FMA geht Verdacht auf Bilanzmanipulation nach

28. März 2006, 13:52
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Behördenvertreter: "Eindruck einer reichlich kreativen Buchführung" - Auch Wirtschaftsprüfer KPMG mit Erklärungsbedarf

Wien - In dem Skandal um die zwischen 1995 und 2000 entstandenen milliardenschweren Spekulationsverluste der Gewerkschaftsbank BAWAG beschäftigt sich die Finanzmarktaufsicht (FMA) laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "profil" inzwischen mit einem schwer wiegenden Verdacht: Bilanzmanipulation.

"Es entsteht der Eindruck einer reichlich kreativen Buchführung", wird in dem Magazinbericht ein hochrangiger Vertreter der FMA zitiert.

In der FMA gab es am Sonntag keine offizielle Stellungnahme. Gegenüber der APA war am Nachmittag in der Finanzmarktaufsicht nur davon die Rede, dass die Behörde möglichen Verletzungen von Berichts- und Informationspflichten nachgeht.

Finanzkarussell

Ungeachtet der Ausfallshaftung des ÖGB, die die Situation eigentlich entspannt hatte, schickte der damalige BAWAG-Chef Helmut Elsner Ende 2000 zumindest einen Teil der schief gelaufenen Investments in ein schwindelerregendes Finanzkarussell - offenbar mit dem Zweck, die Verluste zu verschleiern, heißt es in dem "profil"-Artikel weiter. Im Bericht der BAWAG an die Finanzmarktaufsicht werde lediglich darauf hingewiesen, dass dadurch 'sukzessive Abschreibungen' möglich geworden seien", schreibt "profil". So seien bereits Ende Dezember 2000 die wertlos gewordenen 350-Millionen-Euro-Anleihen (Huntington, Columbia, York & Co.) an den von der BAWAG selbst mitgegründeten Liquid Opportunity Plus Fund übertragen worden. Wofür die BAWAG ihrerseits "Fondsanteile" im fiktiven Gegenwert von 350 Millionen bekam.

Ein Jahr zuvor hatte sich die Gewerkschaftsbank überraschend mit zehn Prozent an diesem aufstrebenden New Yorker Brokerhaus beteiligt, das von Elsners späterem Du-Freund Phillip Bennett geführt wurde. Jener Phil Bennett also, dem Elsners Nachfolger, Johann Zwettler, im Oktober des Vorjahres den mittlerweile zu trauriger Berühmtheit gelangten Blitzkredit in der Höhe von 350 Mio. Euro zuschanzte. Wenngleich über die frühen Geschäftsbeziehungen zwischen Refco und der BAWAG nie etwas bekannt geworden ist - das inzwischen kollabierte Brokerhaus war an der Verschleierung der BAWAG-Verluste möglicherweise nicht ganz unbeteiligt, so "profil".

Der "Verkauf" der entwerteten Anleihen wurde Ende 2000 über die Refco-Tochter Refco Capital Markets abgewickelt. In den "profil" vorliegenden Unterlagen taucht Refco noch etliche weitere Male in tragender Rolle auf. Bis in die zweite Jahreshälfte 2004 hinein wurden die Investments noch zweimal im Kreis geschickt, ehe sie schließlich bei den sieben Briefkastengesellschaften auf der Karibikinsel Anguilla landeten: Catamarca Assets Series I, Betio Asset Investments, Tuvalu Holding Company, Chaco City Investments, Rabaul Holdings, Tecka Asset Holdings sowie Monte Brook Corporate Assets.

Die BAWAG hat die Verbindungen in die Karibik nur zögerlich einbekannt. Selbst als die FMA Ende 2005 im Zuge der Ermittlungen zum Refco-Konkurs die Bücher unter die Lupe nahm, blieben die Engagements zunächst unentdeckt.

Die BAWAG selbst hält dazu in ihrem Dossier an die FMA Folgendes fest: "Wir waren wirtschaftlich Begünstigte dieser Investorengesellschaften (,beneficial owner'). Da wir aber nicht als Shareholder ... eingetragen waren ..., wurden diese Gesellschaften in unserem Schreiben vom 2.12.2005 - wenngleich vom Wortlaut her richtig, so doch inhaltlich verkürzt als ,Kunden unseres Hauses' bezeichnet."

Genau da, so "profil", könnte es sich nun spießen: Laut FMA bestehe der Verdacht, dass die Bank ihren manifesten Einfluss auf die Karibik-Gesellschaften vorsätzlich und fortgesetzt verschwiegen hat. Das Magazin zitiert einen Ermittler: "Die BAWAG hat die Briefkästen kontrolliert, diese aber nicht konsolidiert. Erhebt sich die Frage, ob die früheren Jahresabschlüsse überhaupt stimmen konnten."

Tatsache sei, so der Magazinbericht weiter, dass erst 2004, annähernd zehn Jahre nachdem die ersten Verluste entstanden waren, ein kleiner Teil davon wertberichtigt wurde: 137 Mio. Euro. Der mit Abstand größte Brocken wurde erst im Zuge der vergangenes Jahr abgeschlossenen Fusion mit der Postsparkasse realisiert. Die Fusion erfolgte per 30. September 2005. Laut der vom "profil" zitierten Umgründungsbilanz hat die neue BAWAG P.S.K. aus den Flöttl-Spekulationen exakt 534 Mio. Euro abgeschrieben.

Diese wurden durch Aufwertungen im Liegenschafts-und Beteiligungsbereich buchhalterisch aufgefangen. Daher waren diese Ausfälle auch nicht isoliert erkennbar. Weitere 208 Mio. dürften in den regulären Jahresabschluss zum 31. Dezember 2005 gepackt worden sein. Mit Auffliegen der Affäre waren demnach "nur" noch 120 Mio. offen, für welche der ÖGB nach wie vor haftet.

Laut Informationen der Tageszeitung "Kurier" (Sonntagausgabe) haben indes nicht nur die Ex-BAWAG-Generaldirektoren Helmut Elsner und Johann Zwettler den Staatsanwalt und die Bankenaufsicht am Hals, sondern auch der Wirtschaftsprüfer der Bank, die KPMG. Die BAWAG benötigte eine Garantie des ÖGB, um die Verluste verdauen zu können. Diese Garantie hätte von der KPMG der Bankenaufsicht gemeldet werden müssen, schreibt der "Kurier" unter Berufung auf Bankenkreise. Das gilt auch für Elsner und Zwettler. Wirtschaftstreuhänder erwarten eine Anklage.

Morgen Montag dürfte es im Sonderaufsichtsrat zu Konsequenzen für einstige BAWAG-Manager bzw. auch einzelne amtierende Manager kommen, die für die Karibik-Geschäfte mitverantwortlich waren. (APA)

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