Vorgänger Helmut Elsner und der ganze frühere Bawag-Vorstand - in einer eigenen Welt gelebt, fernab von den Idealen der Gewerkschaftsbewegung und den normalen Usancen des Bankgeschäftes. Es ist eine Welt der halbseidenen Zocker und jetsettenden Scharlatane, die ihren blauäugigen Opfern Riesengewinne ohne Risiko versprechen und ihnen dann immer mehr Geld aus der Tasche ziehen, wenn die Geschäfte nicht wie erwartet laufen. Eine Welt, in der Bank-und Gewerkschaftsbosse forsch den Einsatz verdoppeln, wenn sie vor dem Ruin stehen.

Damit solche Manager dennoch den Glauben an die eigenen Fähigkeiten und die Richtigkeit des Handelns behalten können, muss ihre Haut dicker sein als die Mauern der Stiftskaserne oder die Hülle eines Leopard-Panzers. So gesehen hat Zwettler die passende Auszeichnung erhalten.

Ewald Nowotny hätte hingegen auf die Würdigungsworte für seinen Vorgänger besser verzichten sollen. Denn die einzige Chance für den Wirtschaftsprofessor ist die Offenlegung aller Missstände. Dabei braucht Nowotny die Hilfe der Finanzmarktaufsicht und darf auf Befindlichkeiten von Gewerkschaftern und Mitarbeitern keine Rücksicht nehmen - auch nicht auf Zwettlers gekränkte Seele. Glas(nost) statt Beton - das ist die einzige Überlebenschance für Österreichs viertgrößte Bank.

Denn die Zukunft der Bawag ist noch lange nicht gesichert. Die karibischen Verluste mögen zwar verdaut sein, aber ihr Geschäftsmodell ist gescheitert. Das Geschäft mit Betriebsratskrediten und P.S.K.-Überweisungen bringt einfach nicht genug. Das erklärt den ständigen Drang der Bawag zum Risiko - nicht nur in der Karibik, sondern auch in der Finanzierung der gewagten Auslandsgeschäfte des Wiener Unternehmers Martin Schlaff. Diese brachten der Bawag Millionenerfolge wie die bulgarische Mobiltel und schmerzhafte Verluste wie das Casino Jericho. All das wäre akzeptabel, wenn die Banker das Risikomanagement beherrschten. Die Erfahrungen aus der Karibik haben allerdings das Gegenteil bewiesen.

Nach den ersten Aufräumarbeiten muss Nowotny von vorn beginnen - er braucht neue Führungskräfte, neue Strukturen und eine neue Mission. Doch welche? Die eigenen Kunden sind verunsichert und für eine - ohnehin verspätete - Ostexpansion ist kein Geld dar. Die Refco-Affäre ist noch nicht ausgestanden - der Prozess gegen Phillip Bennett im Oktober könnte auch für die Bawag zu peinlichen Enthüllungen führen.

Die Ära der Gewerkschaftsbank ist dieser Tage zu Ende gegangen. In Zukunft geht es um die Frage, ob die Bawag als halbwegs eigenständiges Unternehmen überleben kann. (Eric Frey, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.3.2006)

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