Energische Direktorin mit Neugier und Spaß

24. März 2006, 21:26
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Mit der 50. Fachausstellung unter ihrer Führung im Technischen Museum feiert Gabriele Zuna-Kratky gleichzeitig ihr Fünfjahresjubiläum

Ihr Haus hat sie entschlossen und nachhaltig entstaubt. "Airworld" heißt die große Schau über Zivilluftfahrt, mit der sie ihr Jubiläum begeht. Gabriele Zuna-Kratky ist weltweit die erste Frau an der Spitze eines großen Technischen Museums. Oft wird sie als Beispiel für erfolgreiche weibliche Karrieren im von Männern dominierten technischen Bereich zitiert. Die nunmehrige Frau Hofrat verträgt allerdings keine Reduzierung auf die reine Herzeigefrau. Auf dem Weg an die Spitze ist ihr nichts geschenkt worden. Allein bei der Bewerbung für den DirektorInnenposten setzte sie sich gegen 40 hoch qualifizierte BewerberInnen durch. Nie verlor sie dabei aus den Augen, welchen Benachteiligungen andere Frauen durch Kindererziehung und schlechteren Lohn ausgesetzt sind. Auch wenn sie selbst einen anderen Lebensweg nahm. Daher plädiert die energische Museumsdirektorin auch entschieden "für eine Frauenbevorzugung". Aber "wohlgemerkt: nur bei gleicher Qualifikation."

Ihre Vorfahren gehörten einst zu den Privilegierten. Doch die "Edlen von Zuna-Kratky" hatten schließlich weder Titel noch Mittel. Gabriele (Jahrgang 1957) wuchs als Scheidungs- und Einzelkind bei ihrer geliebten Großmutter auf. Diese war eine emanzipiert denkende Frau, als man das noch nicht so nannte. Sie impfte der Enkelin einen Leitsatz ein: "Gabi, lern was, denn was du lernst, kann dir keiner mehr nehmen." Das beherzigt Hofrat Gabi bis heute. Gern hätte sie Zoologie studiert. Aber dafür gab es seinerzeit kein Geld. Also wurde sie Lehrerin, ohne den Auftrag der Oma zum lebenslangen Lernen je zu vergessen.

Unkonventionelle Gestalterin

"Zehn Jahre Klassenkampf", beschreibt sie ihren ersten Job an einer Polytechnischen Lehranstalt. "Das war eine gute Schule für das, was ich jetzt tue." Neben dem Unterricht in Deutsch, Englisch, Bildnerischer Erziehung und Lebenskunde vertiefte sie sich selbst als Werkstudentin immer mehr praktisch in letzteres Fach. Schließlich promovierte sie als Dr. phil., in Erziehungswissenschaft und Soziologie. Beim nächsten Job im Bildungsministerium fiel die Parteilose als unkonventionelle Gestalterin von Unterrichtsmaterialien auf. Zuna-Kratky ging neue Wege, arbeitete viel mit Museen zusammen und holte sich aus der Wirtschaft Sponsoringmittel. Das war 1988 noch neu.

Diese Kontakte und ihr Fundraisingtalent kommen heute auch dem Technischen Museum zugute. Bevor sie dorthin kam, war sie noch Chefin der Mediathek, des österreichischen Tonträgerarchivs. Schon dort profilierte sie sich mit Teamgeist. Über die Mediathek spricht sie auch heute nur in der Wir-Form. Denn wenn Zuna-Kratky ihr Herz an etwas hängt, tut sie es nachhaltig. Derzeit sind die alten Lokomotiven des Technischen Museums Herzensanliegen. Die wurden nach der Sperre 1992 ins Eisenbahnmuseum nach Strasshof verfrachtet. Nicht mehr fahrbereite Loks, wie die 153 Jahre alte Licaon, sollen jetzt einen Ehrenplatz am Gelände in Wien erhalten. Am liebsten würde Zuna-Kratky zwischen ihrem Museum und dem Westbahnhof einen Shuttle in Form einer alten Zuggarnitur einrichten. Dass man ihr von allen Stellen sagt, das sei unmöglich, wird sie nicht erlahmen lassen. Denn Zuna-Kratky ist hartnäckig.

Als Ehefrau spätberufen

"Man muss Unmögliches in Betracht ziehen, um Größtmögliches zu erreichen", lautet ein weiterer Wahlspruch. Das tat sie auch bei der Entschlackung ihres Museums. Mit ihren Managementfähigkeiten und dem ambitionierten Team krempelte sie das Haus und seine Präsentation vollkommen um. Zuna-Kratky setzt auf Vielfalt in der Mann- und Frauschaft: "Man soll nicht Leute fördern, die der Klon von einem selbst sind. Das produziert einen Einheitsbrei statt kreativer Einheit." In diesem Stil führt sie 150 fix Beschäftigte. Erst vor drei Jahren schloss die Spätberufene mit einem Linzer Rechtsanwalt den Bund fürs Leben: "Ich habe lange Zeit gebraucht, um den Richtigen zu finden. Aber bei der Suche war viel Spaß dabei." Das gilt offenbar in allen Teilen ihres Lebens. "Man sollte vieles ausprobieren. Denn ohne Neugier gibt es nur Stagnation." (Paul Vécsei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26. 2006)

  • Verträgt keine Reduzierung auf die reine Herzeigefrau: Gabriele Zuna-Kratky.
    foto: standard
    Verträgt keine Reduzierung auf die reine Herzeigefrau: Gabriele Zuna-Kratky.
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