Europa: Fusionsfantasie treibt Börsen

28. März 2006, 19:41
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Ein Kommentar von Ronald Stöferle aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Die europäischen Börsen präsentierten sich in der abgelaufenen Handelswoche einheitlich positiv. So konnte sich der DAX über der Marke von 5.900 Punkten etablieren und scheint nun Anlauf auf die psychologisch wichtige Marke von 6.000 zu machen. Auch der EuroStoxx50 legte weiter zu und steht nun bereits auf dem höchsten Stand seit Herbst 2001.

Im Wesentlichen war das Börsegeschehen einmal mehr vom grassierenden Fusionsfieber geprägt: Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer plant den deutschen Konkurrenten Schering für EUR 86 pro Schering-Aktie (Gesamttransaktionswert EUR 16,3 Mrd.) zu übernehmen. Die Schering AG und der bisherige Pharmabereich von Bayer sollen in eine neue Division namens „Bayer Schering Pharma“ mit Sitz in Berlin eingebracht werden. Anteilsscheine des Mitbewerbers Merck KGaA, der bereits ein Übernahmeoffert für Schering abgegeben hatte, verloren im MDAX hingegen knapp 3 Prozent.

Einen kräftigen Kurszuwachs verzeichneten Aktien von Infineon, nachdem einerseits bekannt wurde, dass sich Siemens von den restlichen 18 Prozent der Tochter getrennt hatte und man weiters den Börsegang der DRAM-Speichersparte plane. Kräftig zulegen konnten zudem die deutschen Autobauer Volkswagen und BMW. Die Titel profitierten von starken Absatzzahlen sowie positiven Analystenstimmen. Leichter tendierten hingegen Anteilsscheine von DaimlerChrysler. Presseangaben zufolge wolle man weiter an der schwer defizitären Kleinwagensparte "smart" festhalten. Dabei hätte der Konzern angesichts der hohen Verluste der Kleinwagensparte keinen positiven Kaufpreis für die Tochter erzielen können, hieß es weiter.

Weiters veröffentlichten die letzten drei DAX-Titel ihre Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr: Die präsentierten Zahlen des Einzelhandelskonzerns Metro fielen im Großen und Ganzen zwar wie erwartet aus, im Detail zeigten sich die Anleger jedoch enttäuscht. So soll die Dividende unverändert bleiben, da sich das Deutschlandgeschäft schwach entwickelte. Auch die Zahlen des Touristikkonzerns TUI fielen überwiegend enttäuschend aus. So wurden die Gewinnschätzungen verfehlt und zudem ein eingetrübter Ausblick präsentiert, was zahlreiche Analysten zu einer Herabstufung der Aktie veranlasste. Positiv überraschen konnte indes die Deutsche Lufthansa AG. Man konnte das operative Ergebnis und auch die Passagierzahlen kräftig steigern und plant eine kräftige Anhebung der Dividende auf EUR 0,50 je Anteilsschein.

Im TecDax führte AIXTRON die Liste der stärksten Indexwerte an, nachdem man einen Großauftrag vermelden konnte. Fester auch die Aktie von United Internet, nachdem die präsentierten Zahlen sowie der Ausblick für 2006 überzeugen konnten. Nachdem sich die europäische Berichtssaison dem Ende zuneigt, wird auch in der laufenden Woche die anhaltende Fusionsfantasie die Richtung der europäischen Aktienmärkte bestimmen. Zudem könnte der DAX die Marke von 6.000 Punkten antesten.

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