Finanzaufsicht prüft wieder "vor Ort"

27. März 2006, 10:32
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FMA-Vorstand wird Sonderprüfung wegen der verlustträchtigen Karibik-Geschäfte veranlassen

Wien - Erst vorigen Freitag hat die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) ihr Ermittlungsverfahren gegen die BAWAG wieder aufgenommen. Nun dürften wieder die Vor-Ort-Prüfer ins Haus schwärmen. Das bedeutet wieder eine Sonderprüfung durch Experten von Aufsicht und Notenbank. Diesmal wegen der Spätfolgen der verlustträchtigen Karibikgeschäfte.

Inhaltlich äußerte sich die Finanzmarktaufsicht heute nicht näher über ihre Vorhaben. Auch nicht auf die Frage, wie weit bei ihren letzten Prüfungen im November das jetzt in die Schlagzeilen geratenen Anguilla-Geflecht erläutert wurde. Es werde jedenfalls jeder einzelne Punkt über die riesigen Verluste und die damaligen Konsequenzen daraus bewertet, heißt es zur APA.

Erste Stellungnahme der Bawag

Für Aufsehen hatte am Freitag in der Bank-Pressekonferenz das Bekenntnis von Noch-Aufsichtsratschef Günter Weninger gesorgt, dass im Jahr 2000 von dem Milliardenverlust und der daraus resultierenden Bilanzprobleme und der damit erforderlichen Garantie weder die bayerischen Miteigentümer noch die damalige Bankenaufsicht noch die damaligen übrigen Aufsichtsratsmitglieder informiert wurden.

Das Ermittlungsverfahren laufe auf Hochtouren, erklärte die FMA heute. Der Aufsicht sei von der BAWAG P.S.K. eine erste Stellungnahme übermittelt worden. Diese werde jetzt einmal im Detail analysiert - jede einzelne Angabe werde überprüft. "Gegebenenfalls wird die Richtigkeit und Vollständigkeit der Information auch mit weiteren Vor-Ort-Prüfungen verifiziert", heißt es in einer der APA übermittelten ersten Stellungnahme von FMA-Vorstand Heinrich Traumüller.

Maßnahmenpaket

Insoferne werde auch überprüft, ob die Aufsicht "stets gesetzeskonform" informiert worden sei, heißt es bei der Behörde.

Die FMA stellte heute weiter klar, dass schon nach dem im Herbst 2005 eingeleiteten Ermittlungsverfahren ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung des Risikomanagements, des Kreditvergabe-Prozesses sowie der Berichts- und Genehmigungspflichten veranlasst worden sei.

Noch sei es zu früh, über aufsichtsrechtliche Konsequenzen zu spekulieren. Die FMA werde sie aber "auf jeden Fall mit gebotener Härte ziehen". (APA)

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