"Unsagbares sagbar gemacht"

29. März 2006, 15:55
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Präsident Fischer enthüllt Gedenkstätte für KZ-Opfer in Peggau

Peggau/Graz - In der steirischen Gemeinde Peggau, wo im größten der acht steirischen Nebenlager des KZ Mauthausen unter dem Decknamen "Marmor" fast 900 Menschen für die Waffenproduktion gequält wurden, wurde am Freitagnachmittag eine von Hartmut Skerbisch entworfene Gedenkstätte mit fünf Namenstafeln neben einem Massengrab eingeweiht.

Eine alte Tafel behauptete: "Man kennt nicht ihre Namen, nicht ihre Heimat", doch der Pädagogin Anita Farkas der Uni Klagenfurt gelang es, fast alle Namen der 82 vor Kriegsende am Waldrand Verscharrten zu finden. Es waren 67 Häftlinge aus der Sowjetunion, Polen, Österreich, Slowenien, Italien und 15 ungarische Juden, die auf einem Todesmarsch nach Mauthausen hier ermordet wurden.

Die Rückgabe der Identitäten hat Konsequenzen im hier und heute: Die in Israel lebende Tochter eines ungarischen Opfers konnte am Freitag nach Jahrzehnten der Ungewissheit das Grab des Vaters besuchen: Sie habe ohne das Wort "Abba" (Vater) aufwachsen müssen und ihn schrecklich vermisst, erinnert sie sich.

Bundespräsidenten Heinz Fischer nannte die neue Gedenkstätte in seiner Rede ein politisches und weltanschauliches Landmark. Am Vormittag hatte Fischer in der Grazer Landesnervenklinik Sigmund Freund eine anderes solches Landmark, eine Gedenkstätte für 1400 Euthanasie-Opfer, eingeweiht. Für die steirische Landesregierung sprach SP-Landesrat Kurt Flecker, der das Mahnmal mit dem österreichischen Mauthausen-Komitee initiiert hatte. Für letzteres dankte Samuel Stuhlpfarrer allen die halfen, "das Unsagbare sagbar zu machen", während Gianfranco Maris vom Internationalen Mauthausen-Kommitee seinen Schwur, den er einst mit anderen Gefangenen am Appellplatz Mauthausen für eine bessere Zukunft ablegte, eindrucksvoll erneuerte.

Gerard Sonnenschein, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, sprach den Kaddish für die Toten, Diözesanbischof Egon Kapellari und die evangelische Senorin Karin Engele das Vaterunser. (cms/DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2006)

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