Befreite Geisel: Kein Frieden durch Militär

27. März 2006, 12:30
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Menschenrechtsaktivist Norman Kember wurde von einem Militärkommando unter britischer Führung befreit

London - Der nach fast vier Monaten Geiselhaft im Irak von Soldaten befreite britische Menschenrechtsaktivist Norman Kember hat Kritik am ausländischen Militäreinsatz in dem Land geübt. Zugleich dankte er am Samstag nach seiner Rückkehr in die Heimat für seine Befreiung. "Ich glaube nicht, dass dauerhafter Frieden durch Streitkräfte erreicht werden kann", erklärte der christliche Pazifist, "aber ich bekunde meine Anerkennung für ihren Mut und danke jenen, die bei meiner Befreiung eine Rolle gespielt haben."

Der 74-Jährige wurde auf dem Londoner Flughafen Heathrow von seiner Familie, Freunden und Mitgliedern seiner kirchlichen Hilfsorganisation Christian Peacemaker Teams (CPT) begrüßt. Kember lehnte es ab, vor der Presse über Einzelheiten seiner 119 Tage währenden Geiselhaft zu berichten. Er war am Donnerstag gemeinsam mit zwei kanadischen Mitgliedern der Organisation, die ebenfalls in Bagdad als Geiseln festgehalten worden waren, von einem Militärkommando unter britischer Führung befreit worden. Die Geiselnehmer waren kurz zuvor geflohen.

Der Brite und seine Kollegen Harmeet Singh Sooden (32) und Jim Loney (41) waren am 26. November zusammen mit dem US-Amerikaner Tom Fox (54) in Bagdad verschleppt worden. Fox wurde vor zwei Wochen ermordet in Bagdad aufgefunden. Vor seiner Landung wurde Kember vom britischen Militär kritisiert, weil er seinen Befreiern nicht gleich öffentlich für deren Einsatz gedankt hätte. Der Pazifist hatte zuvor erklärt, er wolle nicht durch eine bewaffnete Aktion befreit werden.

In unbestätigten britischen Medienberichten hieß es, das Militär habe Kembers Hilfsorganisation zugesichert, nur dann einzugreifen, wenn ein Blutvergießen ausgeschlossen werden kann. Das Verteidigungsministerium wollte sich zu den Berichten nicht äußern. Kembers Gruppe betonte am Samstag, sie sei den Soldaten dankbar, habe jedoch in der ersten Aufregung vergessen, dies öffentlich zu bekunden. Der Stabschef der britischen Streitkräfte, General Mike Jackson, sagte, die Soldaten hätten ihr Leben riskiert, um das der Aktivisten der Organisation Christian Peacemaker Teams zu retten. (APA/dpa/AP)

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