Sonder-Aufsichtsrat am Montag

27. März 2006, 11:44
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Folgen für ehemalige und noch amtierende Vorstände werden debattiert - Karibik-Affäre hat für Ex-Chefs Elsner und Zwettler Folgen

Wien - Die nun bekannt gewordenen Spekulationsverluste der BAWAG im Jahr 2000, die der Bank damals ein so riesiges Bilanzloch aufrissen, dass sie ohne Garantie des Haupteigentümers ÖGB kein Wirtschaftsprüfer-Testat erhalten hätte, bringt auch für die bereits pensionierten Bankchefs Helmut Elsner und Johann Zwettler unerquickliche Konsequenzen. Elsner und Zwettler waren für die Entscheidung zur Wiederaufnahme der umstrittenen Karibikgeschäfte im Jahr 1995 verantwortlich gewesen.

Elsner wird jedenfalls in Kürze bei den Lotterien ausscheiden. Der Vertrag endet im Mai, und er werde "auf keinen Fall verlängert", sagte der seit 1. Jänner 2006 amtierende neue Bank-Chef Ewald Nowotny heute. Man prüfe vielmehr, ob ein vorzeitiges Ausscheiden sinnvoll ist.

Zwettler, der bereits als Konsequenz der Refco-Kreditaffäre im Dezember zurückgetreten war, ist in die Schadensminimierung eingebunden. Er wird aber aus noch verbliebenen Aufsichtsratsmandaten ausscheiden.

Auch Konsequenzen für amtierende Vorstände möglich

Konsequenzen wurden heute auch für derzeit amtierende BAWAG-Vorstandsmitglieder nicht ausgeschlossen. Über die Karibik-Geschäfte Bescheid gewusst habe der gesamte damalige Vorstand, so Noch-Aufsichtsrats-Chef Günter Weninger. Auch personelle Dinge werden am Montag in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung erörtert.

Der neue Bank-Chef Ewald Nowotny erklärte bei der Pressekonferenz am Freitag, er werde mit jedem einzelnen Vorstandsmitglied Gespräche bezüglich der individuellen Verantwortung und Zukunft führen. Spekuliert worden war in den vergangenen Tagen immer wieder über mögliche Konsequenzen für die derzeitigen Vorstände Peter Nakowitz, Christian Büttner und Herbert Legradi. Alle waren langjährige Mitarbeiter der früheren Generaldirektoren, die die Karibik-Geschäfte eingefädelt bzw. fortgeführt hatten.

Rechtliche Schritte geprüft

Man werde alle rechtlichen Schritte gegen frühere und derzeitige Vorstandsmitglieder prüfen, sagte die amtierende Bankspitze heute.

Warum der für die Wiederaufnahme der umstrittenen und letztlich so verlustträchtigen Karibikgeschäfte verantwortliche Ex-Chef Helmut Elsner nach seinem Abgang von der Bank-Spitze Vorstand der ÖGB-Stiftung (seit Februar 2002) wurde, erklärte man damit, dass Elsner jener Manager war, den man "bei künftigen Dingen dabei haben" wollte. (APA)

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