Muskelspielchen und Sahnehäubchen

31. März 2006, 12:57
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Die Wiener Band Sofa Surfers gastierte im ausverkauften WUK: Ein Abend, der trotz mancher Abstriche ein Triumph wurde

Einem druckvollen Spiel, einer grimmigen Schneidbrennergitarre und der Stimme von Sänger Mani Obeya sei's gedankt.


Wien – Als DER STANDARD die Sofa Surfers 2002 anlässlich des Erscheinens ihres dritten Albums zum Interview traf, war ein Gesprächsthema das Singen. Genauer: die Frage, warum die Sofa Surfers das nicht selber tun und stattdessen jede Menge Gastvokalisten engagierten, die letztlich den Titel des Albums, Encounters, verantworteten. Wolfgang Schlögl und Co gaben damals leicht zerknirscht zu verstehen, dass sie beim Songschreiben und beim Vortrag an ihre Grenzen stoßen würden, deshalb die Gaststimmen.

Wie man aus dieser Not eine mehr als nur zufrieden stellende Tugend macht, hat in der Folge nicht nur Schlögl mit seinem Soloprojekt I-Wolf demonstriert. Mit ausgewählten Stimmen ging er weg von den dunklen Groove-Übungen, die unter dem Einfluss diverser Clubsounds des letzten Jahrzehnts entstanden waren, hin zu einer zeitgenössischen Soul-Deutung.

Wie bei seinem herausragenden Album Soul Strata vertrauten auch die Sofa Surfers bei den Aufnahmen ihres aktuellen, titellosen Albums auf die Kraft einer geborgten Stimme, jener von Mani Obeya. Dieser war es auch, der den Auftritt am Donnerstagabend im Wuk zu einem Triumph mit leichten Abstrichen werden ließ und das Charismadefizit früherer Surfers-Auftritte mehr als nur egalisierte.

Kraftvoller Groove

Nach zwei Songs, die die vierköpfige Formation zum Aufbau des Erregungslevels in Anspruch nahm, kam es zum ersten Höhepunkt: Good Day To Die. Darin ließen man erstmals die Muskeln spielen und es war in der Tat ein erhebendes Gefühl zu erleben, wie der kraftvolle Groove, den Bassist Markus Kienzl aus seinem Bass hieb, den Wolfgang Frisch an der Gitarre unterfütterte und der von Schlögl an der Elektronik und von Michael Holzgruber am Schlagzeug angeschoben von Obeyas Soulgesang veredelt wurde.

Das klang, als wäre Tricky plötzlich kein krächzender Asthmatiker, sondern ein Goldkehlchen. Obeyas Gesang gegenüber formierte sich die Band, trug ihn, baute sich vor ihm auf, legte sich quer – das volle Programm, das zu aufregenden, dynamischen Nummern führte, die auch von der New Yorker Ausnahmeerscheinung TV On The Radio hätten stammen können.

Weniger überzeugend gestalteten sich die ruhigeren Zwischenspiele, die Balladen. Während diesen vor sich hinplätschernden Stücken wünschte man, Frisch würde sich an der Gitarre etwas mehr beschäftigen und dem harmonischen Allerlei Kontur geben – oder es gar sezieren. Tat er aber nicht. Oder nicht immer.

Denn kaum war der Gedanke zu Ende gedacht, intonierte die Band One Direction und Frisch erfüllte mit schneidenden Riffs genau jene gehegten Wünsche, die vom Zuspruch des ausverkauften Saals offenbar geteilt wurden. Obeyas eloquenter Vortrag, der stellenweise ein zartes Reggae- Idiom oder auch einen Rap andeutete, fungierte in drückenden, mit zwei Bässen gespielten, teilweise neuen, während der Tour entstandenen Stücken als Sahnehäubchen und führte die Band zur Bestform.

Wie sehr die Sofa Surfers längst internationales Format besitzen, verdeutlichte unfreiwillig der Auftritt von Mauracher im Vorprogramm: Dessen nicht unsympathischer Pop- Entwurf besaß in seiner Live- Aufführung die Tristesse eines Castingauswahlverfahrens – den bescheidenen Sängerinnen war es geschuldet. (DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.3.2006)

Von Karl Fluch
  • Mani Obeya am Mikro, Wolfgang Frisch am Schneidbrenner und Michael Holzgruber am Schlagzeug. Die Sofa Surfers triumphierten im ausverkauften WUK.
    foto: standard/christian fischer

    Mani Obeya am Mikro, Wolfgang Frisch am Schneidbrenner und Michael Holzgruber am Schlagzeug. Die Sofa Surfers triumphierten im ausverkauften WUK.

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