Kopf des Tages: Han Myeong-suk, Premierministerin

26. März 2006, 18:41
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Frauenrechtlerin wird Koreas erste Regierungschefin

Es ist der zweite Versuch, und dieses Mal sollte es klappen: Im konservativ-konfuzianischen Südkorea wird eine Frau die Regierungsgeschäfte führen. Dass das Parlament der Ernennung von Han Myeong-suk zustimmen wird, gilt als ausgemacht. Die 62-jährige Frauenrechtlerin ist über die Parteigrenzen hinweg respektiert. Außerdem will die Opposition, die Grand National Party (GNP), noch eine unliebsame Affäre vergessen machen. Einer ihrer Abgeordneten hatte eine Reporterin sexuell belästigt.

Anders als im Jahr 2002, als die Konservativen im Parlament die Berufung einer Premierministerin scheitern ließen, werden sie Han ihre Stimmen nicht versagen können. Dass auch die GNP mittlerweile von einer Frau geführt wird - der Tochter des früheren Militärherrschers Park Chung-hee (1961-79) -, zeigt den allmählichen Wandel in Südkoreas Männerwelt der Manager und Politiker. Park Geun-hye gilt als aussichtsreiche Anwärterin auf das Präsidentenamt 2007.

Südkoreas künftige Regierungschefin kommt allerdings vom entgegengesetzten politischen Spektrum: Han brachte während der Militärherrschaft zweieinhalb Jahre, von 1979 bis 1981, im Gefängnis zu. Der Vorwurf: pro-kommunistische Propaganda gegenüber Bauern, Arbeitern und sozial schwachen Frauen. Hans Ehemann Park Sun-jung hatte die von den USA unterstützte Militärregierung wegen demokratischer Umtriebe zu jener Zeit ebenfalls ins Gefängnis gesteckt. Die Eheleute schrieben sich Briefe und machten sich gegenseitig Mut.

Han, die 1944 in Pjöngjang, der Hauptstadt des heutigen Nordkoreas, geboren wurde und während des Koreakriegs mit ihren Eltern in den Süden geflüchtet war, wollte eigentlich Schriftstellerin werden und, wie sie rückblickend amüsiert feststellte, "die Schönheit des Lebens preisen". Sie studierte französische Literatur, lernte ihren Mann kennen - und fiel aus dem Elfenbeinturm: Nur sechs Monate nach der Hochzeit wurde Park Sun-jung, ein christlicher Theologe, verhaftet. Han begann sich fortan auch in der Demokratiebewegung zu engagieren, vor allem für die Rechte der Frauen.

Nach der Wahl des früheren Dissidenten Kim Dae-jung zum Staatschef trat Han 2001 als erste Frauenministerin ins Kabinett ein. Unter Kims eher glücklos agierendem Nachfolger Roh Moo-hyun, ebenfalls ein Ex-Bürgerrechtler, wurde Han zunächst Umweltministerin. Frau Han sei eine bessere Person für den Dialog und den Kompromiss mit der Opposition, wurde der Präsident nach der Nominierung der Frauenrechtlerin zur neuen Premierministerin zitiert. Ob Hans "soft power", ihre ruhige Überzeugungskraft, aber ausreicht, um den letzten zwei Jahren von Rohs Präsidentschaft noch eine Handschrift zu geben, ist ungewiss. (DER STNDARD, Printausgabe, 27.3.2006)

von Markus Bernath
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    Han Myung Suk, Premierministerin

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