Umweltbundesamt: Feinstaub kostet uns neun Lebensmonate

24. März 2006, 18:10
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Stärkster Effekt in Graz: Bewohner sterben 17 Monate früher - Belastung war vor 30, 40 Jahren wesentlich höher als heute

Durchschnittlich kostet Feinstaub Herrn und Frau Österreicher neun Monate ihres Lebens - wenn man einer am Freitag veröffentlichten Studie des Umweltbundesamts Glauben schenkt. Die Arbeit unter der Projektleitung von Jürgen Schneider beruhen auf Berechnungen und nicht auf einer tatsächlich entsprechend geringeren Lebenserwartung, die sich aus der Statistik herauslesen ließe. Diese zeichnet nämlich ein ganz anderes Bild.

Die stärksten Effekte müssten laut UBA in Graz zu erwarten sein: 17 Monate würden die Bewohner wegen des Feinstaubs früher sterben, für Linz ergäben sich 14, Wien zwölf, St. Pölten elf, Innsbruck zehn, Klagenfurt neun und Salzburg "nur" sieben Monate. Dies jeweils unter der Annahme, dass die Belastung mit Feinstaub über mehrere Jahrzehnte konstant bleiben.

Die Wissenschafter waren für ihre Arbeit über die Auswirkungen von Feinstaub (PM10) und Ultrafeinstaub (PM2,5) von einem fixen Verhältnis zwischen der beiden Stoffe zueinander ausgegangen, da die besonders kleinen Teilchen hier zu Lande im Gegensatz zum "normalen" Feinstaub noch fast nicht gemessen werden.

Größerer Einfluss durch Rauchen, Essen oder Lifestyle

Anhand der so "gewonnenen" Daten ging man nach der Methode des "Health Impact Assessments" vor. Dabei wird eine Konzentrations-Wirkungs-Beziehung gewählt und so der Effekt ermittelt. Wie aussagekräftig ist dies nun? "Da die individuelle Lebenserwartung von vielen Faktoren beeinflusst wird und sich die persönliche Belastungssituation ändern kann, lassen sich diese berechneten Werte nicht notwendigerweise direkt beobachten", ist in der Studie zu lesen.

Und dies kann man tatsächlich nicht: Für 2004 weist Graz, dessen Bewohner 17 Monate durch Feinstaub einbüßen müssten, eine Lebenserwartung von 82,7 für Frauen und 77,4 Jahre für Männer auf. Für die gesamte Steiermark, die laut UBA deutlich weniger bis gar nicht mit Feinstaub belastet ist und wo die Menschen eigentlich nach dieser Logik später sterben müssten, werden die Frauen nur 82,3 und die Männer 76,7 Jahre alt.

Früher wesentlich höhere Belastung

Für den Umstand, dass die Ergebnisse seiner Studie nicht mit der Realität in Übereinstimmung zu bringen sind, hatte Schneider gegenüber der APA keine Erklärung. Andere Faktoren wie Rauchen, Essen oder Lifestyle hätten einen größeren Einfluss auf die Lebenserwartung als Feinstaub. Ob die Steirer am Land mehr dem Nikotin, fettem Essen verfallen sind und sich weniger bewegen als die Grazer? Das habe er nicht untersucht und dazu könne er nichts sagen.

Übrigens kann man auch nicht erwarten, dass diese Feinstaub-Horrorzahlen sich erst in einigen Jahrzehnten auch statistisch auswirken. Denn die Belastung war, wie Schneider sagte, vor 30, 40 Jahren wesentlich höher als heute. (APA)

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