Präsidium tagt

27. März 2006, 10:37
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Katzian beklagt Vertrauensverlust in ÖGB - Bawag-Chef Nowotny im Präsidium mit dabei

Wien - Seit 8.00 Uhr früh tagt das erweiterte ÖGB-Präsidium in der Causa Bawag. Erwartet wird eine heftige Diskussion, in der es auch um den Kopf von ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch gehen dürfte. Der Präsident hatte im Vorfeld allerdings einen Rücktritt ausgeschlossen. Die Gewerkschaftsgranden hielten sich vor der Sitzung mit Statements noch zurück.

Der Chef der größten Einzelgewerkschaft GPA, Wolfgang Katzian, sprach aber immerhin von einem "Vertrauensverlust in den ÖGB". Ob er Präsident Verzetnitsch, der wegen der umstrittenen ÖGB-Haftung für die BAWAG ins Schussfeld gekommen war, noch vertraue, ließ der GPA-Vorsitzende unbeantwortet. Das werde man in der Sitzung besprechen.

Keine Rückenstärkung

Offensive Rückenstärkung für Verzetnitsch gab es auf Seiten der anderen Vorsitzenden nicht. Sowohl Gemeinbediensteten-Chef Rudolf Hundstorfer als auch Tourismuschef Rudolf Kaske wollten sich auf Inhaltliches nicht enlassen. Überhaupt keinen Kommentar vor Journalisten gab es vom Eisenbahnervorsitzenden Wilhelm Haberzettl sowie von GÖD-Chef Fritz Neugebauer. Metaller-Chef Rudolf Nürnberger war schon fast eine Stunde vor Beginn des Präsidiums in der ÖGB-Zentrale in der Wiener Innenstadt eingetroffen.

Nach Einschätzung von Gewerkschaftsinsidern wird es vor allem an Nürnberger liegen, Verzetnitsch sein Amt behalten kann. Der schweigsame Metaller-Chef ist auch Vorsitzender der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter und gilt als eigentlich starker Mann im ÖGB. Für einen Generationenwechsel an der Spitze der Gewerkschaft sprechen sich dem Vernehmen nach vor allem GPA und Drucker aus. Rückenstärkung kann sich Verzetnitsch am ehesten von Hundstorfer und Kaske sowie von der Zentrale mit den leitenden Sekretären erwarten.

Mitglieder mords aufgebracht

Als Überraschungsgast beim ÖGB-Präsidium erschien Montag früh auch BAWAG-Chef Ewald Nowotny. Er soll offenbar über die aktuelle Situation seines Bankinstituts informieren. Eine Stellungnahme wollte er vor der Sitzung keine abgeben. Die Dauer der Sitzung war vorerst nicht absehbar.

Im Radio-Morgenjournal des ORF waren Rücktrittsaufforderungen an Verzetnitsch lauter geworden. So hatte Markus Koza von der Fraktion der Altenativen und Grünen Gewerkschafter eine Krise für die sozialdemokratischen Gewerkschafter geortet und weniger einen ÖGB-Skandal. "Verzetnitsch sollte sein Amt zur Verfügung stellen", forderte Koza.

Stimmung sehr schlecht

Christgewerkschafter Johann Hable von der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst forderte restlose Aufklärung und einen außerordentlichen Gewerkschaftstag. "Die Stimmung ist sehr schlecht, die Mitglieder sind zu recht mords aufgebracht". Er sei selbst beschimpft worden und könne kaum Auskunft geben, weil er nicht informiert worden sei. (APA)

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