Kaprun-Opfer klagen Österreich in Straßburg

29. März 2006, 09:05
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Angehörige und Überlebende fordern gerechtes Verfahren sowie eine angemessene Wiedergutmachung

Salzburg - Betroffene der Katastrophe von Kaprun, bei der 155 Menschen im November 2000 ums Leben kamen und zwölf überlebten, klagen die Republik Österreich beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Die Betroffenen verlangen eine Verbesserung der österreichischen Sicherheitsbestimmungen sowie eine angemessene Wiedergutmachung.

Veraltete Beförderungsgesetze

Angehörige von Opfern und Überlebende beschuldigen die Republik Österreich veralteter und gemein gefährdender Beförderungsgesetze und fordern ein gerechtes Verfahren, wie die Opfer-Anwälte Ed Fagan, Herwig Hasslacher und Gerhard Podovsovnik am Montag mitteilten.

Die Betroffenen verlangen eine Verbesserung der österreichischen Sicherheitsbestimmungen sowie eine angemessene Wiedergutmachung. Außerdem seien die Rechte von Opfern und Überlebenden verletzt worden. Die österreichische Strafprozessgesetze würden überdies nicht dem europäischen Standard entsprechen.

Betroffene nicht richtig konsultiert

Am vergangenen Freitag wurde nach der Sitzung der Kaprun- Vermittlungskommission mitgeteilt, dass den Betroffenen 16 Millionen Euro für die Entschädigung zur Verfügung gestellt werden. Diese Ankündigung sei nach 19 Monaten Diskussionen zu Stande gekommen und ohne richtige Konsultation der Betroffenen erfolgt, so die Anwälte. Andere Regierungen hätten bei ähnlichen Katastrophen viel mehr bezahlt, wie beispielsweise Italien beim Seilbahnunglück in Cavalese oder französische und italienische Stellen beim Brand im Mont-Blanc-Tunnel.

Es sei das erste Mal, dass Opfer und Überlebende einer touristischen Urlaubsdestination, die ein solches "Horrorszenario" erleben mussten, nun gezwungen seien, eine Regierung in Europa zu verklagen, um ihre Rechte erkämpfen zu müssen. Die Betroffenen seien aber um ihre Europäischen verfassungsmäßigen Rechte beraubt worden, hieß es. (APA)

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    155 Menschen sind am 11. November 2005 bei einem Brand im Tunnel der Standseilbahn zum Kitzsteinhorn in Kaprun ums Leben gekommen.

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