Wenn Fußballer einem Irrtum aufsitzen

26. März 2006, 21:13
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Rapid präsentierte sich beim 1:2 gegen die Admira in einem desolaten Zustand

Südstadt - Dabei soll Fußball ein gar nicht so kompliziertes Spiel sein. Behauptet Trainer Georg Zellhofer. Man müsse nur laufen, kämpfen, sich notfalls in den Dreck schmeißen, einfach bereit sein, den Kontakt mit dem Gegner zu suchen. "Dann kommt der Rest von alleine. Vergisst du aber auf diese Tugenden, dann gewinnst du nicht einmal in Kufstein." Kufstein ist ihm spontan eingefallen, er hätte auch Kapfenberg nennen können, wobei Zellhofer die Südstadt gemeint hat. Weil eben die Admira in diesem tristen Ort wohnt und weil natürlich sie, und keinesfalls Kufstein, Rapid mit 2:1 geschlagen hat. "Ich schäme mich, das war eine lächerliche Vorstellung. So brauchen wir an den dritten Platz gar nicht zu denken."

Der (Ex-)Meister war an diesem Samstagabend von einem Unentschieden gegen das Schlusslicht weiter entfernt als die österreichische Nationalmannschaft vom Titel bei der Heim-EM 2008. Teamchef Josef Hickersberger schüttelte angesichts der Dabietung seiner ehemaligen Schüler den Kopf von ganz rechts bis weit nach links, also bis zum Anschlag und fast um die eigene Achse, und tat dann kund: "Es tut nimmer weh, Gott sei Dank." Den Schmerz hat er ja im Winter an Zellhofer weiter gereicht. Hickersberger darf jetzt in größeren Zeitspannen leiden, nämlich nicht mehr von Woche zu Woche, das steigert die Lebensqualität.

Rapid zerfällt, zerfällt, zerfällt. Den Beteiligten ist das keinesfalls entgangen, sie sind ja nicht bescheuert. Zuletzt drei Niederlagen, das 0:0 in Ried war ein kleiner Unfall zwischendurch. Gegen die Admira fehlten sechs Spieler: Als wäre die Not nicht groß genug, machten sich auch noch Viren breit, sie suchten die Mägen heim. "Aber das darf keine Ausrede sein, es standen trotzdem elf Profis auf dem Platz", schimpfte Zellhofer, der davon ausgeht, "dass sich die typischen Mechanismen bemerkbar machen". Soll heißen: Eine Trainer-Diskussion droht. "Da bin ich gelassen. Im Moment bin ich zornig über die Leistungen. Aus dem Dreck können sich die Spieler nur selbst rausziehen, aber sie verstecken sich unterm Teppich."

Wobei Rapid eine große Gemeinsamkeit geblieben ist, die Ratlosigkeit. Helge Payer, der Tormann und Kapitän, schilderte den typischen Verlauf der obligatorischen Krisensitzungen, "die überhaupt nichts bringen. Jeder redet nur gescheit daher, es ändert sich aber nichts. Wir glauben, dass wir gut Fußball spielen können. Das ist der große Irrtum. So abgedroschen es klingt: Man kann nur über den Kampf ins Spiel zurückfinden. Solange wir das nicht verinnerlichen, macht es wenig Sinn."

Ohne Leidenschaft

Sportdirektor Peter Schöttel stand noch lange nach der Pein im Nieselregen. Als wäre die Südstadt im trockenen Zustand nicht schlimm genug, musste er Auskunft über die Lage geben. "Ich vermisse die Leidenschaft. Ich kann das mit den Abgängen von Ivanschitz und Hofmann nicht mehr hören. Es stimmt, dass sich kein Führungsspieler aufdrängt." Er äußerte die Hoffnung, "dass sich im Fußball alles schnell drehen kann". Zellhofer, so Schöttel, sei davon ausgegangen, "dass er um den Titel mitspielt. Diese Enttäuschung muss er erst verkraften."

Am Mittwoch empfängt Rapid die Admira. Im trister werdenden St. Hanappi. (DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 27. März 2006, Christian Hackl)

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    Georg Zellhofer (45) nervt die Ratlosigkeit. "Dabei ist der Fußball einfach. Wenn man die ganz normalen Tugenden einhält." Der Trainer von Rapid hat sich das Amt nicht so schwierig vorgestellt. "Da muss ich durch."

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