Die produktive Besprechung

28. März 2006, 17:14
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Tipps gegen ewig unproduktive Sitzungen und Klausuren

Wer kennt sie nicht: Besprechungen, Sitzungen, Konferenzen, Klausuren, die viel zu lange dauern und nichts bringen. Besprechungen sind zwar nicht alles im heutigen beruflichen Alltag, aber ohne Besprechungen geht fast nichts mehr. Und so sitzt man/frau weiter, mehr oder weniger frustriert, gelangweilt oder gestresst, in Besprechungen, weil, ja: weil der Chef das will, die Mitarbeiter das erwarten und die KollegenInnen ihre Abwesenheit sonst ausnutzen. So ist es, aber muss es so sein?

Der Wunsch, auch im Alltag mitunter Gespräche mit Tiefgang zu erleben, wie sie im privaten Bereich immer wieder passieren, ist da, auch wenn dieser Wunsch selten geäußert wird. Weit abseits gängiger Managementpraktiken haben sich der Philosoph Martin Buber (Das dialogische Prinzip) und der Physiker David Bohm (Der Dialog) mit der Frage beschäftigt, wie Menschen miteinander so ins Gespräch kommen können, dass diese Gespräche für alle Beteiligten erhellend, vertiefend, weiterführend und inspirierend sind, statt ewig als unproduktiv empfunden zu werden.

Hier ein paar Anregungen für solch wahrhaft produktive Besprechungen: 

  • Geben und nehmen Sie Aufmerksamkeit. Damit schaffen Sie Raum zum Sprechen.
  • Hören Sie den anderen so intensiv zu, dass Sie beginnen, die Welt mit deren Augen zu sehen.
  • Teilen Sie Ihre persönliche Meinung mit. Dadurch stellen Sie unmittelbare Beziehungen her. 
  •  Seien Sie rückhaltlos im Mitteilen, um Implizites explizit zu machen. 
  •  Halten Sie Ihre eigenen und die Beurteilungen anderer in Schwebe, um neuen Einsichten Platz zu machen.
  • Fragen Sie nach, um die Annahmen und Erfahrungen hinter der Rede wirklich zu verstehen.
  • Lassen Sie Gesprächspausen zu und halten Sie diese aus. Dadurch wird Nachdenken ermöglicht.
  • Nur wenn Sie offen für den Verlauf der Besprechung sind, werden Sie mit unerwarteten Ergebnissen belohnt.

Die Erfahrung zeigt, dass, wie mit allen einfachen Dingen, es auch hier so ist, dass alle es tun können. Aber es wirklich gut zu machen kann lebenslange Praxis erfordern. (Der Standard, Printausgabe 25/26.3.2006)

Von
Christoph Mandl
  • Artikelbild
    foto: photodisc
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