Penthouse über der Bawag

27. März 2006, 19:56
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ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch wollte hoch hinaus. Seine Karriere hat nun einen schweren Knick bekommen

Wien - Fritz Verzetnitsch bewohnt ein Penthouse in der Wiener Innenstadt. In einem Haus, das der Bawag gehört. Dass der ÖGB-Präsident, der sich vom Installateur hochgearbeitet hat, so nobel residiert, brachte ihm bereits bei seinem Einzug 1990 heftige Kritik ein. Dass Verzetnitsch beim Bundeskongress des ÖGB im kommenden Jahr noch einmal gewählt werden wird, ist im Lichte des jüngsten Bawag-Skandals unwahrscheinlich. Die politische Karriere des 60-Jährigen scheint einen schweren Knick bekommen zu haben. Spekulationen, wonach Verzetnitsch anstelle von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer in eine große Koalition mit der ÖVP gehen könnte, sind seit Freitag hinfällig.

Verzetnitsch habe als ÖGB-Chef zugestimmt, dass zur Rettung der Bawag die Gewerkschaft die Haftung für deren Verluste übernimmt. Damit wurde sogar der legendäre Streikfonds aufs Spiel gesetzt.

Seit 19 Jahren ist Verzetnitsch an der Spitze des ÖGB, damals trat er die Nachfolge von Anton Benya an - kein leichtes Erbe. Verzetnitsch galt als zu zögerlich und zu konfliktscheu. Erst mit Schwarz-Blau erwarb sich der Präsident Respekt, als er Demonstrationen gegen die Pensionspläne der Regierung anführte und Streiks organisierte. Hausmacht hat er dennoch keine, bestenfalls lassen ihn die Bosse der Teilgewerkschaften mitreden. Jetzt gilt er manchen als Belastung. (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.3.2006)

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