Bawag-Krimi wird jetzt aufgerollt

27. März 2006, 18:02
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Nach der Beichte der Bawag P.S.K. über den Karibik-Verlust von einer Milliarde Euro rollt der Vorstand die Geschäfte dahinter auf

Wien - Nächster Akt im Drama um die Karibik-Verluste und ihre Vertuschung durch die Bawag P.S.K. und den ÖGB. Der ÖGB hat für den Verlust von exakt 999 Mio. Euro sogar mit dem Streikfonds gehaftet. Der Verlust ist inzwischen verdaut, offen sind noch 120 Mio. Euro für die Bawag-Beteiligung am Casino Jericho, die in der Anguilla-Gesellschaft Monte Brook geparkt sind. Ab 14 Uhr tagt der Bawag-Aufsichtsrat.

Erfreuliches mit Tusch dazwischen, um 11.30 Uhr: Da bekommt Ex-Bawag-Chef Johann Zwettler, der immer informiert war, im "Hochholzerhof" einen Ehrenpreis überreicht. Vom Wiener Militärkommando, den "Pro Defensione" (zu Deutsch: für die Verteidigung).

Im Aufsichtsrat, der am 6. April neu gewählt wird und in den der ÖGB dann "Bankexperten" schicken will, auf der Tagesordnung: Details darüber, was ab 1995 tatsächlich geschehen ist. Die Betriebsräte fordern zudem Köpfe. "Wir wollen wissen, welche Vorstände involviert waren. Selbst wenn ihre rechtliche Verantwortung noch nicht geklärt ist, sollen sie den Mumm haben, zurückzutreten", so Aufsichträtin und Betriebsratschefin Ingrid Streibel-Zarfl. Den Vorwurf, die Bawag-Kontrollore hätten völlig versagt, kontert sie so: "Die Karibik-Geschäfte wurden an Teilen des Managements vorbeigespielt, und dann soll nur der Aufsichtsrat schuld sein? Zudem waren ja auch die Experten der Bayerischen Landesbank im Gremium."

Die Fakten: Die Bayern LB war von 1996 bis 2004 mit 46 Prozent an der Bawag beteiligt. Bis Juni 2004 war Bayern-LB-Chef Werner Schmidt Bawag-Aufsichtsratsvize, drei weitere seiner Vorstandskollegen saßen ebenso im Aufsichtsrat wie der bayerische Finanzminister, Kurt Faltlhauser. Der ÖGB hat den Bayern im Juni 2004 ihren Bawag-Anteil um rund 600 Mio. Euro abgekauft. Zwei Drittel davon haben die Bayern dem ÖGB für zwei Jahre gestundet. Die wären also jetzt fällig - außer es wurde umgeschuldet.

Die Frage, warum der Rückkauf so günstig war (2004 gehörte der Bawag schon die P.S.K., für sie hatte die Bank im Jahr 2000 rund 1,3 Mrd. Euro auf den Tisch gelegt), stellt sich heute dringender denn je. Der scheidende Bawag-Präsident Günter Weninger sagt, die Bayern von den Verlusten nicht informiert zu haben.

Erste Spuren

Dass am Montag alle Fragen geklärt werden, ist ausgeschlossen. Bankchef Ewald Nowotny - der am Samstag im ORF-Radio sagte, für ihn sei der Verlust bei seinem Amtsantritt im Jänner "nicht sichtbar gewesen" - hat unter der Leitung seines Vize, Stephan Koren, eine "Restrukturierungsgruppe" eingesetzt, die alles aufrollen muss. Derzeit liegen nur erste Spuren vor, die zeigen, wie die Verluste rund um den Erdball verschoben wurden.

Möglicherweise wird die Zeitreise aber weiter zurückgehen. "Wir wollen den Beweis dafür sehen, dass die Bawag 1994 aus den ersten Karibik-Geschäften unter Walter Flöttl tatsächlich mit Gewinn ausgestiegen ist", fordert ein Aufsichtsrat. 1994 musste die Bawag ihre Spekulationsgeschäfte mit Flöttl-Sohn Wolfgang auf Geheiß der Bankenaufsicht stoppen. Der damals erstellte Prüfbericht der Aufsicht ist geheim. Neueste Gerüchte sagen, dass Flöttl junior schon damals von der Bawag "gezwickt" worden sei.

Flöttl, der mit einer Eisenhower-Enkelin verheiratet in New York lebt, ist nicht erreichbar. Das hat er mit Ex-Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner gemein, der die Karibik-Geschäfte 1995 wieder aufgenommen hatte. Er wird jetzt aus dem Vorstand der ÖGB-Privatstiftung "ausgeschieden", in dem der Streikfonds liegt. Und aus dem Vorstand der Lotterien Gesellschaft, in der er "nicht sehr häufig anzutreffen ist" und neben 300.000 Euro Gehalt einen garantierten Bonus von 200.000 Euro jährlich kassieren soll. Die vorzeitig ausbezahlte Pensionsabfindung - 3,6 Mio. Euro - hat der Golfer in seine "Birdie Privatstiftung" eingebracht. In ihrem Vorstand ist auch Jam Schlaff, der Bruder von Elsners Freund Martin Schlaff. Der unterhält mit der Bawag vielfältige Geschäftsbeziehungen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.3.2006)

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