Mexiko gedenkt in Wien des Völkerbund-Protests gegen den Anschluss

26. März 2006, 14:39
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Ausstellung "La Protesta de Mexico e Isidro Fabela" im Kulturinstitut - Botschafterin: "Eckpfeiler" der freundschaftlichen Beziehungen

Wien - Mit einer Ausstellung im Mexikanischen Kulturinstitut in Wien gedenkt die Regierung des lateinamerikanischen Staates gegenwärtig seines Protests gegen den Anschluss Österreichs 1938 an Nazi-Deutschland. "Dieses historische Ereignis wird als Eckpfeiler der Beziehungen zwischen Österreich und Mexiko betrachtet", erklärte Botschafterin Patricia Espinosa Cantellano kürzlich bei der Eröffnung.

Im Zentrum der Schau "La Protesta de Mexico" steht die Person des mexikanischen Gesandten Isidro Fabela, der damals die Protestnote in Genf übergab. Die Diplomatin zeigte sich im Gespräch mit der APA "tief bewegt", dass diese Schau gerade jetzt in Wien präsentiert werden könne - unter der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft, im Vorfeld des Staatsbesuchs des mexikanischen Präsidenten Vicente Fox am 11. Mai und des anschließenden Gipfeltreffens der EU und der Staaten Lateinamerikas und der Karibik in Wien. Die Protestnote ist im Faksimile ausgestellt (Originaltext auf Französisch). Während der Jubiläums-Ausstellung "Das Neue Österreich" im Belvedere 2005 war übrigens das Original zu sehen.

Einziges Land

Vor 68 Jahren, am 19. März 1938, hatte Mexiko als einziges Land der Welt beim Völkerbund in Genf offiziell gegen den Anschluss protestiert. In dem Schreiben, das Fabela im Auftrag von Präsident Lazaro Cardenas übergab, heißt es: "Die Tatsache, dass die Behörden in Wien die Macht den gewaltsamen Besetzern übergeben haben, kann dem Angreifer nicht als Entschuldigung dienen, und der Völkerbund darf diese vollendete Tatsache nicht ohne die energischen Proteste und die in den Artikeln des Völkerbund-Paktes vorgesehenen Gegenmaßnahmen hinnehmen." Weiter schrieb Fabela, ein anerkannter Völkerrechtsexperte und Professor, in der Protestnote: "Andererseits vertreten die Behörden, welche die vollziehende Kraft preisgegeben haben, keineswegs das österreichische Volk, das sicherlich den Tod seines Vaterlandes als düstere Tragödien ansieht, die Behörden selbst, welche der Gewalt weichen mussten, haben nicht frei gehandelt, da voluntas coacta voluntas non est (ein erzwungener Willensakt kein Willensakt ist)." Es handle sich also nicht um "freie und rechtmäßige Äußerungen der Nation".

Die Botschafterin wies auf die politisch äußerst schwierige Situation Mexikos hin, in der Präsident Cardenas 1938 diesen Protest deponierte. Mexiko hatte gerade zu jener Zeit mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, und Cardenas traf die Entscheidung, die Erdölindustrie, an der viele ausländische Interessen hingen, zu verstaatlichen. Der Protest war kein Einzelfall: Vor 1938 hatte Mexiko gegen die Besetzung Äthiopiens durch Italien und jene Chinas durch Japan protestiert.

einatz für UNO-Beitritt

Isidro Fabela kämpfte in jungen Jahren für die Anerkennung der mexikanischen Revolutionsregierung nach 1914. Seit 1937 vertrat er diese beim Völkerbund in Genf. Von 1956-51 war der Jurist Richter am Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Mit seiner deutschen Ehefrau Josephine Eisenmann, die er 1920 in Berlin geheiratet hatte, unternahm er ausgedehnte Reisen in alle Welt. Später wurde er Gouverneur des Bundesstaates Mexico.

Mexiko hat vor und während des Zweiten Weltkriegs Hunderte verfolgte Österreicher aufgenommen. Nach dem Krieg setzte sich das Land gemeinsam mit Brasilien 1952 für einen UNO-Beitritt Österreichs ein, der 1955 erfolgte. Dies alles geschah ein Jahrhundert, nachdem der - auf Betreiben von Napoleon III. in Mexiko installierte - Habsburger-Kaiser Maximilian dort 1867 von Staatspräsident Juanito Pablo Juarez hingerichtet worden war.

Im Kulturinstitut in der Türkenstraße (9. Bezirk) - übrigens das einzige eines lateinamerikanischen Landes in der Bundeshauptstadt - werden Fotos aus dem Leben und Wirken Fabelas sowie Faksimiles von Dokumenten im Kontext des Protestes von 1938 gezeigt. Darunter sind die Ermächtigung von Präsident Cardenas für seinen Gesandten in Genf ebenso wie eine Kopie der Moskauer Deklaration, die Auszeichnung für Fabelas Buch zur Neutralität sowie Bilder von seiner Hazienda bei Mexico Ciudad, der "Casa del Risco", die seit 1963 ein Museum ist und seinen Nachlass beherbergt. Die Ausstellungsstücke werden in Verwahrung der mexikanischen Botschaft in Wien bleiben. So können sie aus gegebenem Anlass auch später präsentiert werden, freut sich die Missionschefin. (APA)

Mexikanisches Kulturinstitut, 9.,Türkenstraße 15. Die Ausstellung "La Protesta de Mexico e Isidro Fabela" - Der Protest Mexikos und Isidro Fabela - ist vorläufig
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