Links-Vorteil im Tierreich

26. März 2006, 11:30
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Krabbenart ist auf Schnecken mit rechts gewundenen Gehäusen spezialisiert

New Haven/London - Schnecken, deren Gehäuse links gedreht sind, haben nach jüngsten Erkenntnissen von US-Forschern einen großen Überlebensvorteil, denn räuberische Krabben können sie nicht fressen, berichtet das Wissenschaftsmagazin Biology Letters. Offensichtlich ist das Tierreich deutlich auf Rechtshänder eingestellt. Unklar ist den Wissenschaftlern allerdings bis heute, warum sich die links gedrehten Schneckengehäuse in der Evolution nicht durchsetzen konnten. Einige dieser Schneckenarten sind sogar ausgestorben.

Die Forscher um Gregory Dietl von der Yale University haben jene Schnecken genau untersucht, die von der Krabbe Calappa flammea vorzugsweise verspeist werden. Dabei ist ihnen aufgefallen, dass die sonst äußerst geschickten Krustentiere bei Schnecken, deren Gehäuse links gewunden sind, einfach scheitern. Ihre Scheren sind offensichtlich nur in der Lage, Schnecken mit rechts gedrehten Häusern herauszuziehen. "Die Krabben haben ihre Scheren so konzipiert, dass sie wie ein Dosenöffner funktionieren", erklärt Dietl. "Das ist genau gleich wie ein Linkshänder an einem für Rechtshänder konzipierten Dosenöffner scheitert." Die Forscherteams haben Schnecken der Familie Wellhörner und Kegelschnecken untersucht.

Links und rechts

Insgesamt haben sie elf Spezies mit sowohl rechts- als auch linksgedrehten Gehäusen gefunden. "Es ist ganz einfach, diesen Unterschied der Schnecken festzustellen, in dem man die Tiere mit der Spitze nach oben hält und sich die Öffnung ansieht", erklärt der Wissenschaftler. Wenn die Öffnung auf der rechten Seite liegt, ist es eine Rechtshänder-Schnecke, liegt sie auf der linken Seite, handelt es sich um einen Linkshänder. Tatsächlich konnten die Forscher an den Schnecken mit rechts gewundenen Häusern wesentlich häufiger Spuren von vorhergehenden Attacken durch Krebse feststellen.

"Die Krabbe stellt sich bei den linkshändischen Schnecken an wie ein Vegetarier in einem Fleischerladen", erklärt Dietl. In den meisten Fällen ließen sie schon nach kurzer Zeit von den Linkshändern ab. "Tatsächlich kommen solche Linkshänder-Schnecken in der Natur aber relativ selten vor", so der Wissenschaftler. Die Zahl der Schnecken mit links gewundenen Häusern beläuft sich nach Schätzungen auf nur ein Prozent aller vorkommenden Tiere.

Ursachensuche

Die Forscher sind nun der Frage nachgegangen, warum sich die Linkshänder trotz des evolutionären Vorteils nicht durchsetzen konnten. Ein Grund könnte sein, dass ein häufigeres Vorkommen Krabben wahrscheinlich Techniken finden lässt, diese Schnecken dennoch zu knacken. Damit würde dieser Vorteil sehr schnell verschwinden. (pte)

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