"Google ist das neue Tor zur Wirklichkeit"

von Redaktion  |  17. April 2006, 21:13
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Die Zeichnung auf der Titelseite des kleinen Bändchens spiegelt recht genau wider, wie Printjournalisten für gewöhnlich arbeiten. Mit sechs Armen telefonieren sie auf zwei Apparaten, sie schicken so viele Mails, wie sie sie abrufen und schreiben daneben - einhändig - ihre Artikel. Und um das zu können, bedienen sich Journalisten freilich vor allem eines zentralen Hilfsmittels: Sie googeln.

"Google ist das neue Tor zur Wirklichkeit, auch im Journalismus", erklärt Kommunikationswissenschafter Stefan Weber. Laut Studie für KommAustria und Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) unter 300 Zeitungs- und Zeitschriftenjournalisten googeln Journalisten fast so viel wie sie telefonieren. 94,8 Prozent nützen die Suchmaschine zumindest manchmal.

Warnsignal

Für Publizistikprofessor Fritz Hausjell ist das angesichts des schlampigen Umgangs im Journalismus bei der Angabe von Quellen ein Warnsignal: "Ist Journalismus nur mehr das, was zwischen gegoogelten Inhalten an Verbindungssätzen Platz hat?" Zumal die neuen Technologien von den meisten Printjournalisten nicht nur als Segnung betrachtet werden: Jeden zweiten stresst laut Studie das Internet, Männer übrigens mehr als Frauen.

Stichwort Geschlechtervergleich: Erstmals gibt es unter Berufsneulingen - also Journalisten, die noch über weniger als fünf Jahre Berufspraxis verfügen - mehr Frauen als Männer.

Wie arbeiten Österreichs Printjournalisten außerdem? Sie leiden. Unter Info-Flut, Zeitdruck, fehlenden Korrektoraten. Sie leiden, weil sie ihre Texte nicht unterbringen, weil Wirtschaft und Politik immer größeren Einfluss auf ihre Arbeit ausüben und Konflikte zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung immer heftiger werden. Immer mehr arbeiten mit freien Dienstverträgen und sind unzufrieden mit ihrer Bezahlung. Eine triste Bestandsaufnahme, die Journalistengewerkschafter Fritz Wendl immer noch für "geschönt" hält, klammere sie doch Arbeitsbedingungen von privaten TV- und Radiojournalisten aus. Google-Journalismus sei lediglich Resultat permanenten Zeitdrucks.

Hälfte studiert fertig

Von wenigstens einem Klischee befreit sich der Berufsstand nach und nach: dass Journalisten meist Studienabbrecher sind. Laut Studie haben inzwischen 46,6 Prozent ein abgeschlossenes Hochschulstudium. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 27.3.2006)

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Salzburg: Schriftenreihe Journalistik des Kuratoriums für Journalisten- ausbildung, Band 18, 108 Seiten, 9,90 Euro.

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8 Postings
Thomas Loser
27.03.2006 17:47
Entbehrliche Nabelschau

Niemand braucht die Bestätigung von ohnehin bekannten Ergebnissen. Jede Berufsgruppe macht Fehler, pfuscht oder macht sich seinen Alltag einfach. Warum soll das bei Journalisten anders sein als bei ÄrztInnen, AnwältInnen, PolitikerInnen oder UnternehmerInnen. Kein Berufsstand schaut sich selbst so gerne und mit Studien unterfüttert auf den Nabel wie JournalistInnen. Bei Medien wird genauso grob oder fein gehandwerkt wie in anderen Bastelstuben. Und Ethik kommt da wie dort unter die Räder. Nur weil JournalistInnen ihr Handwerk vor aller Öffentlichkeit machen, macht sie das nicht apriori zu Heiligen. Und warum soll der allseits herrschende Druck vor Medien stoppen? Tempo & Sorgfalt schließen sich nicht aus und Leiden gehören zu unserm Alltag.

post der poster
27.03.2006 12:31
ein anruf kostet zwar mehr geld

spart aber bei all dem müll, den google ausspuckt jede menge zeit und nerven.

Herr Dr. Bitter  
27.03.2006 07:45

Googeln sehe ich als Qualitätssprung. Bisher haben sich`s die Journalisten ja nicht aus dem Netz gesaugt, sondern aus den Fingern.

yomellamo
26.03.2006 23:08
nein die armen journalisten... :-(((( . . .

da muß ich noch schnell eine träne rausdrücken.

post der poster
28.03.2006 01:49
schon mal als journalist gearbeitet?

ganz so einfach ist das auch wieder nicht. und nein, journalisten sind keine halbgötter, aber unter dem druck, unter sie im allgemeinen stehen, ist es auch fast nicht mehr verwunderlich, dass sie schreiben, was sie schreiben...

krendl
29.03.2006 20:55
Hm, ich habe eigentlich Hochachtung

vor guten Journalisten. Allerdings nicht vor jenen, deren Auftreten = Arroganz quasi als Ersatz der fehlenden VIP-Reversnadel dient. Überheblichkeit, Kleinkorruption, Schnoddrigkeit. Bevor jetzt alle Journalisten über mich herfallen: siehe oben *g*! Leider werden aber die guten dieser Zunft auch nicht mehr.

abau
26.03.2006 22:35

"Hälfte studiert fertig

Von wenigstens einem Klischee befreit sich der Berufsstand nach und nach: dass Journalisten meist Studienabbrecher sind. Laut Studie haben inzwischen 46,6 Prozent ein abgeschlossenes Hochschulstudium."

Und das soll bei oben erwähnten Zuständen toll sein? Studium und trotzdem arm?

Florian Holzer
26.03.2006 19:37

wenn sie wenigstens die namen richtig von google abschreiben würden, dann wär das ja schon mal was ...

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