Die Blütezeit von Kagran

26. März 2006, 12:00
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Gartenexpertin Veronika Walz lädt zur Reise durch Wiens schönste Gärten - Thomas Rottenberg hat angenommen

An der britischen Küche, betont Veronika Walz, läge es nicht. Weil das Vorurteil erstens eben ein Vorurteil sei - und sie außerdem immer darauf achte, dass nicht nur das, was zu "Ihrem" Thema gehört, höchsten Ansprüchen genüge: Wer sich aufmacht, um in der Ferne hohe Gartenkunst zu erleben und zu genießen, betont die Wiener Gartengestalterin, der verdiene es auch, rundum - also was Hotels und Restaurants angeht - bestens versorgt zu werden. Und an diesem Konzept, betont Walz, halte sie auch fest, wenn sie heuer erstmals nicht mit einer Reisegruppe nach England reist - sondern in Wien bleibt.

Denn die an der Wiener Universität für Bodenkultur lehrende Botanikerin bittet zu einer Gartenreise durch die Bundeshauptstadt (und das angrenzende Niederösterreich). Vom 15. bis zum 21. Juni will sie dabei den Beweis führen, dass "wir uns hinter den Briten keineswegs zu verstecken brauchen: Gut, die Engländer sind Gartenweltmeister - aber wenn man in Österreich genau schaut, sieht man sehr schnell, dass hier alles da ist: die Liebe, die Leidenschaft, das Fachwissen und die Gärten - nur am Selbstbewusstsein, das auch herzuzeigen, müssen wir noch arbeiten."

Arbeit, die Walz gerne auf sich nimmt: Schließlich bezeichnet sie sich selbst als "Gartenmissionarin" - freilich mit dem Zusatz, "eine unaufdringliche". In jedem Fall ist sie in der Welt der begeisterten Hobby- wie Berufsgärtner keine Unbekannte: 1996 entdeckte sie die Schönheit englischer Gärten, 1998 begann sie darüber Vorträge zu halten - und 2002 lud Walz zur ersten Gartenreise nach England.

Angst, mit diesem Konzept daheim weniger Erfolg zu haben, hat die Buchautorin ("Bunte Beete - Farbgestaltung im Garten", Agrarverlag) nicht: Zielgruppe seien zum einen hortophile potenzielle Wien-Touristen aus Westösterreich, der Schweiz und Deutschland, aber auch "Menschen, die Wien einmal aus ganz anderer Perspektive kennen lernen wollen".

Blühende Kronjuwele

Schließlich stehen auf dem einwöchigen Reiseplan nicht nur die Gärten bekannter Sehenswürdigkeiten ("Wenn ich jetzt Schönbrunn sage, antworten Sie 'eh klar'- aber wer kennt hier schon den japanischen Garten oder den Kronprinzengarten mit seinen Zitruspflanzen? Und was wissen Sie über Gestaltung, Pflanzen oder Geschichte der Belvedere-Gärten?"), sondern auch weniger bekannte grüne Juwele: die Blumengärten des Wiener Stadtgartenamtes in Hirschstetten etwa. "Dort gibt es über 1700 verschiedene Rosen und den (von Walz angelegten; Anm.) Farbenkreis der Sinne: Ein 15 Meter großer Pflanzenkreis mit über hundert Pflanzen in allen Farben, und zwar immer zu den Kategorien Essen, Duft und Blüte." Oder den "Schulgarten" in Kagran mit französischen, pannonischen und immergrünen Abteilungen. ("Mein Lieblingsgarten in Wien.")

Doch auch wenn sich diese Besuche - ohne fachkundige Betreuung von sowohl Garten- als auch Stadtführungs-ExpertInnen - theoretisch noch jeder selbst organisieren könnte, fände wohl niemand auf jene Dächer, auf denen Walz zeigen will, wie wunderschön die Symbiose aus Ausblick über die Stadt und fantasievollen Kleinstgärten ausfallen kann: "Das sind absolute Zuckerln - und die Gartenbesitzer sind wahnsinnig stolz, anderen Liebhabern zeigen zu können, was sie da manchmal auf kleinstem Raum geschaffen haben."

Größe, betont die Gartenmissionarin, sei nämlich kein zwingendes Kriterium für einen Garten, der sie "jedes Mal wieder und immer noch" jubilieren lässt: "Ich kenne wunderschöne Schrebergärten oder von Kindern angelegte Beete, bei denen mein Herz höher schlägt - aber viel zu viel von dem, worauf man da in Österreich zu Recht stolz sein könnte, ist immer noch hinter dichten Hecken versteckt. Und das ist oft wirklich sehr schade." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. März)

"Die schönsten Gärten von Wien - Von luftigen Dachgärten bis zu pracht- vollen Parkanlagen" 15. bis 21. Juni 2006, ab Euro 819

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Gartenreisen

  • Der "Monet Garten" im Schulgarten Kagran, dem Liebling der Gartenmissionarin Veronika Walz.
    foto: standard
    Der "Monet Garten" im Schulgarten Kagran, dem Liebling der Gartenmissionarin Veronika Walz.
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