Biomasse-Heizung in der Stadt: Im Zinshauskeller duftet es nach Wald

24. März 2006, 17:46
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Ein Hausbesitzer beweist, dass Biomasse-Heizungen auch im dicht verbauten Stadtgebiet möglich sind

Wien – Ein klassisches 70-er Jahre Mietshaus, alles andere als das was man sich unter einem ökologischen Musterbau vorstellt. Doch unten im Keller stinkt es seit September 2005 nicht mehr nach Öl – sondern duftet das Holz. Ein privater Hausbesitzer in der Margaretener Johannagasse hat den Beweis erbracht, dass das Vorurteil, Biomasse-Heizungen seien im dicht verbauten Stadtgebiet unmöglich, ganz und gar nicht zutrifft.

Pellets-Öfen für 21 Wohnungen

Der Eigentümer hatte sich entschieden, die 21 Wohnungen künftig mit einem Pellets-Ofen (kleine Zäpfchen aus gepresstem Sägemehl) zu heizen. Dazu kam eine Solaranlage für die Warmwasseraufbereitung auf das Dach.

Förderung

Der Einbau der Biomasseheizung wurde von der Stadt mit 45 Prozent der Investitionskosten gefördert – und die Betriebskosten sind nun deutlich geringer. "Die Brennstoffkosten von Pellets sind derzeit nahezu die Hälfte von Öl", rechnete der Grüne Gemeinderat Christoph Chorherr am Freitag bei einem Lokalaugenschein vor. Der Einbau von Biomasseöfen ist seit den enormen Ölpreiserhöhungen um 45 Prozent angestiegen und wird mit rund 8000 Öfen heuer erstmals die Ölofeninstallationen einholen.

Energiewende funktioniert

Für die Grünen Vizechefin Eva Glawischnig beweist dieses Haus: "Die Energiewende funktioniert." Österreich sei bereits "zu 70 Prozent von Energieimporten abhängig". Zwei Millionen Haushalte würden noch mit Öl oder Gas heizen. Daher müsse ein Austauschprogramm "höchste Priorität" haben.

Für die Wiener Grünen- Chefin Maria Vassilakou wird das "Umweltproblem immer mehr zum Sozialproblem". Die Energiekosten seien im heurigen Winter im Schnitt um 250 Euro pro Haushalt gestiegen. Sie fordert einen "intelligenten Heizkostenzuschuss", der mit einer Beratung über mögliche Alternativen kombiniert wird. (frei, DER STANDARD Printausgabe 25/26.3.2006)

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    Ein Hausbesitzer in Wien-Margareten heizt künftig 21 Wohnungen mit Sägemehl-Pellets

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