Sherry Sherry Lady - Der Test Teil 1

24. März 2006, 17:00
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Schon mal Fino oder Manzanilla zu Sashimi probiert? Sherry ist zwar ein Nischenprodukt, taugt aber zu deutlich mehr. Ein Test in Teil 18

Erfunden wurde er - wie Portwein oder Madeira - von den Engländern, die sich in der Geschichte wie heute als sehr durstiges Volk erwiesen haben und mangels eigener Produktion Wein per Schiff aus mehr oder weniger fernen Ländern zu importieren pflegten. Einige dieser Weine überstanden die langen Transportwege eindeutig besser, wenn sie durch Zugabe von Hochprozentigem wie Brandy, Weingeist etc. "aufgespritet" und dadurch haltbarer gemacht wurden. So auch Sherry.

Sherry kommt aus der Region rund um Jerez im Süden Spaniens ...

... und darf nur aus drei weißen Rebsorten - Palomino, Pedro Ximénez und Moscatel, wobei die letzten beiden nur süß ausgebaut werden - hergestellt werden. Aus den Reifeprozessen ergeben sich zwei grundlegende Linien, die Gruppe der Finos/Manzanillas, die unter Florhefe reifen, welche die Wein-Oberfläche im nicht ganz vollen Fass so abdichten, dass kein Sauerstoff dazukommt, und die Olorosos, die mit viel Sauerstoffzufuhr (oxidativ) ausgebaut werden. Finos und Manzanillas werden auf rund 15,5 Prozent Alkohol aufgespritet, Olorosos fallen mit etwa 17,5 Prozent kräftiger aus. Manzanilla ist eine regionale Sonderform des Fino, er kommt ausschließlich aus Sanlucar de Barrameda, einer Fischerstadt an der Mündung des Flusses Guadalquivir in den Atlantik.

Sherry reift in Soleras, die Grundweine durchlaufen in den allermeisten Fällen jahrgangsunabhängig eine Batterie von Fässern und werden dann miteinander verschnitten. Ziel eines Hauses ist es, einen bestimmten Geschmacksstil zu entwickeln, der ohne Jahrgangsschwankungen durchgezogen wird. Altersangaben auf den Etiketten, sofern vorhanden, beziehen sich auf das Durchschnittsalter des Weines.

Finos sind blassgelb,...

... schmecken hefig-elegant, erinnern an Nüsse unterschiedlichster Arten, manchmal ganz leicht an bittere Kräuter, und enden meist salzig-herb. Manzanilla, die feingliedrigere Spielart des Fino, wird in Meeresnähe gelagert, weshalb man ihm salzigere Noten oder sogar einen "Meeres"-Duft nachsagt. Wie viele herbe (nicht bittere!) Getränke vermitteln sie gerade in heißen Gegenden eine gewisse Frische und sind vor allem als Essensbegleiter gedacht. Interessanter Aspekt am Rande: Manche Sherrys, die für Märkte gedacht sind, in denen die Leute süßere Geschmäcker vorziehen, werden durch Süßen "aufgemotzt" und zugänglicher gemacht.

Finos passen perfekt zu Tapas wie frittierten Tintenfischen, zu Oliven, Schinken, Salzmandeln oder Tortillas sowie zu gekochten oder gegrillten Garnelen und anderen Meeresfrüchten oder festfleischigem Fisch wie Seezunge oder Goldbrasse. Spannende Geschmackserlebnisse ergeben sich mit Sashimi oder Sushi. Sherry ist hier zu Lande ein Nischenprodukt, wird aber nicht ungern zum Kochen verwendet oder - von manchen aufgeschlossenen Sommeliers - als Aperitif angeboten. Getrunken wird Fino oder Manzanilla in erster Linie kühl.

--> Kriterein und Bewertungen

Die Kriterien

14 Finos und Manzanillas, die alle in österreichischen Supermärkten oder im Fachhandel angeboten werden, wurden von sechs Personen verdeckt getestet. Mitprobiert haben sowohl Sherry-Spezialisten als auch Leute, die Sherry schätzen, ohne viel Sherry-Erfahrung oder großes Hintergrundwissen zu haben. Bewertet wurde nach dem Standard-10-Punkte-Schema (siehe unten). Ob es sich um Fino oder Manzanilla handelt, ist nach dem Produktnamen angeführt, sofern dieser nicht selbsterklärend ist.

Da die handelsüblichen Flaschengrößen variieren, wurden die Preise auf die am weitesten verbreitete Gebindegröße von 0,75 Liter umgerechnet, um sie vergleichbar zu machen.

Die Ergebnisse

  • „Fino Quinta", Bodegas Osborne S.A.
    (Destillerie Franz Bauer, Prankerg. 29-31, 8020 Graz, Tel. 0316/77 00) 7,64 Euro
    Sehr markante, von Jod geprägte Nase, komplex mit etwas röstigen Nussaromen, geht am Gaumen auf, schmiegt sich an, viel Extrakt, dezente Holznoten, gut strukturiertes Salz-Hefe-Spiel, sehr lang, ausgesprochen eigenständiger Charakter
    9,5 Punkte

  • „Papirusa", Manzanilla, Emilio Lustau S.A.
    (z.B. bei Böhle, Wollzeile 30, 1010 Wien) 13,50 Euro
    Komplexe, etwas gereifte Nase, salzig – Meer pur, am Gaumen extrem voluminös und fast cremig, mit Nuss- und Honigaromen, dazu kräftige Hefenoten, Mandeln!, eigenständiger muskulöser Typ mit langem Finale, das intensiv ist und an Jod erinnert
    9,0 Punkte

  • „Gran Barquero Fino", Perez Barquero S.A.
    (A. Vergeiner, 9900 Lienz, Tel. 048 52/ 66 80) 10,60 Euro
    Wurde als „Pirat" aus der Region Montilla-Moriles in den Test genommen und ist aus Pedro Ximénez, der normalerweise vor allem süß ausgebaut wird: vielschichtiger Geruch, Nuss- und Weißbrotaromen dominieren, Heu, sehr mineralisch, am Gaumen dicht, mit viel Walnussgeschmack, harmonische Salznote, bleibt lange mit anregendem Salz-Nuss-Spiel
    8,0 Punkte

  • „Tio Pepe", Fino, Gonzalez Byass
    (Böhle) 12,6 Euro
    Klassische Fino-Nase, dazu frischer Apfel pur, erinnert im Geruch an Olivenöl, harmonisch salzige Aromatik, etwas Jod, Salzmandeln, sehr präzise und ausgewogen, auch hier stets frischer Eindruck, bleibt lange stehen mit würzigem Abgang
    8,0 Punkte

  • „Fino" Gutierrez Colosia
    (Kuranda, 4484 Kronsdorf, Tel. 072 25/81 55) 10 Euro
    Apfel und Meeresbrise im Vordergrund, dezente Jodnoten, am Gaumen etwas Olivenöl, harmonisch mit mittellangem Abgang
    7,5 Punkte

  • „Don Fino" Sandeman
    (z.B. bei Böhle) 12,60 Euro
    Gut ausgeprägte Hefenase, Weißbrot; schmeckt sehr pikant und kraftvoll, frisches Heu, reife Äpfel, auch im Geschmack deutliche Hefenoten, lang nachklingend
    7,0 Punkte

    --> Weitere Ergebnisse

  • „Marismeno", Fino, Sanchez Romate Hnos S.A.
    (bei Friedrich Pecenka GmbH, Pyrkerg. 31, 1190 Wien, Tel. 01/368 51 980) 12 Euro
    Sehr gereifter Eindruck im Geruch mit süßlichen Anklängen, etwas Teer/Jod, auch am Gaumen sehr reif, Honig, Nuss, Trockenfrüchte, am Ende sehr erfrischende Salznoten, die lange schmeckbar sind, sehr eigenwillig
    6,0 Punkte

  • „La Guita", Manzanilla, Hijos de Rainera Perez Marin S.A.
    (Stangl, 5020 Salzburg) 9 Euro
    Sehr klare, frische, grüne Nase, geht am Gaumen auf, leichte Mandel, Apfel, zarte Jod-Salz- Aromatik, die langsam in den Vordergrund kommt, ausgewogen; klassisch leichte, etwas „glatte" Manzanillastilistik, aber eindeutig Manzanilla-Stil
    5,0 Punkte

  • „Pale Dry", Fino, Bodegas Barbadillo S.L.
    (bei Spar/Interspar) 4,99 Euro
    Kalkig-kreidig, riecht nach Apfel mit süßlicher Aromatik, Anklänge von Orange, extrem fruchtig, Hefe- und Salznoten dadurch sehr überdeckt; an sich harmonisch, aber für Sherry untypisch
    5,0 Punkte

  • „La Gitana“, Manzanilla, Bodegas Hidalgo
    ( Festival, Döblinger Hptstr. 6, 1190 Wien, Tel. 01 / 369 60 61) 12,72 Euro
    Anfangs sehr frisch mit ausgeprägter Hefenote, harmonisches Salz-Mandelspiel, am Gaumen sehr breit, cremig und ölig, schöne Spitzen, lässt leider in der Nase sehr schnell nach (kennen wir wesentlich besser), daher nur
    4,0 Punkte

  • „Fino“ Sanchez Romate Hnos. S.A.
    (bei Billa/Merkur) 3,99 Euro
    Verhalten, neutrale Nase, am Gaumen harmonisch mit schönen Salznoten, einfach strukturierter, unkomplizierter Easy drinking Einstiegssherry
    2,5 Punkte

  • „Manzanilla“ Sanchez Romate Hnos. S.A.
    (bei Billa/Merkur) 3,99 Euro
    Neutrale, eher eindimensionale Nase, etwas Apfel, sehr straight und einfach, am Gaumen etwas unharmonisch, Anklänge von Salz, sehr kurz
    0,5 Punkte

    Ohne Bewertung (aufgrund Überlagerung?) blieben die beiden nachfolgenden Weine:

  • „Fino Mendez“Bodegas Miguel Angel
    Extrem "gesüßte" Nase, am Gaumen lasch und abgestanden, erinnert nur mehr sehr peripher an Sherry

  • „Dry Seco“, Fino, Sandeman
    etwas unsaubere Nase nach nassen Fetzen, überreifen Äpfeln, Fallobst, wirkt unpräzise, schwammig breit, kennen wir anders

    Besonderer Dank gilt neben den erwähnten Händlern auch den Importeuren Pernod Ricard Austria und P.M. Mounier, die Proben zur Verfügung gestellt haben.

    Standard-10-Punkte-Schema

    0 – 1,9 Punkte: neutral bis einfach, fehlerfreie Basisqualität. 2 – 3,9 Punkte: Weine mit Frucht und Substanz, die bereits viel Spaß bereiten. 4 – 5,9 Punkte: sehr gute Weine mit klarer Frucht, ausdrucksstark, mit Finesse und Harmonie. 6 – 7,9 Punkte: ausgezeichnete, beeindruckende Weine, die weit über dem Durchschnitt liegen mit viel Substanz und außerordentlicher Fülle. 8 – 10 Punkte: große Weine, am Rande der Perfektion).

    Nächste Woche: die getesteten trockenen Amontillados, Palo Cortados und Olorosos

  • Getestet haben Klaus Hackl und Luzia Schrampf
    • Der Testsieger: Fino Quinta von Osborne
      foto: grupo osborne s.a.

      Der Testsieger: Fino Quinta von Osborne

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