Sport: Viele Schriftführerinnen, kaum Präsidentinnen

25. März 2006, 12:00
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Je höher es in die Funktionärshierarchie des österreichischen Sports hinauf geht, desto geringer wird der Anteil an Frauen

Wien - Seit April 2004 sitzt Österreich in Person von Innenministerin Liese Prokop der internationalen Arbeitsgruppe namens European Women and Sport (EWS) vor. Das Motto dieser Periode, die von Freitag bis Sonntag mit der 7. EWS-Konferenz in der Hofburg endet, lautete "Good Governance in Sport - Sport als Trendsetter für die neue Bürgergesellschaft".

Eine vom Allgemeinen Sportverband Österreichs (ASKÖ) und vom Institut für Sportwissenschaften durchgeführte Studie untersuchte wie schon 1998 die Repräsentanz von Frauen in den österreichischen Sportstrukturen. Prinzipiell sind Frauen im Sport, was die aktive Ausübung betrifft, nicht besonders unterrepräsentiert. In den Vereinen sind 41 Prozent der Mitglieder weiblich, das war schon vor acht Jahren so. Bei den Mitarbeitern steht es 37:63. In der Vorstandsstruktur der Vereine stieg der Frauenanteil von 25 auf 29 Prozent. In mehr als jedem zweiten Verein macht eine Frau die Schriftführerin, doch nur in jedem achten die Präsidentin.

Auch ein Zeitproblem

Es fällt auch auf, dass mit zunehmender Bedeutung der Gremien der Anteil der Frauen immer geringer wird. In den Dachverbänden ASKÖ, ASVÖ und Sportunion sind nur 13 Prozent der Vorstandsmitglieder weiblich. Ein Grund dafür wird auch in der Tatsache vermutet, dass Frauen einfach viel weniger Zeit für ehrenamtliche Gschaftln haben als Männer, weil sie trotz Berufstätigkeit den größten Teil von Erziehungs- und Haushaltsarbeit leisten. Was Trainerinnen betrifft, gibt es keine Daten, doch die Mutmaßung, dass sie mit Ausnahmen von etwa Eiskunstlauf deutlich unterrepräsentiert sind, kann ASKÖ-Wien-Präsidentin Beate Schasching nur bestätigen.

Dies trägt auch dazu bei, dass viele zehn bis 15-jährige Mädchen den Sport verlassen. Ein Schwerpunkt bei der EWS-Konferenz wird auch das Projekt Gender-Training für Trainerinnen und Trainer sein, um die Ausbildung geschlechtsspezifischer zu gestalten. Zudem wurde eine Informations-und Beratungsstelle eingerichtet, die Hilfe bei Diskriminierung und sexueller Gewalt im Sport anbietet. Sie ist telefonisch unter der Nummer 0650 44 95 95 0 erreichbar oder unter www.call4girls.at. (DER STANDARD Printausgabe 24.03.2006)

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    Die 7. Europäische Frauen- und Sportkonferenz findet von 24. bis 26. März in der Wiener Hofburg statt.
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