Vogelgrippe zwingt Israelis und Palästinenser zur Zusammenarbeit

30. März 2006, 07:51
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Kritik aus palästinensischem Agrarministerium

Gaza - Ungeachtet des politischen Streits zwischen Israel und der künftigen radikalislamischen Hamas-Regierung zwingt das Auftauchen des gefährlichen Vogelgrippe-Virus H5N1 beide Seiten zur Zusammenarbeit. Seitdem die Tierseuche an Geflügel im Westjordanland, im Gazastreifen und in Israel festgestellt worden sei, hätten beide Seiten "intensiv" kooperiert, sagte der Sprecher des israelischen Koordinierungsteams, Shlomo Dror, am Freitag.

Die Palästinenser hätten bereits beim ersten Verdacht Proben der im Gazastreifen erkrankten Tiere nach Israel geschickt. "Wir haben ihnen gesagt: Was immer ihr braucht, ihr bekommt es von uns", sagte Dror. Der israelische Koordinator äußerte sich jedoch besorgt über die am Montag anstehende Amtseinführung der Hamas-Regierung. "Wir reden nicht mit der Hamas, solange sie die Zerstörung Israels fordert." Israel sei nach dem Abzug aus dem Gazastreifen aber vom Kooperationswillen der neuen Regierung abhängig, diese könne jederzeit die Maßnahmen blockieren.

Kritik

Das Vogelgrippe-Virus stelle in den Palästinensergebieten eine größere Gefahr für den Menschen dar, da viele Palästinenser auf engem Raum mit Hühnern zusammenlebten. Es müsse ein Weg zur Bekämpfung der Vogelgrippe in den betroffenen Gebieten gefunden werden, möglicherweise mit Hilfe internationaler Organisationen. "In manchen Fragen müssen wir einfach zusammenarbeiten - diese Grippe kann Menschen töten", betonte Dror.

Der scheidende palästinensische Vize-Landwirtschaftsminister Assam Tbeileh äußerte sich hingegen kritisch zur bisherigen Zusammenarbeit. Nach Bekanntwerden des Auftretens des gefährlichen H5N1-Virus' am Mittwoch im Gazastreifen habe Israel gerade einmal 100 Schutzanzüge und wenige Liter Desinfektionsmittel geliefert. Israel habe als Besatzungsmacht eine Verpflichtung, betonte Tbeileh. "Wir haben keinen Impfstoff, keine Schutzanzüge und keine eigenen Labore." Die Palästinenser würden auch in Zukunft "in höchsten Maße" kooperieren, es gebe aber "enorme Schwierigkeiten", vor allem durch die Straßensperren der israelischen Armee. "Das Virus kennt keine Grenzen oder Schutzwälle", betonte der Vizeminister. (APA)

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