Erfolgreiche Kämpferin gegen "Hundeklo Wien"

6. Oktober 2006, 14:39
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Anfang Februar hat Petra Jens aus der Brigittenau mit befreundeten Müttern begonnen, Unterschriften zu sammeln

Bei der Aufregung um die Hundstrümmerln, die halb Wien in Atem hält, könnte man glauben, die Stadt versinkt förmlich im Hundekot. Dem ist zwar nicht so, doch die Initiative von Petra Jens dringt durch, wie kaum eine davor: Anfang Februar hat die 29-Jährige aus der Brigittenau mit befreundeten Müttern begonnen, Unterschriften zu sammeln - gegen die Verkotung der Spielplätze, Parks und Straßen sowie dafür, dass die Stadtverwaltung etwas gegen "das Hundeklo Wien" unternehme.

Die Begeisterung, mit der die Wiener das Thema aufgenommen und die Petition unterschrieben haben, kann sich jeder Politiker nur wünschen: Vor dem Wochenende waren 65.000 Unterschriften erreicht und die Zahl stieg bis Freitagnachmittag binnen 24 Stunden auf fast 76.000.

Das ist ein Erfolg, mit dem Petra Jens eigentlich nicht gerechnet hat. Auf 5000 Unterschriften, "höchstens 10.000" hat sie gehofft. "Ich habe nicht gedacht, dass so viel Potenzial da ist." Das Projekt Hundekot ist bereits so groß, "dass ich jetzt mittlerweile gar nicht weiß, wer alles auf die Straßen geht und Unterschriften sammelt".

Die verheiratete Mutter von drei Kindern im Alter zwischen eineinhalb und sechseinhalb Jahren hat in der Anfangsphase viele Organisationen, die mit Umwelt und Tieren zu tun haben, angeschrieben, die Petition zu unterstützen. Gemeldet hat sich vorerst nur die Ärztekammer.

Bis die Petition online ging, ging es in Sachen Hundekot ruhig zu, doch dann sprangen die Medien auf das Thema auf. "Ich freue mich natürlich darüber, dass das Thema aufgegriffen wurde, aber ganz durchschaut habe ich nicht, wie Medien funktionieren. Denn plötzlich zerreißen sie dich", sagt die Agrarwissenschafterin (sie hat sich in ihrem Studium auf Nutztierethologie spezialisiert). Jetzt sei sie nur noch gestresst und "ein wenig müde", gibt sie zu. Negative Erfahrung hat sie, wie sie sagt, kaum gemacht. "Wenn jemand nicht unserer Meinung ist, kommt er meist mit Argumenten", stellt sie der E-Mail-Diskussionskultur ein gutes Zeugnis aus.

Sie und ihre Helfer brauchen jetzt vor allem Zeit, alles zu strukturieren. Bald werden sie einen Verein gründen und bei der Stadtverwaltung vorstellig werden. "Der Ball ist nun beim Rathaus." Die Maßnahmen, wie man die Straßen von Trümmerln frei halten kann, sind dort schon erfunden - in Form von Gesetzen.

Eine Motivation war für Petra Jens auch, ihren Kindern "soziale Kompetenz" beizubringen: "Welchen Eindruck macht es, wenn die Erwachsenen nicht einmal mit dem läppischen Hundekot zurechtkommen?" "Nicht hineinsteigen" sagen sei auch keine Lösung, sagt sie. Eine "hysterische Mutter" ist Jens bestimmt nicht. Sie hat mit ihrer Initiative einfach viel erreicht. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe 25/26.3.2006)

  • Petra Jens, Aktivistin gegen Hundekot mit unerwartetem Erfolg
    foto: regine hendrich

    Petra Jens, Aktivistin gegen Hundekot mit unerwartetem Erfolg

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