Lebensqualität als neues Paradigma

Redaktion, 27. März 2006, 19:25
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    foto: apa/dpa

    "Mehr" muss nicht gleich "Besser" sein

"Orientierungslosigkeit in einer haltlosen Welt" und ein "Besser", das nicht mehr unbedingt auch ein "Mehr" bedeuten muss

Die Welt steht vor riesigen ökologischen und gesellschaftspolitischen Herausforderungen, die durch Prozesse der Globalisierung in immer schnellerem Tempo auf uns zukommen. Der weltweite Wettbewerb um Wohlstand, Arbeitsplätze aber auch um ökologische Ressourcen ist in Veränderung begriffen und wird aus westlicher Sicht zusehends als härter wahrgenommen. Für die westliche, industrialisierte Welt wird dabei immer augenscheinlicher, dass sie ihr bisheriges Lebens – und Wirtschaftsmodell, das vornehmlich auf materiellem Konsum beruht und aus ökonomischen (steil nach oben gerichteten) Größen seine wesentliche Legitimation zieht, nicht mehr (lange) aufrechterhalten kann.

Einhergehend mit solchen ökonomischen und ökologischen Herausforderungen sind aber auch große Veränderungen in sozialen Strukturen und Formen Werte bildenden Zusammenlebens zu beobachten. Traditionelle Formen von Familie, Religionszugehörigkeit, Parteienzugehörigkeit oder anderen Werte bildenden Assoziationen hat man zusehends gegen einen ausgeprägteren Individualismus eingetauscht. Das hat viele Vorteile, vor allem durch mehr Entscheidungsfreiheiten für den persönlichen Lebensstil. Es hat aber auch viele Nachteile. Der Soziologe Ralf Dahrendorf bezeichnet diese sehr trefflich als Orientierungslosigkeit in einer haltlosen Welt.

Für alle und für alle Zukunft

Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung liefert gute Vorschläge, diese Orientierungslosigkeit in Zielgerichtetheit umzuwandeln und dabei Individualismus und aber auch Werte schaffende Grundsätze weiter zu fördern. Aber obwohl nachhaltige Entwicklung ein politisch weltweit anerkanntes Konzept ist und auch sehr viele und sehr gute Anstrengungen passieren um dieses auch umzusetzen, ist man von einem durchschlagenden Erfolg noch weit entfernt.

Hier setzt das Konzept Lebensqualität an. Denn dieses Konzept verbindet die normativen Vorgaben von nachhaltiger Entwicklung mit einer freudvollen und friedlichen Suche nach neuer Orientierung in einer guten und lebenswerten Welt. Lebensqualität und nachhaltige Entwicklung sind also sehr eng miteinander verwobene Begriffe.

Nachhaltige Entwicklung im heutigen Sinn des Wortes wurde vor etwa 20 Jahren als normatives Konzept geprägt. Es stellt die Frage: "Wie soll wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zukünftig den voranschreitenden Veränderung natürlicher Kreisläufe durch den Menschen im globalen Maßstab begegnen?" Kern dieses Konzeptes ist "die Sicherung und Erhöhung der Lebensqualität aller Menschen als Voraussetzung für das individuelle Glück" (www.gosd.net/Pignans.pdf). Sehr allgemein formuliert könnte man das Ziel so zusammenfassen: Ein "gutes Leben" für alle und für alle Zukunft. Verwandte Begriffe davon sind Lebenszufriedenheit oder eben Lebensqualität.

Möglichkeit zur Vorbildfunktion

Dieses Thema des Monats dreht sich also um das Thema Lebensqualität, das materielle UND immaterielle Werte umfasst. Das Konzept der Lebensqualität betont das "Besser" gegenüber dem "Mehr". Es handelt sich um einen Begriff, der weit über den Konsum hinausgeht. Eine breite Umsetzung dieses Leitbilds bringt große Chancen für unsere Gesellschaft mit sich. Um es in Worten Meinhard Miegels auszudrücken: "Gelingt diese Anstrengung, kann der Westen der Welt vorleben, wie mit begrenzten Mitteln und Möglichkeiten ein relativ hohes materielles UND immaterielles Wohlstandsniveau aufrechterhalten werden kann. Andere Völker werden dem mit großer Aufmerksamkeit folgen. Denn sie werden in wenigen Jahrzehnten dort sein, wo sich der Westen heute befindet."

Dieses Monatsthema skizziert in seinem Beitrag zuerst die Bedeutung, die dieses Thema in Wissenschaft und Politik bereits aufweist bzw. aufwies, versucht eine Abgrenzung von ähnlichen Wohlstandskonzepten, stellt moderne Operationalisierungs- und Strukturierungsansätze des Lebensqualität-Konzepts vor und widmet sich dann gesondert den Dimensionen der objektiven Lebensbedingungen (z.B. Gesundheit, Arbeit) und denen des subjektiven Wohlbefindens (z.B. individuell empfundenes Glück und Zufriedenheit), auf die sich die empirische Forschung bei ihrer Operationalisierung des Konzepts der Lebensqualität konzentriert. Dabei geht es auch auf die, zum Teil heftig umstrittenen, Möglichkeiten der Messung von Lebensqualität ein, sowohl auf gesellschaftlicher als auch auf individueller Ebene.

Lebensqualität als neues Paradigma ist das Thema des Monats März 2006 im Internetportal

Logo: Nachhaltigkeit.at
Eine Initiative des Lebensministeriums



Die Autorin:

Doris Schnepf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am SERI.

Direkt-Link zum Monatsthema 3/2006
(mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
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17 Postings
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00
22.11.2006, 16:24

ich moecht auch leiber ´nen aston martin. es reicht aber bloss fuer einen kleinen englaender.

ja wo is er denn der lebensstandard? es geht aber nicht um immer neue oder nur alte produkte, sondern um qualitaetsvolle produkte, angepasst an die zeit.

Heinz Kaiser
00

ja komisch

der materielle Wohlstand steigt und steigt und steigt

aber die Lebensqualität geht vor die Hunde
weil die Arbeitswelt immer unmenschlicher wird.

Thomas Doppler
00
29.3.2006, 16:29

Lebensqualität lässt sich doch bestens vermarkten. Mit Lebensqualität-Artikeln. Lebensqualität Seminaren und Workshops.

Der Mann
00
28.3.2006, 14:04
ein bedürfniss

es ist mir nun wirklich wieder mal wichtig anzumerken, dass lebensqualität von jedem von UNS geschaffen werden kann. Konsum und Wirtschaftswachstum ist in diesem System wichtig, wie es erfolgt entscheiden wir. Wir könnten ja die von uns erworbenen Produkte nachhaltig nutzen, dann wächst zwar nicht die Neuproduktion, dafür aber die Dienstleistung und Ersatzteilproduktion.
Auch liegt es jedem frei wie er seine zeit gestaltet und seine umwelt beeinflusst, immer nur jammern und der politik und allen die Schuld geben ist der falsche Weg - UND es ist nicht Aussichtslos und es ist nicht traurig sondern Realität, UND das es so ist ist unsere eigene sache, WIR können es jederzeit ändern, es gehört nur Bewusstsein und Willen dazu!!!

günter frank
00
28.3.2006, 15:55
gut gebrüllt Löwe...

...jeder kann also selbst entscheiden.

...Gegenstände nachhaltiger zu nutzen

Nur ein Beispiel, (und davon könnte ich Bände füllen)

erklärem sie einem Kind, dass es seinen Gameboy ab sofort für mindestens 5 Jahre nutzen muss und warten Sie ab bis eine (sehr schwache) soziale Ausgrenzung stattfindet weil alles Klassenkameraden längst was buteres, schnelleres, oder einfach was benutzen was mehr "in" ist.

Nutzen Sie Ihren VW Golf 20 Jahre lang und fahren Sie dann selbst zu einem repräsentativen Kundenbesuch vor, warten Sie ab was passiert.

Das ist die Art wir wir erzogen wurden und die Art wie wir selbst erziehen, denn wir leben in einer Welt die uns über das definiert was wir besitzen, nicht wer wir sind.



Der Mann
00
28.3.2006, 16:02
und genau darum geht es !!!

sehr gute Antwort, die zeigt - Wir können noch entscheiden, doch wir tun es nicht mehr.

Früher haben wir die Sachen nachhaltiger genutzt weil es nicht anders ging - wir hatten nicht die Möglichkeiten.

Bei Kindern ist vorsicht geboten, da sie selbst die Entscheidung treffen sollten ob sie es wollen oder nicht,

zum geschäftstermin mit einem gepflegten 20 Jahre Benz - kein problem oder - muss ja nicht ein verrosteter golf sein. Es geht ja darum die Dinge auch Instand zu halten, das meine ich mit Nachhaltigkeit.

Als Positivbeispiel nenne ich z.b. die Altbauwohnungen in Wien, die wollen viele, die werden rennoviert und seit vielen Jahrzehnten in Stand gehalten, dieses Prinzip lässt sich auch auf Autos, Bekleidung, etc. übertragen

Norbert Müller
 
00
28.3.2006, 17:42
das ganze ist einfach - wie alles gute auf dieser Welt..

.. keine pflanze, kein tier und auch kein mensch tut freiwillig etwas, bzw. verzichtet auf etwas. Es geht immer um den widerstand bzw. es ist alles relativ welche probleme bedürfnisse etc.. welche prioritäten haben. Wir vergessen heute, das wir durch das erbe vieler generationen vor uns wir heute systeme geschaffen haben, welche uns sehr sehr viel über den ganz grundsätzliche lebensbedürfnise hinausgehende luxus bieten. Aber genau das ist gefährlich, generationen die all das im überflüss breits als gegeben vorfinden werden es nicht zu schätzen wissen - das sie niemals im leben lernen wie ein leben ohne all dem aussehen würde. Daher ist es allzunotwenig dass Leid über diese Gesellschaft hereinbricht, denn sonst wird niemand aufwachen!

Der Mann
00
28.3.2006, 19:14
stimmt prinzipiell

ich kann im Allgemeinen zustimmen - nur ihrem Schluss möchte ich nicht folgen.

Denn ich denke - und es ist meine Erfahrung, mit mir selbst, das Bildung hier auch helfen kann, es muss nicht immer Leid sein. Bewusstsein zu schaffen und wirkliches Verstehen für das was sie beschrieben haben, wie die Welt funktioniert, und was wichtig sein kann ausser möglichst vielen Gütern, das ist eine wesentliche Aufgabe für eine gedeihliche Fortentwicklung in den nächsten Jahrhunderten.

Dank Internet können wir es schaffen, ich glaube vielen ist gar nicht bewusst, was für ein Segen diese Erfindung war - die Wissen und vor allem Meinungen allen zugänglich macht - viel besser als es Bücher je konnten!

günter frank
00
28.3.2006, 17:15
na ja, entscheiden können wir immer...

aber es braucht schon ein gerüttelt Mass an, wie soll ich sagen, Individualismuss um da aus dem Ruder zu laufen und auch dazu zu stehen.

Aber ich denke wir sind ohnehin einer Meinung.

Tja die neue Zeit mit den vielen Möglichkeiten... die Menschen verstehen sie nicht nach Verstand zu nutzen, dabei gehen viele Dinge verloren, ich fürchte aber dass der Mensch nur aus Schaden lernt, wie eben jetzt in der Zeit der Klimaänderung.

PS: Schmunzel, wir haben drei Pkw, der ältest ist jetzt 19, der jüngste 10, ich wollt nur ein wenig sticheln..

alles Gute

Günter

Revoluzer
 
00
28.3.2006, 14:27

leider gibt es da das freeriderproblem, weshalb das nicht so einfach ist mit dem "jeder kümmere sich sdoch bitte selber darum"

günter frank
00
28.3.2006, 12:43
der Ansatz lässt einen...

...über eine bessere Welt ins träumen geraten...
wie schön die Welt doch sein könnte, wenn jeder zufrieden wär...ohne Krieg...

Aber ist es nicht so, dass unser Paradiga, der Konsum mit der Jagd nach dem günstigten Preis, der Kosum manchmal um des reinen Kosumes Willen, ein Paradigma das sein Heil im Wohlstand findet, einhergehend mit allen sozialen Aspekten und Schattierungen ist.

Wie weit ist das "Paradigma der Lebensqualität" von der Grundidee des Kommunismus entfernt, einer Idee deren Ansätze bisher zum scheitern verurteil waren?

Die Gesellschaftlichen und sozialen Aspekte müssten dermassen "generalsaniert" werden, das ich derzeit das Resümee ziehe,

no way

Grüsse

Günter

denk mal
00
28.3.2006, 11:52
Das Problem...

lautet leider Kreditwirtschaft. Und für die ist nur mehr auch besser. Kein realistischer Ausweg in Sicht - das Konzept d. modernen Währungen ist ausschließlich auf Kreditbasis erdacht. Effekt: Schulden weg = Geld weg. Hoffnung auf Änderung gibt es leider frühestens nach dem nächsten unvermeidlichen Gesamtcrash, u. nur, wenn sich die Leute nicht wieder mit Ausreden wie "leider kleiner Betriebsunfall, aber JETZT machen wir dafür alles besser" abspeisen lassen.
Bis dahin sind wir zu einem "Wirtschaftswachstum" verdammt, das sich einen Dreck um Qualität schert.
Politiker haben in diesem Spiel wenig zu sagen, der Anspruch der Sozialdemokratie, alles besser zu machen, wenn man erst im Besitz von Banken wäre, hat sich längst als Anmaßung entpuppt.

muterl
00
28.3.2006, 06:07
nachhaltigkeit, lebensqualität, bla bla

schöne leere worte - vor allem wenn sie vom lebensministerium kommen - soviel nachhaltigen schaden an der lebensqualität wie diese regierung hat nach dem krieg noch keine andere angerichtet


das letzte äussere zeichen für die innere haltung der haider schüssel entwicklung ist der fall der wegen behördenschlamperei abgeschobenen chinesin .. nur ein fall von ganz vielen zum thema lebensqualität und lebensministerium und innenministerium und männerministerium

nein danke - nicht so

Rambazamba
00
28.3.2006, 13:23
lebensministerium und innenministerium und männerministerium ...Chinesin

Themenverfehlung. NIcht genügend, setzen. Man darf hier zwar Kotzen, aber es wäre schön, wenn man sich dafür die adäquaten Artikel sucht.

Kog Nitiv
00
27.3.2006, 23:50
die frage

ist halt nur, wieviele politiker und -innen den begriff kennen und auch umsetzen wollen... wenn die wüssten, das genau ihre kinder und enkel davon profitieren würden...
(seufz... es is wohl hoffnungslos)

Cogito Ergo Dumm
00
28.3.2006, 10:26
die Frage

kennen: alle (vor allem verwendet für Reden)
umsetzen: die Grünen wahrscheinlich, ein paar wenige andere in den Großparteien ÖVP und SPÖ, keiner bei FPÖ und BZÖ (die haben das Konzept gar nicht kapiert)

per verser
01
28.3.2006, 10:18
nachhaltigkeit heißt für politikerInnen:

dann müssen eben die massen den gürtel enger schnallen und auf alles außer dem lebensnotwendigen verzichten, damit die kleine gruppe der bonzen ihren lebensstil beibehalten kann.

denen da oben gings immer gut. bis auf jene, die man runtergeholt hat, das ist das risiko für diesen lebensstil - und wirds auch bleiben.

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