Linz : "Keinem Arzt ist das Primariat zuzumuten"

28. März 2006, 09:05
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Grund für die angespannte Lage ist kein erkennbarer Kooperationswille zwischen dem "roten" AKH und der "schwarzen" Kinderklinik

Linz - Die Situation habe sich in den vergangenen Wochen derart zugespitzt, dass "keinem Arzt das Primariat zuzumuten ist". Deshalb entschied der Aufsichtsrat des Allgemeinen Krankenhauses Linz am Freitag, die Besetzung zu vertagen, erklärt SPÖ-Vizebürgermeisterin und Aufsichtsrätin Christiana Dolezal.

Grund für die angespannte Lage ist der bis dato nicht wirklich erkennbare Kooperationswille zwischen dem "roten" AKH und der "schwarzen" Landesfrauen- und Kinderklinik (LFKK). Der Rechnungshof des Landes Oberösterreich hatte in seinem Prüfbericht eine Zusammengehen der direkt angrenzenden Häuser angeregt. Einsparungspotenzial: mindestens 4,1 Millionen Euro im Jahr.

Angst vor Zerschlagung

Der Bericht wurde zum Politikum, da weder SPÖ noch die ÖVP sich ihre jeweiligen Spitäler "zerschlagen" (Dolezal) lassen wollen. Exemplarisch dafür steht die Nachbesetzung des freiwerdenden Primariats am AKH Linz. Auf diese Stelle hatte sich auch Gernot Tews, seines Zeichens Primar am LFKK beworben. Im Sinne einer Kooperation wollte der Gynäkologe beide Leiterstellen in Personalunion führen. Tews wurde sogar an die erste Stelle gereiht. "Eine derartige Teilzeitlösung kann von den Organen der AKH Linz GmbH und deren Eigentümervertreter nicht akzeptiert werden", stellte Dolezal aber schon vor der Aufsichtsratssitzung klar.

Erich Watzl, ÖVP-Vizebürgermeister und ebenfalls AKH-Aufsichtsrat, befürchtete deshalb, dass die rote Ratsmehrheit am Freitag den Zweitgereihten zum Primar bestellen wird. Doch dann kam auch für ihn die "freudige Überraschung". Die Entscheidung wurde vertagt, der bisherige Primar tritt seine Pension erst an, wenn eine Lösung für beide Spitäler gefunden ist.

Und hier signalisiert Dolezal Gesprächsbereitschaft: "Der Aufsichtsrat der AKH Linz GmbH soll die Vorsitzende ermächtigen, Verhandlungen mit dem Land aufzunehmen, um die heutige Landesfrauen- und Kinderklinik mit dem AKH zusammen zu führen." (ker, DER STANDARD Printausgabe 25/26.3.2006)

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