Diskussion zur Wiener Theaterreform: "Es kreißte der Berg und eine Maus war geboren"

30. März 2006, 18:12
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Geschäftsführerin der IG Freie Theaterarbeit fasst bisherige Fortschritte lakonisch zusammen

Wien - "Es kreißte der Berg und eine Maus war geboren", fasste Sabine Kock, Geschäftsführerin der IG Freie Theaterarbeit, am Donnerstag als Moderatorin einer Diskussion im depot ihren Eindruck von der Wiener Theaterreform zusammen: "Maßgeblich hat sich da nichts geändert." Günter Lackenbucher, Theaterreferent des Wiener Kulturamts und als Mitautor einer Studie entscheidender Impulsgeber der laufenden Reform, sah das naturgemäß anders: "Wesentliche Punkte sind umgesetzt worden, andere sind in der Endphase." In den kommenden Wochen sollen wesentliche Weichenstellungen passieren, am 3. Mai will man öffentlich eine Zwischenbilanz ziehen.

Freie unzufrieden

Der Unmut der Freien Theaterschaffenden scheint nicht wesentlich kleiner geworden zu sein. Das war bei der gestrigen Diskussion deutlich zu spüren. Hauptkritikpunkte sind nach wie vor schleppende Entscheidungen und mangelnde Planungssicherheit, fehlende Transparenz, Nicht-Einbindung in die Weiterentwicklung der Reform und völlige Unklarheit über Definition und Umsetzung der angekündigten Koproduktionshäuser.

In einem Forderungskatalog wird auf "weiterhin bestehende strukturelle Defizite" hingewiesen, eine Budgetanhebung für Projektförderungen auf jährlich vier Mio. Euro, die Ausschreibung eines paritätisch besetzten Gremiums für die Projektförderempfehlungen, Bescheid-Erteilung in Sechs-Wochen-Frist, die Ausschreibung einer Findungskommission für die Koproduktionshäuser und anderes mehr gefordert.

Standpunkte

Während Marco Schreuder von den Wiener Grünen und Franz Ferdinand Wolf, Kultursprecher der ÖVP Wien, betonten, das grundsätzliche Bekenntnis zur Theaterreform sei kein Freibrief für alle Zukunft und dringend die Bekanntgabe und Diskussion der geplanten weiteren Maßnahmen einforderten, betonte Lackenbucher: "Der Übergang braucht Zeit."

Ein Wechsel des Kuratoriums stehe "außer Frage", sei aber ebenso noch Gegenstand von Gesprächen wie die Ausschreibung neuer Theaterleitungen ab Herbst 2007. "Innerhalb der nächsten ein, zwei Monate wird ausgeschrieben", versprach er, unklar ist allerdings noch, welche Häuser das konkret sein werden. "In manchen Fällen sind wir sehr weit, in anderen Fällen noch nicht am Ende der Gespräche." Es zeichnet sich jedenfalls ab, dass es bei manchen Häusern "Übergangsszenarien" geben wird, da man auch jene Häuser, bei denen die jetzigen Betreiber über private Mietverträge verfügten, als Spielstätten erhalten wolle. Bei den Koproduktionshäusern gehe es um "verschiedene Standorte und Konzepte".

Mehr Licht ins Dunkel will man am 3. Mai bringen. Lackenbucher: "Merken Sie sich den Termin auf jeden Fall vor!" (APA)

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