Berlusconi: Chinas Kommunisten kochten Babys

30. März 2006, 15:12
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Um Felder zu düngen - Ministerpräsident reitet im Wahlkampf weitere Attacke gegen "multiethnisches" Italien

Rom - Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist für skurrile, bisweilen peinliche Äußerungen weithin bekannt. Für Aufregung sorgte er zuletzt mit der - historisch nicht haltbaren - Behauptung, die chinesischen Kommunisten hätten Babys zu Dünger für ihre Felder verkocht. Die Äußerung wurden laut dpa am Montag von zahlreichen italienischen Tageszeitungen auf ihren Titelseiten aufgegriffen.

"Man hat mir oft vorgeworfen, ich würde behaupten, dass die Kommunisten Babys essen. Los, geht und lest das Schwarzbuch des Kommunismus und Ihr werdet entdecken, dass sie in Maos China Babys nicht gegessen, sondern gekocht haben, um ihre Felder zu düngen", erklärte der Regierungschef laut Nachrichtenagentur ANSA bei einer Wahlveranstaltung.

China: "Haltloses Gerede"

China hat Berlusconis Bemerkungen verurteilt. Die Äußerungen des italienischen Ministerpräsidenten seien haltloses Gerede, erklärte das Außenministerium am Dienstag. Der italienische Regierungschef solle vielmehr mit Worten und Taten zur Stabilität und zur Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen China und Italien beitragen.

Beobachter verwiesen darauf, dass die von Historikern als falsch zurückgewiesene Behauptung gegen die italienischen Kommunisten gerichtet war. Zugleich habe Berlusconi damit das Ziel verfolgt, das Medieninteresse auf sich zu ziehen - ähnlich wie mit seiner Erklärung kürzlich, bis zur Wahl auf Sex verzichten zu wollen.

"Wir sind stolz auf unsere Traditionen"

Berlusconi wehrt sich gegen eine "multiethnische, multikulturelle" Gesellschaft in seinem Heimatland. "Wir wollen nicht, dass Italien ein multiethnisches, multikulturelles Land wird", sagte Berlusconi am Montag im öffentlichen Rundfunk. "Wir sind stolz auf unsere Traditionen."

Die italienischen Grenzen sollten für alle offen sein, die aus Furcht um ihr Leben oder ihre Freiheiten auf der Flucht seien, sagte Berlusconi. Wer arbeiten wolle, sei willkommen, nicht aber diejenigen, die die italienischen Bürger gefährden oder schädigen wollten. Die Regierung Berlusconis, die sich in knapp zwei Wochen der Wiederwahl stellt, verfolgt einen harten Einwanderungskurs.

Größer als Bonaparte

Berlusconi ist auch dafür bekannt, sich mit großen historischen Persönlichkeiten zu vergleichen, etwa mit Jesus Christus ("Ich bin der Jesus Christus der Politik. Ich bin ein geduldiges Opfer, ich ertrage jeden, ich opfere mich für jeden.") oder Napoleon Bonaparte ("Nur Napoleon hat mehr getan als ich, aber ich bin auf jeden Fall größer als er."). Im Zusammenhang mit seiner "China-Attacke" verglich sich der ehrgeizige Ministerpräsident und Medienzar nun mit dem britischen Premier Winston Churchill, der am 13. Mai 1940 seine Landsleute um Opfer ("Blood, Toil, Tears and Sweat") bat, um die Invasion der Nazis abzuwehren. Berlusconi am Sonntag zu Journalisten: Oppositionschef Romano Prodi "ist immer automatisch nominiert worden, während ich immer mit Tränen, Blut und Schweiß für alles bezahlen musste, was ich unternommen habe".

Die Wahlen finden am 9. und 10. April statt. Zur Zeit liegt Berlusconi mit seiner Mitte-Rechts-Regierung deutlich hinter dem Mitte-Links-Bündnis von Romano Prodi. Politische Beobachter werten seine verbalen "Ausrutscher" als Zeichen großer Nervosität. (APA)

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