Von der UNO gefordertes Referendum wird weiter abgelehnt
El Aiun - König Mohammed VI. von Marokko hat eine
Autonomieregelung für die besetzte Westsahara angeboten. Ein
entsprechender Plan werde im April den Vereinten Nationen
unterbreitet, kündigte der Monarch am Samstag bei einem Besuch in dem
vormals spanischen Territorium an. Marokko widersetzt sich seit mehr
als einem Jahrzehnt der Durchführung des von der UNO geforderten
Selbstbestimmungs-Referendums in der Westsahara. Das Europäische
Parlament hatte in einer Westsahara-Resolution die anhaltenden
Menschenrechtsverletzungen Marokkos in dem besetzten Gebiet
verurteilt.
Die vor drei Jahrzehnten annektierte Region müsse marokkanisch
bleiben, unterstrich der König. "Wir werden nicht einen Meter unserer
geliebten Wüste aufgeben", sagte Mohammed VI. Ein Team aus Politik-
und Wirtschaftsexperten sowie Stammesführern solle eine umfassende
Studie zu einer möglichen Autonomieregelung erarbeiten.
80 Staaten erkannten Polisario-Staat an
Die Westsahara-Befreiungsorganisation "Frente Popular para la
Liberacion de Saguia el Hamra y Rio de Oro" (Polisario) rief 1976 die
Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) aus, die von über
achtzig Staaten anerkannt wird. Marokko hat große Anstrengungen
unternommen, um die phosphatreiche Wüstenregion durch massiven
Bevölkerungstransfer an sich zu binden.
Vor der Küste der Westsahara
wird auch Erdöl vermutet. Die DARS-Regierung hatte die Vereinten
Nationen aufgerufen, die Erschließung von Ölvorkommen vor der Küste
zu stoppen. Dabei ging es unter anderem um die zwischen Marokko und
der französischen TotalFinaElf geschlossenen Bohrverträge.
In der UNO-Sicherheitsrats-Resolution 1429 war das
Selbstbestimmungsrecht der Westsahara-Bevölkerung anerkannt worden.
Während die in Algerien etablierte Exilregierung der DARS dem vom
ehemaligen US-Außenminister James Baker ausgearbeiteten
Referendums-Plan zugestimmt hat, wird dieser von Marokko abgelehnt.
Der Baker-Plan sieht vor, die Bevölkerung bis 2008 in einem
Referendum darüber entscheiden zu lassen, ob sie die volle
Unabhängigkeit will oder zu Marokko gehören möchte. (APA/AP)