Bubblegum schützt!

26. August 2006, 11:44
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Honda kümmert sich mit einer fleischfarbenen Blase um Sicherheit und mit der großen CBF um Einstiegshilfen - Die Bike-Vorschau

Ein Jahrzehnt oder mehr hat Honda am ersten serienreifen Airbag für Motorradfahrer geforscht und gefeilt. Dabei haben die gründlichen Herrschaften womöglich sogar einkalkuliert, wie rasch einigermaßen geschmackssichere Fahrer zurückschrecken, wenn sie ein riesiges rosafarbenes Luftkissen anspringt.

Mit dieser Farbe braucht der Airbag also viel weniger Aufprallenergie aushalten. Klug gedacht, das spart womöglich ein paar Gramm Material, also Gewicht. Andererseits: Fällt das bei einer Honda Gold Wing tatsächlich ins Gewicht?

Mit dem – abgesehen von der Farbe – höchst löblichen Airbag auf dem Reiseriesen ist es bei Honda mit der Vernunft noch nicht getan. Der Verkaufserfolg des Einsteigerbike CBF 600 will sich in höheren Kubaturen fortsetzen. Also CBF 1000 nach ähnlichem Strickmuster. Mit etwas gebändigtem, aber noch immer Fireblademotor der vorigen Generation. Da muss einem keineswegs langweilig werden.

Womit wir unversehens, aber vorfreudig ans andere Ende der Vernunftskala wechseln: neue Fireblade. Honda verspricht weniger Motorgewicht und mehr Power.

Eine grundvernünftige Formel, die sich auch in Zahlen ausdrücken lässt. 126,4 Kilowatt bei 11.250 Umdrehungen, 114,5 Newtonmeter bei 10.000 Touren. Und wie bei der neuen ZX 10 R von Kawasaki und der neuen R 1 von Yamaha trübt unsere Vorfreude nicht ein bisschen, dass wir auch heuer wieder bei den Kilogeräten rätseln, wo wir soviel Bumms auf der Straße ausfahren können. Ihre Sorgen möchten wir haben, murmeln Sie jetzt vermutlich.

VFR-Fans trauern angeblich schon zu Saisonbeginn, dass Honda ihr Flehen wieder überhört hat, den Vierzylinder-V mit Seltenheitswert endlich jene 200 Kubikzentimeter zu gönnen, die ihm auf runde 1000 fehlen. Wieder nix.

Mein Frust darüber hält sich in Grenzen, seit ich vor ein paar Jahren das Vorgängermodell durch das gediegene Umland von Mariazell prügeln durfte. Mich hat auch gar nicht groß gestört, dass der damals so aufgeregt diskutierte Übergang von Zweiventil- auf Vierventilbetrieb bei etwa 6.800 Touren ziemlich forsch einsetzte.

Dieser Sound aus dem damals noch lange nicht so verbreitete Underseat-Auspuff! Honda hat den Übergang nun vorverlegt und etwas geglättet, liest man, ein bisschen überarbeitet und fertig.

Moment mal: Hab’ ich es letztens bei den neuen 800-er BMWs über 85 PS und 86 Newtonmeter an Euphorie mangeln lassen? Die VFR weist 80 Newtonmeter bei 8.750 Touren aus. Aber gut, dafür auch 80 Kilowatt Leistung.

Nicht so recht begeistern mochte mich Unbescheidenen beim Erstversuch vor zwei, drei Jahren die Deauville.

Der Zweizylinder-V fühlte sich nett an, aber wenig mehr. Honda tat, was man in der Klasse 600+ derzeit so gerne tut, bohrte die Zwillinge um zwei Millimeter auf und steigerte den Hubraum so auf 680 Kubikzentimeter. Dazu neue Vierventilköpfe, neue Einspritzung und dergleichen – und: Anständige 7,3 Kilowatt mehr Maximalleistung, ansehnliche 11,2 Newtonmeter mehr Drehmoment.

Wer nun die absoluten Werte der aktuellen Deauville nachliest, ahnt, wie nett das Vorgängermodell war: 48,3 Kilowatt und 66,2 Newtonmeter. Wir sind gespannt.

>>>Gluschitsch fährt dazwischen

Nun kann ich dem Gedanken des Herrn Fidler, dass die Honda-Techniker das Airbag mit voller Absicht so eingefärbt haben, doch einiges abgewinnen, aber!

Aber wenn er da nicht daneben geschossen hat, weiß ich nicht. Ich habe die zweifelhafte Ehre, wenige Gold Wing-Fahrer persönlich zu kennen. Die machen sich nichts aus Farben. Ehrlich! Das Einzige wovor die sich fürchten sind Leute vor der Finanz und Körperfettwaagen. So gesehen eine Strapaz für den Airbag, die hoffentlich eingerechnet ist.

Meine Bereitschaft, eine Gold Wing zum Airbagtest zu crashen, wäre ja da. Vielleicht als Duell mit dem Herrn Fidler. Wer sich schöner einbaut und edler unter Zuhilfenahme des Airbags absteigt, bekommt vom Anderen die Krankenhauskosten ausbezahlt. Ich zweifle nur daran, dass ich mit diesem kümmerlichen Konzept Honda und Fidler überzeugen werde können.

Die CBF 1000 wird den Markt sicher aufmischen. Keine Frage. ABS ist in, das Motorrad ist schön – allein die Emotionen fehlen mir ein wenig. Die werden aber Abstinenzler, also Leute, die seit Jahren kein Motorrad mehr ihr Eigen nannten, sicher schnell finden. Der Kosten-Nutzen-Rechnung geht ja in Ordnung.

Vor dem Tag, an dem der Herr Fidler mit der CBR in der Redaktion einreitet, fürcht ich mich schon! Ich hoffe ich hab nicht zur gleichen Zeit die 10er Kawasaki, weil ich werde am Weg zum Billa, wegen meiner Unfähigkeit, vermutlich wild hergebrannt. Und ob mir dann meine Wurstsemmel mit den grünen Gurkerln noch schmeckt ... Ich weiß nicht!

PS von fid:

Ich? Herbrennen? Dafür gefällt mir der Po der Kawa viel zu gut! (Harald Fidler/Guido Gluschitsch, derStandard.at, 26.3.2006)

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Honda

  • Bumms für die Straße - die Fireblade.
    foto: werk

    Bumms für die Straße - die Fireblade.

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