Geistlicher Führer der Shas-Partei droht Nichtwählern mit "Hölle"

28. März 2006, 14:17
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Großrabbiner Ovadia Yosef: Wer meine Partei wählt, kommt ins Paradies

Jerusalem - Der geistliche Führer der religiös-orientalischen israelischen Shas-Partei und ehemalige sephardische Großrabbiner Ovadia Yosef hat seinen Anhängern mit der ultimativen Strafe für ein Fernbleiben bei der israelischen Parlamentswahl am kommenden Dienstag gedroht. "Enthaltung kommt einer Stimme für Meretz, Shinui oder Kadima gleich", sagte er in einem am Freitag erschienenen Interview mit der Wochenzeitung "Bakehila". (Meretz und Shinui sind deklariert antireligiös, die neue Kadima-Partei säkular). Dies führe geradewegs "in die Hölle". In früheren Predigten hatte Yosef den Israelis, die seine Partei wählen, bereits das Paradies versprochen.

In der vergangenen Woche hatte ein Parteifreund Yosefs den Schlaganfall von Ministerpräsident Ariel Sharon als Strafe für die Nichtaufnahme der Shas-Partei in die Regierungskoalition bezeichnet. Shas könnte bei der Parlamentswahl laut Umfragen etwa ein Dutzend Mandate in dem 120-Sitze-Parlament erhalten.

Yosefs Partei wurde in den frühen achtziger Jahren als politische Stimme der aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum stammenden sozial schwachen Juden gegründet. 1984 trat Shas (hebräische Abkürzung für "Sephardische Hüter der Thora") erstmals bei Parlamentswahlen an und hat seither bei jeder Wahl die Zahl ihrer Sitze in der Knesset vergrößert. Als "Partei der Frommen" heizt sie einen latenten Kulturkampf gegen Reformjuden an. Unter ihrem wegen Korruption verurteilten charismatischen Ex-Vorsitzenden und Ex-Innenminister Arie Deri war die Partei in verschiedenen Koalitionsregierungen "Zünglein an der Waage". (APA)

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